Rückführbare Messgerätegenauigkeiten

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12.03.2010 Gefüllte Warenregale, ein breites Produktsortiment und das in Top-Qualität – wie können diese hohen Anforderungen an Logistik und Produktqualität bereits im Lebensmittelherstellungsprozess erfüllt werden? Diese Frage stellt Lebensmittelproduzenten vor große Herausforderungen. Direkten Einfluss haben hierbei das Herstellungs-Know-how, der Automatisierungsgrad der Produktionsanlagen sowie die permanente Kontrolle und das Einhalten von Qualitäts- und Hygieneanforderungen.

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Entscheider-Facts Für Anwender


Was ist eine Kalibrierung?
Eine Kalibrierung nach DIN 31051 ist das Feststellen und Dokumentieren der Differenz zwischen einem angezeigten und einem als richtig geltenden Wert, ohne dass dabei ein technischer Eingriff erfolgt. In der Praxis erfolgt eine Kalibrierung durch den Vergleich des angezeigten Messwertes eines Prüflings mit einem auf nationale oder internationale Normale rückgeführten Referenzgerät. Hauptmotivation für die Kalibrierung von Messmitteln sind
  • das Erfüllen von Nachweispflichten im Rahmen von Qualitätssicherungssystemen, wie zum Beispiel ISO 9000, HACCP, IFS, AIB oder ISO 14001;
  • rechtliche und technische Vorgaben sowie die Garantie der Produktqualität;
  • wachsende nationale und internationale Forderungen auf Austauschbarkeit von Fertigungsteilen („mit demselben Maß“ messen).

Ohne den Einsatz moderner Mess- und Automatisierungstechnik lassen sich die erwähnten Anforderungen heute nicht mehr erfüllen. Dabei geraten Themen wie Anlagenverfügbarkeit, Prozesskritikalität von Messtechnik sowie eine rückführbar dokumentierte Genauigkeitsbetrachtung der eingesetzten Messmittel immer mehr in den Fokus der internen Qualitätssicherung und externer Lieferantenaudits.

Große Herausforderungen für die Produzenten

Wie sich der Stellenwert von Messtechnik im Laufe der letzten Jahre gewandelt hat, zeigt ein Blick in die aktuelle Version 5.0 IFS (International Food Standard) vom August 2007 des. Dieser von verschiedenen Mitgliedsunternehmen des HDE (Hauptverband des deutschen Einzelhandels) initiierte Standard dient zur Bewertung der einheitlichen Überprüfung der Lebensmittelsicherheit und des Qualitätsniveaus von Lebensmittelproduzenten. So wird dort im Abschnitt 5.4 die regelmäßige Kalibrierung und Überprüfung von Mess- und Registriergeräten explizit gefordert. Dies stellt viele Produzenten vor große Herausforderungen:

Welche Messgeräte haben einen direkten Einfluss auf die Produktqualität, und anhand welcher Kriterien kann ich diese identifizieren?
Wie kann ich ein geeignetes Überwachungssystem finden und im Prozess integrieren?
Welche Überprüfungsmaßnahmen muss ich konkret vornehmen?
Wie dokumentiere ich auditsicher den Lebenszyklus der Messmittel und der durchgeführten Überprüfungen?

Unterstützung bei der Beantwortung dieser Fragen liefert ein gemäß ISO 17025 akkreditierter Kalibrierdienstleister. Gemeinsam mit den Lebensmittelproduzenten wird eine Bestandsaufnahme der gesamten installierten Messtechnik durchgeführt, eine Bewertung hinsichtlich Prozess- und Produktqualität erarbeitet und ein passender Maßnahmenkatalog für Überprüfung, Kalibrierung sowie Instandhaltung festgelegt. Nach der Beratung werden sämtliche Kalibrierarbeiten übernommen, und es wird für eine professionelle Projektkoordination gesorgt. Für die Messmitteldokumentation inklusive der Kalibrierprotokolle gibt es ein webbasiertes Dokumentationstool (W@M-Portal). So werden Unternehmen zum sicheren Bestehen interner und externer Audits begleitet.

