Markt

Deutsche Biotech-Industrie hofft auf leichtes Umsatzwachstum

07.06.2013 Die Biotech-Industrie in Deutschland kann dieses Jahr mit einem leichten Umsatzwachstum rechnen. Das geht aus einer Trendumfrage hervor, die die Deutsche Industrievereinigung Biotechnologie (DIB) auf ihrer Jahrespressekonferenz in Frankfurt vorgestellt hat. Zudem forderte der Verband bessere wirtschaftliche Rahmenbedingungen für die Branche.

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Dr. Matthias Braun, Vorsitzender der Deutschen Industrievereinigung Biotechnologie (DIB) und Mitglied der Geschäftsführung der Sanofi-Aventis Deutschland auf der Pressekonferenz am 5. Juni 2013 (Bild: VCI)

Der DIB-Vorsitzende Dr. Matthias Braun sagte: „Die wirtschaftliche Entwicklung der Biotech-Unternehmen seit Jahresbeginn ist erfreulich. Für die kommenden Monate rechnen 80 Prozent der befragten Betriebe mit besseren Geschäften. Trotz der guten Entwicklung darf aber nicht allzu euphorisch auf das Jahr 2013 geblickt werden. Die konjunkturellen Rahmenbedingungen sind insgesamt schwierig, insbesondere in Europa.“ Die Prognose für die wirtschaftliche Entwicklung bezieht sich auf zwei der drei Bereiche der Biotechnologie – die medizinische und die industrielle. Im Bereich der Pflanzenbiotechnologie findet weiterhin keine Wertschöpfung in Deutschland statt.

Umsatzentwicklung: Die DIB-Mitglieder konnten seit Jahresbeginn mehrheitlich steigende Umsätze verbuchen. Rund 60 % der Unternehmen hatten bislang eine bessere Umsatzentwicklung im Vergleich zum Vorjahr. 40 % meldeten gleichbleibend gute Geschäfte.

Forschung/Investition: Die Hälfte der befragten Unternehmen will ihre Forschungsaktivitäten im Jahr 2013 weiter ausbauen. Dagegen planen nur 8 % eine Reduktion der Aufwendungen für Forschung und Entwicklung. Über 50 % der Unternehmen wollen im Jahr 2013 in mehr oder größere Projekte investieren. Nur rund ein Drittel der befragten Betriebe will das Investitionsbudget im laufenden Jahr konstant halten.

Beschäftigung: In den ersten Monaten des Jahres konnte die Beschäftigung in den DIB-Mitgliedsunternehmen konstant gehalten werden. Rund 55 % der befragten Unternehmen berichten von einer gleichbleibenden Mitarbeiterzahl. Knapp 40 % haben sogar Beschäftigung aufgebaut. Nur rund ein Zehntel der Unternehmen baute seit Jahresbeginn Beschäftigung ab.

Fachkräftemangel: Für über 70 % der Unternehmen gibt es derzeit keine Schwierigkeiten, gut ausgebildete Fachkräfte zu finden. Vereinzelt stoßen die Betriebe der Branche auf Probleme, geeignete Laboranten (10 %), Techniker oder Wissenschaftler (rund 20 %) zu rekrutieren. Fachkräftemangel ist damit weiterhin kein flächendeckendes Problem in der Biotechnologie.

Finanzierung: Die befragten Unternehmen berichten zu 80 % von keinen Schwierigkeiten bei der Beschaffung von Fremdkapital. Auch die Beschaffung von Eigenkapital ist für 75 % der Betriebe kein Problem. Nur wenige Firmen haben nach eigenen Angaben gravierende Probleme beim Zugang zu Eigenkapital.

Standortpolitik: Mit rund 75 % Zustimmung hat sich eine deutliche Mehrheit der befragten DIB-Mitgliedsunternehmen für den Abbau steuerlicher Innovationshemmnisse in Deutschland durch die nächste Bundesregierung ausgesprochen.

