Neues Steuerungskonzept für weißrussischen Molkereibetrieb

Eine für alles

10.10.2006 Milchwirtschaft hat im stark landwirtschaftlich geprägten Weißrussland einen hohen Stellenwert. Um die Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen und die Effizienz zu steigern, wurde bei der Molkerei Dairy Product in Gomel, einer der größeren Molkereien in Weißrussland, eine neue Milchverarbeitungslinie als vormontiertes Gesamtsystem installiert.

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Weißrussland ist mit einer Fläche von mehr als 200000km2, jedoch nur knapp 10Mio. Einwohnern nach wie vor stark landwirtschaftlich geprägt. Die Milchwirtschaft spielt hier eine große Rolle. Seit dem Beginn des Transformationsprozesses Anfang der 1990er Jahre ist in Weißrussland jedoch eine stetige Reduktion der Milcherzeugung und Herstellung von Milchprodukten zu beobachten: Heute wird rund ein Drittel weniger Milch erzeugt als im Jahre 1990. Aufgrund der Bedeutung des Milchsektors stellt die Erhöhung seiner Wettbewerbsfähigkeit jedoch ein übergeordnetes Ziel der weißrussischen Agrarpolitik dar. Denn noch immer hat mit einem Anteil von knapp 10% am Bruttoinlandsprodukt und einem Beschäftigtenanteil von über 10% der landwirtschaftliche Sektor in Weißrussland eine überragende Bedeutung. Und etwa ein Viertel der gesamten landwirtschaftlichen Produktion entfällt auf die Milchherstellung.

Moderne Milchverarbeitungslinie steigert Produktivität

Ein wettbewerbsfähiger Molkereisektor soll insbesondere durch mittel- und langfristige Effizienzsteigerungen erreicht werden. Wettbewerbsvorteile Weißrusslands in der Milchwirtschaft sind der große Anteil an landwirtschaftlichen Betrieben, die hohe Pro-Kopf-Milcherzeugung und ein großer Anlieferungsanteil. Doch die Milcherzeugung ist vielerorts noch unrentabel und auf niedrigem Modernisierungs- und Investitionsniveau. Die Molkerei Dairy Product in Gomel hat dies nun konsequent geändert.

Im Dezember letzten Jahres konnte ein Hersteller aus Oelde eine staatliche Ausschreibung für die komplette Milchverarbeitungslinie der Molkerei Dairy Product in Gomel, der zweitgrößten weißrussischen Stadt, für sich gewinnen. Daity Product ist eine der größeren Molkereien Weißrusslands mit einer Verarbeitungskapazität von rund 300000l Milch /Tag. Ihr Produktionsprogramm umfasst die ganze Bandbreite, angefangen bei Frischmilch über Jogurt, Kefir, Frischkäse, Hüttenkäse, saure Sahne, Quark etc. Die Molkerei mit insgesamt fünf Betriebsstätten war bislang mit mehreren kleineren Milchverarbeitungslinien russischer Provenienz ausgestattet und will nun sukzessive die Betriebe modernisieren und aufstocken. Den Anfang machte das Hauptwerk in Gomel mit der ersten modernen Pasteur-Anlage westeuropäischer Herkunft.
Die Molkerei erhielt jetzt einen mit Plattenwärmeübertrager ausgestatteten Milchpasteur mit einer Verarbeitungskapazität von 10000l/h Rohmilch. Neu ist dabei die Integration der kompletten Steuerung der Anlage. Ein einfacherer Aufbau der Steuerung und der mögliche Verzicht auf einen Signalaustausch sind die Folge dieser Zusammenfassung auf eine einzige Steuerung. Die gesamte Anlage einschließlich der beiden Separatoren und der Standardisiereinrichtung wird von einem Automatisierungsgerät Simatic S 7-300 gesteuert, die Bedienung erfolgt an der Anlage mit einem Operator-Panel OP 370 mit Farbbildschirm. Zuvor konnte dieses neue Konzept bereits bei einer russischen Molkerei in Voronesch erfolgreich umgesetzt werden.
In die vollautomatische Linie ist ein Entrahmungsseparator MSE85 sowie ein Entkeimungsseparator CND130 integriert. Der MSE85 stellt eine neue Maschinenbauweise dar, die speziell für den kleineren Leistungsbereich mit einer Kapazität von 10000l/h konzipiert wurde. Der Entkeimer CND130 arbeitet mit dem standardmäßig eingesetzten Rezirkulationssystem zur Rückführung von Bakterien und Sporenbildnern. Dabei wird das Bakterienkonzentrat in den Zulauf zurückgeführt, die Keime werden im Zuge der Teilentleerung mit dem Schlamm ausgetragen. Damit vermeidet das System einen permanenten Anfall von behandlungsbedürftigem Bakterienkonzentrat.

Homogenisation im Teilstromreduziert Energiebedarf

Milch und Rahm stellt automatisch und zuverlässig ein Standomat MC im gewünschten Fettgehalt ein. Die Milch wird dann in einem Homogenisator im Teilstrom homogenisiert, einem Verfahren, das deutlich zur Energieeinsparung beiträgt. Die Teilstrom-Homogenisation wird für Trinkmilch eingesetzt, wenn Energie- und Investitionskosten eingespart werden sollen. Mit etwa einem Drittel der Milch wird ein ausreichender Homogenisiereffekt erzielt, gleichzeitig kann mit einer deutlich kleineren Maschine gearbeitet werden. Dabei wird der gesamte Rahmanteil mit Magermilch so weit aufgefüllt, dass nur etwa ein Drittel der Gesamtmilch zur Homogenisation kommt und dennoch die Leistung der Homogenisiermaschine ausgeschöpft wird. Anschließend gelangt der homogenisierte Anteil wieder zurück in den Gesamt-Milchstrom. Der Strom- bzw. Energieverbrauch beläuft sich analog der Menge auf nur ein Drittel gegenüber einer Homogenisierung im Vollstrom.

Turbulenzfreie Vakuum-Entgasung

Eine Besonderheit stellt auch die Vakuum-Entgasung dar, bei der die heiße Milch in einem Behälter von unerwünschten Geruchs- und Geschmacksstoffen befreit wird. Genutzt wird hierbei ein Verfahren, bei dem das Produkt in einer sehr dünnen Schicht an einem doppelkegelförmigen Körper innerhalb des Vakuumbehälters herabrinnt. Die praktisch turbulenzfreie Strömung mit nur äußerst geringer Verwirbelung erlaubt eine sehr schonende, gleichzeitig aber sehr gründliche Milchbehandlung.

Die Anlage wurde im Werk des Herstellers komplett vormontiert, verkabelt und getestet. Teilzerlegt und transportiert konnte sie dann im Werk in Gomel von eigenen Mitarbeitern der Molkerei schnell und einfach wieder zusammengefügt werden. Diese Vorgehensweise reduziert die Installations- und Inbetriebnahmephase deutlich und erfreut sich zunehmender Beliebtheit.

Mit dieser neuen Anlage macht die Molkerei einen großen Schritt auf dem Wege zur Modernisierung ihres Hauptbetriebes. In Weißrussland hatte der deutsche Hersteller bereits vor zwei Jahren eine große Quarklinie für die Molkerei Minsk 2 und in diesem Frühjahr in der Molkerei Brest erfolgreich in Betrieb nehmen können.

Heftausgabe: Oktober 2006
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Über den Autor

Wolfgang Gruchot , Business Unit Molkereitechnik, Westfalia Separator FoodTec
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