Markt

Boehringer Ingelheim: Halbjahresumsatz um knapp 8 % gesunken

14.08.2014 Boehringer Ingelheim, Ingelheim, hat im ersten Halbjahr 2014 einen Umsatz von rund 6,5 Mrd. Euro erzielt, das sind währungsbereinigt 3 % weniger als im Vorjahreszeitraums und auf Euro-Basis -7,9 %. Insbesondere in den USA musste der Pharmahersteller, ausgelöst durch die Reformen im Gesundheitssystem, deutliche Preisnachlässe in Kauf nehmen.

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In seinem größten Geschäftsfeld mit verschreibungspflichtigen Medikamenten musste Boehringer Ingelheim im ersten Halbjahr einen Umsatzrückgang von 5,341 Mrd. Euro auf 4,793 Mrd. Euro hinnehmen (Bild: Boehringer Ingelheim)

Alleine durch die relative Stärke des Euro war der Umsatz in den ersten sechs Monaten um 358 Mio. Euro im Vergleich zum Vorjahreszeitraum rückläufig. Zudem hatte das Familienunternehmen im 1. Halbjahr 2014 große Herausforderungen zu bestehen. Dazu gehören der Vergleich bei den gerichtlichen Auseinandersetzungen um Praxada, einem Blutgerinnungshemmer, in den USA und der Verkauf der wesentlichen Vermögensteile von Bedford Laboratories, der im Juli abgeschlossen wurde.

Bedford Laboratories ist ein Anbieter von injizierbaren Generika in den USA unter dem Dach der Boehringer-Ingelheim-Tochtergesellschaft Ben Venue Laboratories. Inzwischen wurde auch der Verkauf der Produktionsanlagen und des Grundstücks von Ben Venue in Bedford, Ohio, vereinbart. Außerdem hat die US-amerikanische Arzneimittelbehörde FDA Anfang Juni den Warning Letter für den Produktionsstandort Ingelheim aufgehoben.

„Das Jahr 2014 ist von zahlreichen Umbrüchen und Herausforderungen geprägt“, erklärte Prof. Dr. Andreas Barner, Vorsitzender der Unternehmensleitung, anlässlich der Bekanntgabe der Geschäftszahlen für das 1. Halbjahr. „In den ersten sechs Monaten haben wir viele wichtige Themen zu einem guten Ende geführt. Nun können wir uns mit voller Kraft auf die Entwicklung und Einführung neuer Medikamente und auf den Ausbau unserer Biopharmazie konzentrieren.“

Mehr als zehn Markteinführungen geplant
Das Unternehmen plant in den kommenden zwei Jahren mehr als zehn Markteinführungen. Dementsprechend zahlreich sind die Einreichungen zur Zulassung bei den Behörden in vielen Ländern. Drei Entwicklungssubstanzen hat die FDA mittlerweile sogar den Status einer „Breakthrough Therapy“ erteilt. Es handelt sich um Nintedanib gegen idiopathische Lungenfibrose (IPF), Volasertib bei einer speziellen Form der Leukämie und das Antidot für Praxada, einem Gegenmittel für Notfallsituationen.

Bereits in diesem Jahr haben sowohl die europäischen als auch die US-Behörden Praxada zur Therapie der tiefen Venenthrombose und Lungenembolie zugelassen; die weitere Markteinführung von Giotrif zur zielgerichteten Therapie einer bestimmten Form von Lungenkrebs verläuft nach Plan. Erfreulich ist auch die gerade erfolgte Zulassung der FDA für die Wirkstoffe Olodaterol bei chronisch-obstruktiver Lungenerkrankung (Striverdi) und Empagliflozin bei Diabetes (Jardiance). Das in der Diabetes-Allianz mit Lilly gemeinsam entwickelte Insulin Glargin erhielt im Juni die Empfehlung zur Zulassung in der EU. Den Antrag auf eine weitere Zulassung im Bereich Diabetes, für die Kombinationstablette aus Empagliflozin und Metformin, hat der Pharmahersteller Anfang August bei den EU-Behörden eingereicht.

Kostensenkung wegen sinkender Umsätze
Auf die sich verändernde Marktsituation und auf die sinkenden Umsätze hat das Unternehmen mit Maßnahmen zur Kostensenkung reagiert. In Bezug auf das Personalmanagement strebt der Pharmahersteller in Deutschland eine Konsolidierungsphase an. Nachdem sich die Zahl der Mitarbeiter in Deutschland in den vergangenen zwölf Monaten um rund 7,4 % erhöht hat, sollen weitere Einstellungen nur in der Biopharmazie und im Bereich Produkteinführungen und Produktion erfolgen.

Blick in die Geschäftsbereiche
Mit verschreibungspflichtigen Medikamenten, dem wichtigsten Geschäftsfeld von Boehringer Ingelheim, erzielte das Pharmaunternehmen im ersten Halbjahr einen Umsatz von 4,793 Mrd. Euro. Dies entspricht währungsbereinigt einem Rückgang von 5,4 %. Das stärkste Präparat war wie in den Vorjahren Spiriva gegen chronisch-obstruktive Lungenerkrankung (COPD) mit einem Umsatz von 1,621 Mio. Euro.

Der Umsatz mit frei verkäuflichen Arzneimitteln lag im ersten Halbjahr 2014 bei 683 Mio. Euro und wuchs damit währungsbereinigt um 3 %. Im Geschäftsbereich Tiergesundheit hat das Unternehmen im Berichtszeitraum ein währungsbereinigtes Wachstum von 6 % auf 536 Mio. Euro erzielt. Das Geschäft mit Biopharmazeutika wuchs in der ersten Jahreshälfte um 2,5 % auf 173 Mio. Euro.

Ausblick auf das Gesamtjahr 2014
Vor dem Hintergrund der sich mit hoher Geschwindigkeit ändernden Marktsituation geht Boehringer Ingelheim für das laufende Geschäftsjahr währungsbereinigt von einem Umsatzrückgang im niedrigen einstelligen Bereich im Vergleich zum Vorjahr aus.

(dw)

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