Z wie… zero clue?

Ebola-Medikament Z-Mapp

17.09.2014 Verzweiflung macht erfinderisch, und so entschloss sich die WHO vor einigen Wochen zu einem außergewöhnlichen Schritt: Sie gestattete den Einsatz von Z-Mapps, einem sich noch in der Entwicklung befindlichen Medikaments gegen den Ebola-Virus. Und bei dem selbst der im kanadischen San Diego ansässige Hersteller Mapp Biopharmaceutical auf die Frage „Does it work?“ bisher nur antworten kann: „We don´t know.“

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Ebola-Medikament Z-Mapp

@psdesign 1 – Fotolia.com

 Monoklonaler Ansatz
Z-Mapp ist weder ein Serum noch wird es aus einem Serum gewonnen, sondern ist eine erst im Januar 2014 identifizierte Kombination dreier monoklonaler Antikörper. Also Antikörper, die aus einer Zelllinie entstehen, die auf einen einzigen B-Lymphozyten zurückgehen. Diese wiederum lizensierte Mapp vom ebenfalls in Kanada ansässigen Unternehmen Defyrus und dem USAMRIID (United States Army Medical Research Institute of Infectious Diseases), humanisierte und produzierte sie mithilfe eines sogenannten Antibody-vector-Systems in Tabakpflanzen. Grob gesagt, ist es mit der Behandlung also möglich, einen bereits infizierten Patienten mit Antikörpern zu versorgen, wie sie der menschliche Körper normalerweise durch eine präventive Impfung produzieren würde. Die FDA hat bereits 30 verschiedene Produkte zugelassen, die auf einer solchen Antikörpertherapie basieren.

Überdurchschnittliche Wirksamkeit

Im Tierversuch zumindest sind die Ergebnisse sehr vielversprechend: So konnten Forscher um den Biologen Xiangguo Qiu eine Gruppe von 18 Rhesusaffen mit Z-Mapp retten – und das, obwohl ihnen das Medikament erst fünf Tage nach Infektion verabreicht wurde. Bei anderen Mitteln gelang eine Heilung nur dann, wenn die Versuchstiere spätestens nach zwei Tagen das entsprechende Präparat erhielten. Dies ist aber nur ein sehr theoretischer Erfolg. Denn auch wenn sich Ebola bereits nach kurzer Zeit im Blut nachweisen lässt, manifestieren sich die typischen Symptome (Übelkeit, Fieber, Blutungen) erst nach deutlich längerer Zeit, also wenn die Heilungschancen bereits deutlich gesunken sind. Und unter den Teils chaotischen Umständen, wie sie in Westafrika seit dem Ausbruch des Virus herrschen, ist es leider schlicht und ergreifend nicht möglich, jede Person vorsorglich zu testen.

Künftig Ebola-Impfungen?

Und noch ein weiterer Punkt sorgt für Ernüchterung: Den Affen im Tierversuch half Z-Mapp zwar gegen Ebola. Der Virenstamm, den die Wissenschaftler für diesen Versuch nutzten, war aber nicht identisch mit dem, der zum Redaktionsschluss bereits mehr als 1.500 Menschen das Leben gekostet hatte. Wenn es also auch bereits Erfolgsmeldungen geheilter Patienten nach der Verabreichung von Z-Mapps gab, steht zu diesem Zeitpunkt nicht fest, ob das Medikament nun half – oder die Genesenen schlicht und ergreifend zur glücklichen Hälfte derer zählt, die eine Ebolaerkrankung laut Statistik überlebt. Einen anderen Ansatz verfolgt der Pharmakonzern Glaxo Smith Kline bereits seit einigen Jahren: Um künftig nicht nur reagieren, sondern präventiv handeln zu können, forscht er an einem Impfstoff gegen das Ebola-Virus. Erste Tierversuche nannte der Konzern vielversprechend, konnte aber bisher noch keine Versuchsreihen am Menschen vornehmen. Durch den Ausbruch in Afrika wurde das Entwicklungsverfahren, mit Unterstützung eines internationalen Konsortiums, nun vorangetrieben: Bereits noch im September diesen Jahres könnten laut Unternehmen erste Tests an menschlichen Kandidaten erfolgen.

Einen Link zum Hersteller von Z-Mapp finden Sie hier.

Das WHO informiert mit regelmäßigen Updates über die Lage.

Heftausgabe: September 2014
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pb
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