Markt

Bayer: Healthcare-Umsatz steigt um 8 %, Ergebnis jedoch belastet

01.03.2013 Für den Bayer-Konzern war 2012 ein sehr erfolgreiches Geschäftsjahr. „Wir sind weiter dynamisch gewachsen und haben unsere Konzernziele erreicht. Alle Teilkonzerne haben beim Umsatz und beim bereinigten Ergebnis zugelegt“, sagte Vorstandsvorsitzender Dr. Marijn Dekkers auf der Bilanz-Pressekonferenz in Leverkusen.

Anzeige
Bayer: Healthcare-Umsatz steigt um 8 %, Ergebnis jedoch belastet

„Bei Pharma sind wir mit der Vermarktung neuer Produkte aus unserer Pipeline gut vorangekommen“, erläuterte Bayer-Vorstandsvorsitzender Dr. Marijn Dekkers auf der Bilanz-Pressekonferenz am 28.3.2013 in Leverkusen (Bild: Bayer)

Besonders dynamisch entwickelten sich die Life-Science-Geschäfte (Healthcare und Cropscience), die durch weitere Fortschritte in der Innovationspipeline gestärkt wurden. Zudem konnte Bayer das Geschäft in den Wachstumsmärkten kräftig ausbauen. Für die weitere Entwicklung des Konzerns zeigte sich Dekkers zuversichtlich: „Wir erwarten für 2013 und darüber hinaus eine Fortsetzung des Rekordkurses.“

Teilkonzern Bayer Healthcare
Im Gesundheitsgeschäft des Leverkusener Bayer-Konzerns, Bayer Healthcare, erhöhte sich der Umsatz im vergangenen Jahr um 8,4 % auf 18,612 Mrd. Euro, bereinigt um Währungs- und Portfolioeffekte (wpb.) sind es noch 4,2 % auf 17,169 Mrd. Euro. Hierzu trugen beide Segmente – Pharma und Consumer Health – bei. „Bei Pharma sind wir mit der Vermarktung neuer Produkte aus unserer Pipeline gut vorangekommen“, erläuterte Dekkers. Auch in den Wachstumsmärkten sowie in Nordamerika sei die Entwicklung bei Pharma mit Steigerungsraten von fast 8 % erfreulich gewesen. In Europa dagegen verlief das Geschäft aufgrund des schwierigen wirtschaftlichen und gesundheitspolitischen Umfelds verhalten. Unter den Top-Produkten erzielte der Gerinnungshemmer Xarelto nach Markteinführung in weiteren Ländern und Indikationserweiterungen mit Abstand die höchste Wachstumsrate, währungsbereinigt (wb.) 265,9 %). Aspirin Cardio zur Herzinfarktprävention legte wb. um 12,3 % zu, insbesondere dank der kontinuierlichen Ausweitung der Vertriebsaktivitäten in China. Das Geschäft mit der Hormonspirale Mirena (wb. 9,4 %) entwickelte sich in allen Regionen positiv, hauptsächlich jedoch aufgrund von Mengensteigerungen in den USA. Die beiden umsatzstärksten Produkte – das Multiple-Sklerose-Medikament Betaferon/Betaseron (wb. 4,2 %) und das Blutermedikament Kogenate (wb. 5,2 %) – legten ebenfalls weiter zu. Dagegen ging der Umsatz der oralen Kontrazeptiva YAZ/Yasmin/ Yasminelle vor allem aufgrund von Generikakonkurrenz in Westeuropa um wb. 5,0 % zurück. Positiv entwickelte sich hingegen das Geschäft dieser Produktgruppe in der Region Asien/Pazifik.