Einen Weblink mit einer Kennzahlenübersicht zur Biotech-Branche in Deutschland (Umsatz, Beschäftigte et ceterea, Zahlen von 2009 bis 2012) finden Sie am Ende dieser Nachricht.

Appell an die Bundesregierung
Die DIB erhofft sich von der nächsten Bundesregierung mehr Unterstützung, um die Leistungsfähigkeit der deutschen Biotechnologie im internationalen Wettbewerb zu erhalten und zu stärken. Der DIB-Vorsitzende Dr. Matthias Braun verwies darauf, dass die Biotechnologie Innovationen liefert, die eine nachhaltige Lebensmittelproduktion, alternative Energieträger, biobasierte Rohstoffe und personalisierte Medizin überhaupt erst ermöglichen. Die Biotechnologie müsse daher in ihrer gesamten Bandbreite angewendet werden können. „Politische Markteingriffe wie in der Pflanzenbiotechnologie oder im Arzneimittelsektor gefährden dagegen Investitionen in den Innovations- und Produktionsstandort Deutschland“, sagte Braun.

Konkret forderte Braun die Entbürokratisierung des Arzneimittelsektors in Deutschland, um die Gesundheitsversorgung zu gewährleisten und zu stärken. Wettbewerb und Innovation müsse gefördert werden, anstatt sie durch Preisbindung und Zwangsabschläge zu blockieren. Deshalb sollten der erhöhte Herstellerabschlag abgeschafft und das Gesetz zur Neuordnung des Arzneimittelmarkts (AMNOG) an entscheidenden Stellen geändert werden.

Die DIB setzt sich außerdem für die Einführung einer steuerlichen Forschungsförderung ein, die zusätzlich zur bisherigen Projektförderung erfolgt. Braun sagte: „Wir halten es für dringend erforderlich, dass der Staat die Innovationskraft aller forschenden Unternehmen in Deutschland mit einer steuerlichen Komponente stärkt. Das würde die Biotech-Unternehmen und den Forschungsstandort Deutschland international wettbewerbsfähiger machen und Innovationen und Arbeitsplätze sichern.“ Steuerliche Forschungsförderung sei ein effektives Instrument zur Förderung von Wirtschaftswachstum und sollte für Unternehmen aller Größenklassen gelten. Derzeit habe Deutschland einen eindeutigen Standortnachteil gegenüber anderen Staaten, die eine solche Förderung bereits implementiert haben.

Der DIB-Vorsitzende wies außerdem auf die großen Potenziale der Pflanzenbiotechnologie hin: „Wenn wir ernsthaft unsere Abhängigkeit von Erdöl reduzieren wollen, dann müssen wir die Biotechnologie ideologiefrei betrachten und auch dort einsetzen, wo wir sie benötigen – insbesondere für die nachhaltige Produktion sowie die stoffliche und energetische Verwertung von Biomasse.“ In einer erfolgreichen Bioökonomie müssten Pflanzen- und industrielle Biotechnologie gleichberechtigt nebeneinander zum Einsatz kommen können. In Richtung Europa sagte Braun: „Die EU-Kommission und alle Mitgliedstaaten sollten sich bei der Pflanzenbiotechnologie endlich an die Gesetze halten, die sie selbst geschaffen haben. Erst dann gibt es die Rahmenbedingungen, die für die Entstehung einer Bioökonomie nötig sind.“

Weblink zum Thema
Weitere Materialien zur Pressekonferenz der Deutschen Industrievereinigung Biotechnologie (DIB) wie das das Statement des DIB-Vorsitzenden von Dr. Matthias Braun (PDF, 11 Seiten) und eine Kennzahlenübersicht zur Biotech-Branche in Deutschland (PDF, 1 Seite – Zahlen von 2009 bis 2012) finden sie auf der Internetseite des Verbandes der Chemischen Industrie (VCI) oder direkt hier.

(dw)

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