Auslaufender Patentschutz

Biosimilars machen Roche zu schaffen

16.10.2017 Generika-Hersteller sind dem Pharmakonzern Roche im Bereich Krebstherapie dicht auf den Fersen. Biosimilars könnten dem Pharmariesen bei seinen biotechnologisch hergestellten Medikamenten deutliche Marktanteile abjagen.

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Nicht alle vertretenen Schweizer haben sich verbessert: Roche verliert seinen 8. Platz, bleibt aber gerade noch in den Top 10. Ausdrücklich ausgeklammert ist die Roche-Tochter Genentech – den Grund erfahren Sie auf den oberen Rängen. (Bild: Roche)

Schwere Zeiten für Roche? Es bahnen sich Umsatzeinbußen wegen auslaufender Patente und Konkurrenzprodukten an. (Bild: Roche)

Kerngeschäft von Roche ist die Krebstherapie. Allein die biotechnologisch produzierten Medikamente Mabthera, Herceptin und Avastin bringen dem Konzern mit ca. 18 Mrd. Euro rund 40 % seines Jahresumsatzes. Mabthera und Herceptin genießen bereits keinen Patentschutz mehr, für Avastin läuft er im kommenden Jahr aus. Für diese Medikamente bringt die Konkurrenz derzeit sogenannte Biosimilars in Stellung, berichtet das Handelsblatt.

Biosimilars gelten genau wie Generika als „Nachahmer-Medikamente“. Anders als Generika sind sie jedoch Biomolekülen nachempfunden und haben damit eine wesentlich komplexere Molekülstruktur. Daher handelt es sich nicht um exakte Kopien des Wirkstoffes, beispielsweise eines monoklonalen Antikörpers, sondern um ein sehr ähnliches Molekül mit gleicher Wirkung. Biosimilars für die genannten Roche-Medikamente könnten in den nächsten Monaten von den Firmen Samsung, Mylan, Biocon und Celltrion auf den Markt gelangen. Novartis und Celltrion vermarkten bereits ein Similar des Mabthera-Wirkstoffs Rituximab.

„Pipeline wird nicht genügen“

Aufgrund dieser aufkommenden Konkurrenz könnten die Preise dieser Medikamente mehr als 50 % verlieren, warnt Fondsmanager Rudi Van den Eynde vom Vermögensverwalter Candriam, und sieht für Roche schwierige Zeiten: „Ich verliere das Vertrauen, dass sie sich den Weg herauskämpfen können“, so Van den Eynde. „Ich denke, schlussendlich wird ihre Pipeline nicht genügen, um vollständig auszugleichen was hier passiert.“ Der Ratingagentur Moody‘s zufolge wird der Schweizer Pharmakonzern in Europa 30 % Umsatz seiner Vorzeige-Medikamente einbüßen.

Hinzu kommen dem Bericht zufolge Rückschläge mit dem Läukemie-Medikament Gazyva sowie im Bereich Krebs-Immuntherapie. Gut läuft dagegen das Mittel Ocrevus gegen Multiple Sklerose. Allerdings muss Roche für dieses Mittel Lizenzgebühren und Umsatzbeteiligungen an den Konzern Biogen entrichten. Und eigene Einnahmen aus Lizenzgebühren werden auch knapp: Ebenfalls wegen auslaufender Patente sollen Roche im kommenden Jahr geschätzte 0,8 bis 1 Mrd. US-Dollar aus dieser Quelle entgehen.

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