Qualitätssicherung wird großgeschrieben

Produktqualität hat neben den Themen Sicherheit und Umwelt oberste Priorität bei dem Safthersteller Punica. Dies spiegelt sich sowohl in einer ISO 9000-Zertifizierung als auch in der Zertifizierung gemäß der Umweltmanagementnorm ISO 14001 wieder. Da sich Qualitätssicherung bei Punica nicht nur über die Qualität der Produkte definiert, sondern auch die Qualität der Produktionsprozesse mit einbezieht, setzt man zur Kontrolle auf Standards wie den AIB (American Institute of Baking). Dieser Lebensmittelstandard ist in Teilen noch strenger ausgelegt als der IFS-Standard. Da Punica seit 2005 ein Tochterunternehmen des Pepsico Konzerns ist, gibt es zusätzlich regelmäßige interne Qualitätsaudits durch Pepsico. Ein Bestandteil der Audits sind Überprüfungen von schlüssigen Maßnahmenpaketen zur Überwachung von Messgerätegenauigkeiten.

Doch warum stehen Messgeräte überhaupt im Fokus einer regelmäßigen Kontrolle? Messtechnik dient nicht nur zur Anzeige eines Prozessmesswertes oder liefert die zur Prozessregelung notwendigen Parameterinformationen. Vielmehr hat die Leistungsfähigkeit eines Messgerätes oft einen direkten Einfluss auf die Produktqualität oder andersherum gesagt: Liegen Messwerte außerhalb der zuvor definierten Toleranzen, läuft der Produzent Gefahr, Produkte zu produzieren, die nicht mehr seinem Qualitätsanspruch genügen. Werden Messgeräte in sicherheitsrelevanten Anlagenbereichen eingesetzt, besteht hier umso mehr der Bedarf für ein regelmäßiges Überprüfungskonzept. Hier können ungenaue Messwerte Einfluss auf die Umwelt oder die Gesundheit des Betriebspersonals haben. Moderne Messtechnik liefert heute in der Regel über Jahre hinweg reproduzierbare Messwerte, die innerhalb der vom Hersteller angegebenen Genauigkeitstoleranzen liegen. Ein regelmäßiges Überprüfungskonzept gibt dem Betreiber jedoch die Gewissheit, dass die Messung stimmt und er sich auf den Messwert verlassen kann.

Kalibrierservice spart Arbeit

Bei Punica ist die regelmäßige Überprüfung der Messtechnik sowohl Bestandteil des Qualitätssicherungssystems als auch der internen und externen Audits. Da der Aufwand für die Rekalibrierung von mehreren hundert Messstellen für die eigene Instandhaltungsmannschaft zu hoch wäre, setzt man hier auf den Kalibrierservice vom Messgerätehersteller. Das Kalibrierkonzept bestand aus folgenden Komponenten:

Bestandsaufnahme sämtlicher Messgerätedaten inklusive Archivierung in einer lokalen Datenbank;
Festlegen qualitäts- und sicherheitsrelevanter Messstellen nach Vorgaben durch Punica;
Entwicklung eines Überprüfungskonzepts für jede Messstelle;
Definition eines Kalibrierplans.

Das anschließende Durchführen der Kalibrierungen verschiedenster Prozessparameter erfolgt jeweils innerhalb eines Jahres durch das Kalibrierteam des Messgeräteherstellers. Die Kalibrierzertifikate werden automatisiert im W@M-Portal archiviert und sind – nach Freischalten des Portals für den Kunden – rund um die Uhr verfügbar. Per Knopfdruck lassen sich sämtliche Dokumentationen für ein Audit abrufen.

Lebensmittelhersteller können sich somit wieder auf ihre Kernkompetenzen konzentrieren – die Herstellung von Lebensmitteln. Und wir als Konsumenten können uns auf eine abgesicherte Produktqualität verlassen.

„Audits sollen helfen, Schwachstellen aufzudecken und Qualitätsprozesse zu optimieren“
Dr. Birte Gerken, Quality Manager bei Punica
„Das W@M-Portal wird in Zukunft für Folgeaudits die Funktion einer zentralen Messgerätedatenbank erhalten“
Thorsten Woyand, Coordinator Technical Support bei Punica

Heftausgabe: März 2010
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Thomas Kaufmann , Produkt Manager Life Cycle, Endress+Hauser

Über den Autor

Thomas Kaufmann , Produkt Manager Life Cycle, Endress+Hauser
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