Im Segment Consumer Health stieg der Umsatz wpb. um 4,2 % auf knapp 7,81 Mrd. Euro. Alle Regionen und Divisionen trugen hierzu bei. Besonders positiv entwickelte sich das Geschäft mit rezeptfreien Arzneimitteln (Consumer Care), dessen Wachstum über dem Marktdurchschnitt lag. Hier entwickelten sich die Hautpflegemittel Bepanthen/Bepanthol vor allem in Russland und Brasilien positiv – insgesamt erzielte die Produktlinie ein Plus von wb. 13,9 %. Das Geschäft mit dem Antimykotikum Canesten expandierte wb. um 7,8 %. Die Division Medical Care steigerte den Umsatz der Blutzucker-Messsysteme Contour wb. um 8,5 %. Der Umsatz des Kontrastmittel- und Medizingerätegeschäfts lag hingegen auf Vorjahresniveau. Der Bereich Tiergesundheit (Animal Health) profitierte von der positiven Entwicklung der Advantage-Produktlinie mit Floh, Zecken- und Entwurmungsmitteln (wb. plus 10,6 %).

Das Ebitda vor Sondereinflüssen von Healthcare stieg um 7,8 % auf 5,068 Mrd. Euro. Maßgeblich hierfür waren die positive Geschäftsentwicklung in beiden Segmenten sowie Währungseffekte. Die Ebitda-Sondereinflüsse bezifferte Bayer bei Healthcare mit 1,253 Mrd. Euro, vor allem wegen Rechtsfällen im Zusammenhang mit den oralen Kontrazeptiva Yasmin/YAZ. Dadurch ist das Ebitda mit 3,815 Mrd. Euro um 15,3 % geringer als im Vorjahr.

Healthcare Perspektiven für 2013
Für Healthcare hat 2013 weiterhin die erfolgreiche Vermarktung der neuen Pharma-Produkte Priorität. Der Teilkonzern erwartet wpb. Umsatzzuwächse im mittleren einstelligen Prozentbereich auf rund 19 Mrd. Euro. Für das Ebitda vor Sondereinflüssen ist eine Steigerung geplant. Hierbei ist zu berücksichtigen, dass negative Währungseffekte und höhere Marketingaufwendungen für die Einführung der neuen Produkte das Ergebnis belasten dürften. Die Ebitda-Marge vor Sondereinflüssen will Healthcare leicht verbessern.

Im Segment Pharma wird 2013 wpb. eine Umsatzsteigerung im mittleren einstelligen Prozentbbereich auf rund 11 Mrd. Euro erwartet. Für das Ebitda vor Sondereinflüssen ist eine Steigerung geplant, für die Ebitda-Marge vor Sondereinflüssen eine leichte Verbesserung. Im Segment Consumer Health rechnet Healthcare mit einem wpb. Wachstum des Umsatzes im mittleren einstelligen Prozentbereich auf rund 8 Mrd. Euro. Darüber hinaus ist hier ein Anstieg des Ebitda vor Sondereinflüssen sowie eine Ebitda-Marge vor Sondereinflüssen auf dem Niveau des Vorjahres vorgesehen.

Als besonders erfreulich bezeichnete Dekkers die Fortschritte in der Pharma-Pipeline. „Und dabei freuen wir uns nicht nur über erste Umsätze mit Produkten, die seit kurzer Zeit auf dem Markt sind. Sondern ebenso darüber, dass die Ärzte und Patienten neue Therapieoptionen erhalten.“ So sei Bayer in der Kardiologie mit dem Gerinnungshemmer Xarelto weiter vorangekommen. Xarelto ist mittlerweile in mehr als 120 Ländern in verschiedenen akuten und chronischen Indikationen zugelassen.

Dekkers hob auch das Potenzial weiterer wichtiger Entwicklungskandidaten aus der Pharma-Pipeline hervor, etwa von Riociguat zur Behandlung von zwei schweren, lebensbedrohlichen Formen des Lungenhochdrucks. In der Onkologie knüpfe Bayer große Erwartungen an Stivarga zur Behandlung von fortgeschrittenem Darmkrebs bzw. von gastrointestinalen Stromatumoren sowie an Radium-223-Dichlorid (Alpharadin) zur Behandlung von Knochenmetastasen bei Prostatakrebs. Auf dem Gebiet der Augenheilkunde mache Eylea beispielsweise zur Behandlung der altersbedingten feuchten Makula-Degeneration ebenfalls Fortschritte. Insgesamt traut das Unternehmen diesen fünf Produkten ein jährliches Spitzenumsatzpotenzial von mehr als 5,5 Mrd. Euro zu, wobei allein Xarelto mehr als 2 Mrd. Euro erzielen soll.

