Kein Draht zur Praline?

Die Schokoladenherstellung einfach und nachhaltig optimieren

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27.10.2014 In die Produktion laufen, Messwert ablesen und aufschreiben, zur nächsten Messstelle gehen und den Vorgang wiederholen. Zum Schluss alles in ein System eintippen. Einen Bericht von diesem System ausdrucken und in ein anderes System zur Weiterverarbeitung übertragen.

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Entscheider-Facts für Betreiber

  • Durch die neue Bestandsverwaltungssoftware Supplycare wurde bei einem Pralinenhersteller der manuelle Aufwand, gemessen an einer 100%-Arbeitskraft, um fast die Hälfte reduziert.
  • Mit Wireless Hart fiel die Entscheidung zur Optimierung durch die verhältnismäßig einfache Erweiterung der bestehenden Infrastruktur.

So oder so ähnlich sehen einige Prozeduren der Bestandsverwaltungen aus. Oft werden bei der Planung der Prozessautomatisierung logistische Anforderungen noch nicht berücksichtigt. Nachträglich an Prozessinformationen zu gelangen ist dann umständlich. Ein renommierter Schokoladenhersteller aus Belgien hat die Herausforderung angenommen und zusammen mit Endress+Hauser seine Bestandsverwaltung optimiert.

Wertvollste Zutaten
Der Schokoladenhersteller mit langer Tradition ist bekannt für seine kunstvoll geformten Pralinen. Für die Pralinen werden nur die feinsten Zutaten verwendet, wie beispielsweise 100% reine Kakaobutter oder Haselnüsse aus den besten Ernten im Mittelmeerraum.

Selbstverständlich sollen diese wertvollen Zutaten so genau wie möglich zur Produktherstellung verfügbar sein und rezeptabhängig präzise zugewiesen werden können. Der Aufwand zur Produktionsplanung und Bestandsverwaltung ist aufgrund manueller Tätigkeiten recht hoch. Aber auch ein Nachrüsten schien zunächst sehr aufwendig zu sein.

Ungefähr 50 Vorratsbehälter für Rohmaterialien und Zwischenprodukte, verteilt auf mehr als 25 ha, enthalten bereits Füllstandmessungen unterschiedlicher Hersteller. Die Daten werden in dezentralen, voneinander unabhängigen Steuerungssystemen erfasst. Für ein mögliches Bestandsmanagementsystem ist es schwierig, an diese Informationen heranzukommen.

Drahtlos auf Bestandsinformationen zugreifen
Mit der Wireless-Hart-Lösung kann jedoch auf eine aufwendige Verkabelung verzichtet werden. Das System besteht aus Wireless-Hart-Adaptern SWA70 und dem Wireless-Hart-Fieldgate SWG70 als zentraler Zugangspunkt zum drahtlosen Netzwerk. An den Messstellen wird ein Adapter entweder direkt oder abgesetzt montiert. Die abgesetzte Montage macht dann Sinn, wenn entweder kein Platz vorhanden ist oder wenn eine verbesserte Funkverbindung aufgebaut werden soll. Da jeder Adapter als Empfänger und Sender arbeitet, können auch Signale von Adaptern weitergeleitet werden, die keine direkte Funkverbindung zum Gateway aufbauen können. Durch das vermaschte Netzwerk wird die Installation wesentlich vereinfacht. Der Wireless-Hart-Adapter kann sowohl den Schleifenstrom messen als auch das überlagerte Hart-Signal auslesen, unabhängig davon, von welchem Hersteller das Gerät stammt. So wird nicht nur der eingestellte Prozentwert der Füllstandhöhe, sondern auch die tatsächliche Füllstandmenge in Kilogramm oder Liter erfasst. Wurden die Adapter konfiguriert und kennen sie die Identifikation sowie die Schlüssel des Gateways, werden automatisch das drahtlose Netzwerk aufgebaut, Kommunikationspfade und Zeitfenster festgelegt sowie gegebenenfalls den Messwerten ein Modbus-Register zugeordnet.

Integration und Optimierung der Bestandsverwaltung
Für die Füllstandsdaten wird die Software Supplycare eingesetzt. Die Daten werden aus dem Wireless-Hart-Gateway via OPC von Supplycare abgefragt. Mit Supplycare können sämtliche Bestände zu jeder Zeit und allerorts dank des Zugriffs über Webbrowser einfach visualisiert und eingesehen werden. Ob beim Produktions- oder Schichtleiter – sie alle nutzen eine gemeinsame Datenbasis, auf der neue, effiziente Geschäftsprozesse entstehen können. Über den Bestandsverlauf und die Prognose sowie einem Vergleich der aktuellen Daten in Supplycare mit den berechneten Werten aus SAP lassen sich Aussagen über die Genauigkeit der Produktionsplanung ableiten. Für jedes Produkt kann nun bestimmt werden, wieviel von welchen Zutaten benötigt wird. Somit ist die bedarfsgerechte Bestellung der Zutaten wesentlich besser zu ermitteln.

Lösung gemäß Kundenanforderung
Entscheidend am Erfolg des Projektes war die sehr gute Zusammenarbeit zwischen Endress+Hauser und dem Hersteller der Schokoladenpralinen. In mehreren Workshops wurde gemeinsam ermittelt, wie das eigentliche Ziel aussieht und welche Lösung dafür entwickelt werden kann. In einem ersten Ansatz entstand daraus die drahtlose Übertragung und Supplycare als zentrale Datenbasis. In einem weiteren Schritt können zukünftig die Bestandsdaten und Auswertungen direkt in SAP integriert werden, sodass weitere Schnittstellen entfallen und der Aufwand reduziert wird. Zukünftig können dann beispielsweise automatisch Bestellvorgänge in Abhängigkeit von den Beständen und dem Auftragseingang ausgelöst werden.

Bestandsverwaltung mit Perspektive

Durch die neue Bestandsverwaltungssoftware Supplycare wurden der manuelle Aufwand, gemessen an einer 100%-Arbeitskraft, um fast die Hälfte reduziert.  Wichtiger ist aber die Genauigkeit der Informationen über die Vorräte und dass jeder Mitarbeiter Zugriff auf die gleichen Informationen hat, wodurch fehlerhafte Entscheidungen jetzt vermieden wurden. Zum Beispiel wurden Notfall-Lieferungen komplett reduziert. Auch die Kosten durch optimale Ausnutzung der Vorräte für die Schokoladenproduktion konnten bedeutend reduziert werden. Zusätzlich können nun durch die genaue Zuordnung von Verbrauchswerten die Preise optimiert und dadurch neue Märkte erschlossen werden. Mit Wireless Hart fiel die Entscheidung zur Optimierung durch die verhältnismäßig einfache Erweiterung der bestehenden Infrastruktur.

Brau Beviale Halle 6 – 407

 

Mehr über Wireless-Hart-Fielgat erfahren Sie hier

 

Heftausgabe: November 2014
Arne Kröger, Marketingmanager Automatisierung, Endress+Hauser

Über den Autor

Arne Kröger, Marketingmanager Automatisierung, Endress+Hauser

Arne Kröger, Marketingmanager Automatisierung, Endress+Hauser

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