Gefahr im Wasser

Die neue Richtlinie VDI 4250 Blatt 2

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04.04.2016 Die Ausbrüche von Legionellen in Warstein 2013 und Jülich 2014 haben es gezeigt: Verdunstungskühlanlagen können eine Quelle gefährlicher Infektionen sein.  

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Entscheider-Facts Für Betreiber und Manager

  • Überall dort, wo Wasser versprüht wird, können sich Legionellen und andere Krankheitserreger über die Luft in sogenannten Aerosolen verbreiten.
  • Die im November 2015 als Weißdruck erschienene Richtlinie VDI 4250 Blatt 2 impliziert die unterschiedlichsten Gefahrenquellen für einen Legionellen-Ausbruch.
  • Sie gibt dem Anlagenbetreiber einen Überblick über potenziell gefährliche Anlagen, Messmethoden und vorhandene Regelwerke und beschreibt konkrete präventive Handlungsempfehlungen.
Die neue Richtlinie VDI 4250 Blatt 2

Legionellen und andere Krankheitserreger können sich über die Luft in sogenannten Aerosolen verbreiten (Bild: Colourbox)

Doch Kühltürme sind nicht der einzige Infektionsherd. Ob Springbrunnen, Auto-Waschanlage oder Duschen – überall , wo Wasser fein zerstäubt wird und Aerosole entstehen, können sich gefährliche Legionellen über die Luft verbreiten. Die neue Richtlinie VDI 4250 Blatt 2 gibt jetzt konkrete Handlungsanweisungen.

Wasser wird in vielen technischen Prozessen, wie in Rechenzentren oder in der Lebensmittelproduktion zur Kühlung verwendet. Die Zahl der hierfür notwendigen Verdunstungskühlanlagen wird in Deutschland auf rund eine Million geschätzt. Sie bergen das Risiko, zur Quelle von Legionellen-Infektionen zu werden. Denn das umlaufende Wasser hat eine für die Vermehrung dieser Bakterien optimale Temperatur und bietet aufgrund seines Kontakts mit der Atmosphäre ein reiches Nahrungsangebot.

Rund 3.000 Tote pro Jahr in Deutschland
Erkrankungen, die durch Legionellen hervorgerufen werden können – sogenannte Legionellosen – sind das Pontiac Fieber und die Legionellen-Pneumonie. Während das Pontiac-Fieber meist relativ harmlos verläuft, kann die Legionellen-Pneumonie bis zum Tode führen.

Das Robert-Koch-Institut schätzt die Zahl der Erkrankungen in Deutschland auf etwa 6.000 bis 10.000 Fälle pro Jahr. Die Hochrechnung von Capnetz (Kompetenznetz Ambulant Erworbene Pneumonie) geht sogar von 15.000 bis 30.000 nicht im Krankenhaus erworbenen Pneumonien pro Jahr aus. Damit wären 4 % der Lungenentzündungen in Deutschland, die nicht in Krankenhäusern erworben wurden, auf eine Legionellen-Infektion zurück zu führen. Die Sterblichkeit wird dabei auf bis zu 10 % geschätzt. Man muss also von rund 3.000 Todesfällen pro Jahr ausgehen. Das entspricht annähernd der Anzahl an Verkehrstoten pro Jahr in Deutschland.

Heftausgabe: April 2016
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Über den Autor

Tanja Unbehaun, Marketing/PR Aqua Concept
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