Healthcare-Zielsetzungen für 2015
Bei Healthcare soll sich die Wachstumsdynamik bis 2015 verstärken. Die treibenden Faktoren dabei sind die fünf großen neuen Pharma-Produkte, deren Umsatzbeitrag 2015 bei über 2,5 Mrd. Euro liegen soll – die jeweiligen Zulassungen vorausgesetzt. Für den Teilkonzern ergibt sich daraus bis 2015 ein durchschnittliches jährliches Umsatzwachstum von wpb. etwa 6 % in Richtung 22 Mrd. Euro, bei Pharma von wpb. sogar rund 7 % in Richtung 13 Mrd. Euro. Zudem soll die bereinigte Ebitda-Marge von Healthcare in diesem Zeitraum von 27,2 % im vergangenen Jahr in Richtung 29 % steigen.

Gesamtentwicklung des Bayer-Konzerns
Der Konzernumsatz stieg 2012 um 8,8 % auf 39,760 Mrd. Euro. „Damit haben wir einen neuen Spitzenwert in unserer nun 150-jährigen Unternehmensgeschichte erzielt“, so Dekkers. Bereinigt um Währungs- und Portfolioeffekte (wpb.) nahm der Umsatz um 5,3 % zu. Das Ebit ging 2012 um 4,6 % auf 3,960 Mrd. Euro zurück. Belastend wirkten sich hier Sondereinflüsse von minus 1,711 Mrd. Euro aus. Hierin sind Sonderaufwendungen von 1,186 Mrd. Euro für Rechtsfälle im Zusammenhang mit den oralen Kontrazeptiva Yasmin/YAZ enthalten. Davon betrafen 455 Mio. Euro das 4. Quartal 2012, in erster Linie als weitere Vorsorge für Vergleiche in den USA von derzeit bekannten und künftig erwarteten Ansprüchen wegen behaupteter venöser Blutgerinnsel. Im Gesamtjahr entfielen weitere Sonderaufwendungen von 396 Mio. Euro auf Restrukturierungsmaßnahmen und 289 Mio. Euro auf außerplanmäßige Abwertungen immaterieller Vermögenswerte. Gegenläufig wirkten Erträge in Höhe von 158 Mio. Euro aus Veräußerungen sowie 114 Mio. Euro aus der Anpassung von Leistungszusagen.

Das Ebit vor Sondereinflüssen erhöhte sich um 12,9 % auf 5,671 Mrd. Euro. Das Ebitda vor Sondereinflüssen stieg um 8,8 % auf 8,284 Mrd. Euro. Hierzu trugen neben einer guten Geschäftsentwicklung auch Einsparungen aus dem im Jahr 2012 erfolgreich abgeschlossenen Effizienzprogramm bei. Weiterhin wirkten sich Währungseinflüsse von insgesamt etwa 400 Mio. Euro positiv auf das Ergebnis aus. Das Konzernergebnis verringerte sich leicht um 1,0 % auf 2,446 Mrd. Euro. Dagegen verbesserte sich das bereinigte Ergebnis je Aktie um 10,8 % auf 5,35 (4,83) Euro.

Weblink zum Thema
Die vollständige Pressemitteilung von Bayer finden Sie hier. Die Redetexte der Bilanzpressekonferenz mit den jeweiligen Charts von Dr. Marijn Dekkers und Finanzvorstand Werner Baumann können hier direkt aufgerufen werden. Der vollständige Geschäftsberichtbericht von Bayer 2012 ist auf der Internetseite von Bayer verfügbar oder direkt hier.

(dw)

Anzeige
Loader-Icon