Coater und Tablettenpresse im Schulterschluss

Autonomes Robotersystem zum Handling von Tablettencontainern

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30.03.2016 Der Automatisierungsgrad steigt auch in der Pharmaindustrie. Das ist insbesondere dann der Fall, wenn kontinuierliche Produktionsprozesse angestrebt werden.

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Entscheider-Facts Für Betreiber

  • Werden Tablettenkerne unmittelbar nach dem Tablettieren gecoatet, dann können sich im Filmüberzug Risse bilden, wenn die Tablette expandiert. Deshalb müssen die Tablettenkerne erst zwischengelagert werden.
  • Um das Handling zwischen Tablettenpresse und Coater zu automatisieren, wurde ein Robotersystem entwickelt, das sowohl in kontinuierlichen als auch in Batchprozessen zum Einsatz kommt.
  • Mit dem ROB 50 werden diese Transportprozesse vollständig automatisiert. Die integrierte Steuerungssoftware verfügt über ein Inventursystem für sämtliche Container und Containerpositionen.

Mit dem autonomen Robotersystem ROB 50 wird sowohl in kontinuierlichen als auch in batchorientierten Feststoffprozessen die Lücke zwischen Tablettenpresse und Filmcoater geschlossen.

Ursprünglich war das Robotersystem von L.B. Bohle zum Einsatz in der kontinuierlichen Fertigungslinie (gemeinsame Entwicklung der Gericke AG, Korsch AG und L.B. Bohle) im Technology Center am Hauptsitz des Unternehmens in Ennigerloh entwickelt worden. Während des gesamten Produktionsprozesses, von der Rohmaterialdosierung bis hin zum Filmüberzug der hergestellten Tabletten, wird ein kontinuierlicher Materialfluss angestrebt.

Werden nun die Tablettenkerne unmittelbar nach dem Tablettiervorgang in den Coatingprozess übertragen, besteht aufgrund der Expansion des Tablettenkerns nach dem Tablettiervorgang ein hohes Risiko für Riss-/Spaltenbildung im Filmüberzug. Denn das Coating bildet eine Schale um den Kern, wobei sich der Kern über einen Zeitraum von Minuten oder sogar Stunden ausdehnt und dabei von innen gegen diese Schale drückt (Bild 2a). Da der Filmüberzug nur begrenzt elastisch ist, entstehen an den schwächsten Stellen Risse. Solche Risse sind ein nicht akzeptabler Qualitätsmangel und können bei funktionellen Filmüberzügen sogar den therapeutischen Effekt des pharmazeutischen Produkts beeinträchtigen.

Dieses Problem kann umgangen werden, indem zwischen dem Tablettier- und dem Coatingprozess eine Entspannungszeit zur Ausdehnung der Kerne eingeplant wird (Bild 2b). Die erforderliche Entspannungszeit ist dabei produktabhängig und kann wenige Minuten bis mehrere Stunden betragen.

Einsatz in Konti- und Batchproduktion möglich
Bei der Batchproduktion sieht der Arbeitsablauf zur Freigabe der Tablettenkerne als Zwischenprodukt bereits ausreichend Zeit im Lager zur Ausdehnung der Tablettenkerne vor. Das Konzept der kontinuierlichen Produktion zielt jedoch darauf ab, Produktbewegungen zwischen dem Produktionsbereich und dem Lager zu vermeiden, um die Durchlaufzeit zu optimieren und im Idealfall Produktfreigabe als „Real Time Release“ zu ermöglichen.

Heftausgabe: April 2016
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Dr. Hubertus  Rehbaum ist wissenschaftlicher Leiter  bei L.B. Bohle

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Dr. Hubertus Rehbaum ist wissenschaftlicher Leiter bei L.B. Bohle
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