Neue Solida-Produktion bei Temmler Pharma

Auf den Leib geschneidert

10.10.2006 Bei Temmler Pharma in Marburg stand eine Erweiterung der Produktion an. Das Standortkonzept sollte vielseitig und flexibel sein. Im Herbst letzten Jahres konnte das Unternehmen sein neues Produktionsgebäude nach nur 15-monatiger Bauzeit in Betrieb nehmen. Der Pharmaplaner zeichnete dabei für die Generalplanung verantwortlich.

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Mit seiner Strategie der drei Kernkompetenzen gelingt es Temmler Pharma immer wieder, sich im ständig verändernden Markt erfolgreich zu behaupten: Neben der galenischen (Weiter-)Entwicklung von Arzneimitteln, auch mit internationalen Partnern, ist Temmler Pharma eine renommierte Adresse für die Auftragsfertigung – speziell, aber nicht ausschließlich für Retard-Zubereitungen und Arzneimittel in Kapseln. Das dritte Standbein schließlich stellt die Vermarktung von ZNS- und Magen-Darm-Präparaten inklusive des dazugehörigen Informationsservice für Ärzte und Apotheker dar.

Mit der Beratung fing alles an

Aufgrund dieser sehr spezifischen Unternehmensstrategie wurde den Beteiligten schnell klar, dass ein passendes Standortkonzept für Temmler Pharma sowohl vielseitig als auch flexibel zu gestalten war. Es musste den vielfältigen vorhandenen Anforderungen genügen, gleichzeitig aber auch auf kurzfristige Änderungen reagieren können.

Als sich Temmler Pharma Anfang des jahres 2002 entschied, die Produktionskapazität durch die Anschaffung von zusätzlichen Maschinen zu erweitern, ging man davon aus, den notwendigen Platzbedarf mit einem Anbau an die bestehende Produktion decken zu können. Nach einer kurzen Beratung durch einen Pharmaplaner entschied man sich jedoch, eine Konzeptstudie in Auftrag zu geben, die den ganzen Produktionsstandort inklusive Nebenfunktionen berücksichtigen sollte. Einerseits musste die bestehende Produktion unter GMP-Gesichtspunkten ohnehin modernisiert werden, andererseits sollte der Umbau zukünftige Erweiterungen der Produktionskapazität ohne größere bauliche Maßnahmen ermöglichen.
Wichtig war von Beginn an, dass jeder Bereich, d.h. Produktion, Lager, Verpackung und Nebenfunktionen, ohne Beeinträchtigung des laufenden Betriebs und der anderen Bereiche auf dem vorhandenen Betriebsgelände erweiterbar sein musste. Als Ergebnis lagen Temmler Pharma drei Versionen einer möglichen Gesamtbebauung vor, die diese Vorgabe erfüllten und von denen eine für die weitere Planung ausgewählt wurde. Kernstück des Konzepts war ein Neubau, der lediglich die galenischen Funktionen beherbergen sollte; zentrale Funktionen wie Einwaage, Waschen, Umkleiden sowie die Verpackung sollten im modernisierten Altbau verbleiben. Für die Prozesstechnik wurde ein Mix aus bestehendem, modernisiertem und neuem Equipment gewählt, um so eine moderne Produktionsstätte zu optimierten Investitionskosten zu errichten.

Keine Unterbrechung der Produktion

Im Herbst 2002 beauftragte Temmler Pharma den technischen Dienstleister schließlich mit der Entwurfs- und Ausführungsplanung inklusive dem Erstellen der Ausschreibungsunterlagen für die Gewerke Bau, technische Gebäudeausrüstung und Prozesstechnik. Nach knapp einjähriger Planungszeit wurde mit dem Bau des neuen Produktionsgebäudes und der Modernisierung des Altbaus begonnen. Das Konzept sah vor, nach Fertigstellung der Reinräume zunächst das neu beschaffte Equipment zu installieren und in Betrieb zu nehmen, so dass die Produktion im Altbau nicht unterbrochen werden musste. Nach und nach wurde dann das bestehende Equipment umgezogen, installiert, in Betrieb genommen und requalifiziert.

Während der gesamten Bauzeit musste die Produktion niemals komplett unterbrochen werden. Das Ergebnis ist heute eine moderne Produktionsstätte, die sämtlichen GMP-Anforderungen der EU und der FDA genügt und Temmler Pharma nicht nur heute die notwendige Produktionskapazität nach modernstem Standard bietet. Durch das flexible Raumkonzept ist auch die Erweiterung der Produktionskapazitäten durch den Einbau neuer Prozessmaschinen ohne nennenswerte Unterbrechungen der Produktion möglich.

Fazit: Nachhaltige Lösung gefunden

Durch das Einbeziehen eines Pharmaplaners auf der einen und des Entscheides mit weiteren Beteiligten auf der anderen Seite konnte ein maßgeschneidertes Standort- und Gebäudekonzept entwickelt werden, das den heutigen und zukünftigen Anforderungen vollauf gerecht wird und das alle Beteiligten mittragen. Von Anfang an wurden die Entscheidungsgrundlagen transparent dargelegt und immer wieder auch Alternativen aufgezeigt.

Die offene Atmosphäre während der Planungsphase sowie die gute Kommunikation zwischen Auftraggeber und Planer sorgten für effizientes Arbeiten und nachhaltige Lösungen. So konnten sowohl die Kenntnis der internen Abläufe auf Kundenseite als auch die Erfahrungen des Dienstleisters im Hinblick auf die Machbarkeit und das Umsetzungsprocedere solcher Vorhaben in das Projekt einfließen und zu einem gelungenen Ergebnis führen.

Die neue Produktionsstätte bietet Temmler nicht nur heute die notwendige Produktionskapazität nach modernstem Standard

Heftausgabe: Oktober 2006
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Über den Autor

Tim Walter , Leiter Pharmatechnik, Chemgineering Heidelberg
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