Neues Material Research Center bei Merck

Drei mal nachhaltig

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07.06.2011 Ende vergangenen Jahres eröffnete der Pharma- und Chemiekonzern in Darmstadt zwei Laborgebäude und ein Reinraum-Technikum. Auf rund 11.000 m2 Nutzfläche finden dort Forschungen und Entwicklungen für neue Chemieprodukte statt.

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Entscheider-Facts Für Anwender

  • Beim Konzept des Material Research Centers von Merck wurden nicht nur die technischen Voraussetzungen erfüllt, sondern auch der Unternehmensstrategie entsprochen.
  • Das Projekt stand unter dem Motto „Nachhaltigkeit“, die sich in sozialer, ökonomischer und ökologischer Hinsicht niederschlagen sollte.
  • „Sozial“ meint hier vor allem: Nicht nur Materialien sind kommunikationsfördernd. Vielmehr regen auch Orte der Begegnung und transparente Materialien den Austausch an.
  • Die ökonomische Nachhaltigkeit im MRC drückt sich primär durch die effizienten Grundrisse aus.
  • Eine Gebäudesimulation half den Planern dabei, die Anforderungen an eine ökologische Nachhaltigkeit zu erfüllen.

Das Konzept des „Material Research Center“ (MRC) war komplex. So wurden nicht nur die technischen Voraussetzungen zur Forschung an der Flüssigkristalltechnologie (OLED bzw. LED) umgesetzt, sondern auch der Unternehmensstrategie des Konzerns entsprochen. Hier galt es vor allem, eine Synergiebildung modern umzusetzen, denn es mussten Forschungsbereiche aus Frankfurt am Main sowie Mainz in Darmstadt zusammengelegt und effizient in die vorhandene Logistik, die Ver- und Entsorgung bzw. die Werkinfrastruktur eingebunden werden.

Projekt in drei Hauptthemen
gegliedert

Die Generalplaner hatten mit einem Budget von rund 50 Mio. Euro den Komplex realisiert, und seine Planer gliederten das Projekt dazu in drei Hauptthemen, die unter einem gemeinsamen Schlagwort versammelt wurden. Die Rede ist hier von „Nachhaltigkeit“, die sich sozial, ökonomisch und ökologisch niederschlagen sollte.

Die Projektprämissen wurden in begleitenden Workshops ermittelt. Durch den intensiven Austausch darin konnte es letztlich gelingen, drei verschiedene Forschungszweige mit jeweils spezifischen Anforderungen an Raumprogramm, Labormöblierung, technische Medien etc. künftig gemeinsam unter einem Dach arbeiten zu lassen.

Die soziale Nachhaltigkeit sollte vor allem durch einen regen Austausch der Mitarbeiter erreicht werden. Kommunikation in einem Gebäude wird mit der Transparenz von verwendeten Materialien unterstützt. Es entstehen Blickbeziehungen, das Licht kann besser in die Tiefe der Räume einfallen und auf diese Weise eine zusammenhängende Atmosphäre entstehen. Verzichtet wurde im MRC also folgerichtig auf nicht notwendige Wände und dunkle Korridore. Glas kam hingegen zum Einsatz bei nötigen Wänden und Türen. Das führte auch dazu, dass komplette Durchblicke in den Geschossen möglich werden.

Aber nicht nur Materialien sind kommunikationsfördernd. Vielmehr regen auch Orte der Begegnung den Austausch an. Die Interaktion findet dabei nicht nur formell, d.h. in Besprechungen statt, sondern auch informell zwischendurch auf den Fluren, in den Teeküchen oder im
Bistro. Daher gibt es in den Gebäuden
pro Geschoss zwei Zonen(sogenannte „MeetingPoints“und„CoffeeAreas“),die den Mitarbeitern diese Bereiche bieten.

Schnelle Konfigurationsänderungen möglich

Die ökonomische Nachhaltigkeit im MRC drückt sich primär durch die effizienten Grundrisse aus. So gibt es drei Labormodule pro Geschoss. Die Tragstruktur der Etagen bildet ein optimiertes Raster aus, das auf feste Wände verzichtet und so für räumliche Flexibilität sorgt. Jedes Modul misst 25 x 21 m, kommt mit vier Stützen aus und kann im künftigen Betrieb für verschiedene Nutzungen und Funktionen umgerüstet werden. Zwei zentrale Versorgungsschächte in den angrenzenden Treppenhauskernen führen die komplette technische Infrastruktur einschließlich aller erforderlichen Medien. Zu deren schnellem Wechsel sind dort alle Anschlüsse vorinstalliert, so dass bei Bedarf andere Konfigurationen problemlos möglich sind. Neben den Dokumentationszonen gibt es im Labormodul darüber hinaus auch abgeschlossene Einzel- bzw. Kombibüros. Sie liegen an den Fassaden und sind durch einen verglasten Korridor erreichbar.

Eine thermische Gebäudesimulation half dabei, bei den Forderungen an eine ökologische Nachhaltigkeit. Weiter trugen die optimale Dimensionierung der Heizungs- und Lüftungsanlagen wie die kompakte Bauweise der Gebäude dazu bei,die ohnehin anfallende Wärme zu nutzen bzw. Wärmeverluste zu reduzieren. Ventilatoren und Pumpen mit besonders hohem Wirkungsgrad, eine Abluft-Wärmerückgewinnung sowie ein intelligentes Reduzieren von Luftmengen und Energien in der arbeitsfreien Zeit sorgen dafür, dass der CO2-Ausstoß des MRC gegenüber Vergleichslaboren um 80 % niedriger liegt.

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Heftausgabe: Juni 2011
Christiane Leenen, Bereichsleiterin  Laborplanung, Christoffel Labor  Experten Capus + Partner

Über den Autor

Christiane Leenen, Bereichsleiterin Laborplanung, Christoffel Labor Experten Capus + Partner
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