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Ernst & Young veröffentlicht globalen Biotechnologie-Report 2013

24.04.2013 Die weltweite Biotechnologiebranche hat sich 2012 weiter erholt. Die börsennotierten Unternehmen der Branche in Nordamerika, Europa und Australien verzeichneten das dritte Jahr in Folge ein Umsatz- und Ergebniswachstum. Zusammengenommen erzielten die Unternehmen 2012 einen Umsatz von 89,8 Mrd. US Dollar, 8 % mehr als im Vorjahr.

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Die weltweite Biotechnologiebranche erreichte 2012 einen Gewinn von 5,2 Mrd. US-Dollar, während die europäischen Branchenunternehmen erstmals die Gewinnschwelle erreichten (Bild: Ernst & Young)

Die Unternehmen verbuchten außerdem einen Rekord-Gewinn von 5,2 Mrd. US-Dollar, das sind 1,4 Mrd. US-Dollar mehr als im Vorjahr. Dies geht aus der Veröffentlichung des 92-seitigen globalen ‚Biotechnology Industry Report 2013‘ der Unternehmensberatung Ernst & Young (PDF-Dokument am Ende dieser Nachricht).

Die Forschungs- und Entwicklungsabteilungen in vielen Unternehmen standen allerdings weiterhin unter Kostendruck. Das F&E-Wachstum flacht insgesamt ab: Die F&E-Ausgaben der börsennotierten Unternehmen legten um 5 % zu und blieben damit deutlich unter der für 2011 erzielten Wachstumsrate von 9 %. Die führenden Unternehmen investierten auf gleichbleibend hohem Niveau, während Firmen in der vorkommerziellen Phase ihre F&E-Ausgaben deutlich senkten.

Zudem haben die meisten Unternehmen noch Nachholbedarf beim Erbringen von Nachweisen, die den Wert von Produktentwicklungen belegen. Dieser Nachholbedarf beeinträchtigt die künftige Fähigkeit der Unternehmen, Kapital zu beschaffen, positive Transaktionsbewertungen zu erhalten und nach der Zulassung ihrer Arzneimittel eine vollständige Kostenerstattung zu erzielen.

Die „neue Normalität“ der Finanzierungssituation bleibt bestehen: Die Biotech-Unternehmen in Nordamerika und Europa erhielten 2012 Finanzmittel in Höhe von 28,2 Mrd. US-Dollar gegen-über 33,3 Mrd. US Dollar im Vorjahr. Dieser Rückgang war vor allem auf Fremdkapitalfinanzierungen zurückzuführen, die um fast ein Drittel rückläufig waren. Der Markt für IPOs ist immer noch nicht in Schwung gekommen: Die Einnahmen aus allen Börsengängen betrugen insgesamt nur 805 Mio. US Dollar (2011: 857 Mio. US-Dollar). Das „Innovationskapital“ – definiert als das gesamte aufgenommene Kapital von Unternehmen mit einem Umsatz von unter 500 Mio. US Dollar – veränderte sich von 2011 bis 2012 kaum; es stieg leicht von 15,2 Mrd. auf 15,3 Mrd. US-Dollar.

Das Venture Capital bleibt widerstandsfähig: In Nordamerika und Europa sank das durch Venture-Capital-Geber bereitgestellte Kapital 2012 um 5 % auf 5,4 Mrd. US Dollar. Dieser Rückgang ist angesichts der jüngsten Schwierigkeiten der Venture-Capital-Gesellschaften bei der Eigenkapitalbeschaffung wesentlich geringer als erwartet.

Der Gesamtwert der Fusionen und Übernahmen unter Beteiligung von europäischen oder US-amerikanischen Biotech-Unternehmen belief sich auf 27,4 Mrd. US-Dollar. Dies entspricht einem Anstieg von 9 % gegenüber dem Vorjahr (ohne Berücksichtigung der beiden Mega-Deals im Jahr 2011 mit einem Volumen von über 10 Mrd. US-Dollar) und ist der höchste Gesamtwert ohne Mega-Deals seit 2

USA und Europa im Vergleich
Während die börsennotierten Biotech-Unternehmen in den USA im vergangenen Jahr einen Umsatz von 63,7 Mrd. US-Dollar verzeichneten (+8 % gegenüber 2011), lag der Umsatz der europäischen Unternehmen bei 20,4 Mrd. US-Dollar, was ebenfalls einem Anstieg um 8 % entsprach. Während aber die US-Unternehmen die F&E-Ausgaben um 7 % steigerten, gingen die F&E-Investitionen bei den europäischen Unternehmen um 1 % zurück – ein Ergebnis der fortdauernden Sparprogramme bei vielen europäischen Firmen.

Der Gesamtgewinn der US-Unternehmen erhöhte sich von ca. 3,3 Mrd. US-Dollar im Jahr 2011 um 34 % auf 4,5 Mrd. US Dollar im Jahr 2012. Die Biotech-Branche in Europa erreichte 2012 erstmalig in ihrer Geschichte die Rentabilitätsschwelle.

Die US-amerikanischen Unternehmen erhielten im Jahr 2012 Finanzmittel von insgesamt 23,3 Mrd. US Dollar. Dies ist die zweithöchste Summe in den vergangenen zehn Jahren nach einer Rekord-Kapitalaufnahme von 29,7 Mrd. US-Dollar im Jahr 2011. Ohne Berücksichtigung der Fremd-kapitalfinanzierungen stieg die Kapitalaufnahme im Vergleich zum Vorjahr um 16 %. In Europa stieg die Kapitalaufnahme um 44 % auf 4,2 Mrd. US-Dollar, die höchste Summe seit dem Beginn der globalen Finanzkrise. Dieser Anstieg beruht jedoch ausschließlich auf Fremdkapitalfinanzierungen, die um 392 % zunahmen, während in jeder anderen Kategorie eine Abnahme zu verzeichnen war.

Umfrage bei 62 Biotech-Unternehmen
Ernst & Young befragte zusätzlich Führungskräfte aus 62 US-amerikanischen und europäischen Biotech-Unternehmen danach, wie sich die Unternehmen auf den weltweiten Wandel hin zu einem Evidenz-basierten Gesundheitswesen, also eine auf empirische Belege gestützte Heilkunde, einstellen. Die Ergebnisse zeigen, dass die Unternehmen wesentlich öfter Maßnahmen zur Steigerung der Effizienz ergreifen als Nachweise für den Wert der Produkte zu erbringen. Die wichtigsten Erkenntnisse sind:

  • Nahezu Einstimmigkeit über die strategische Bedeutung: 94 % der Befragten stimmten zu, dass es für Biotech-Unternehmen „wichtig“ oder „sehr wichtig“ sei, den Schwerpunkt der Strategien auf Effizienz und Nachweise zu legen.
  • Nachholbedarf bei der Erbringung von Nachweisen: Unter den Befragten, die Maßnahmen zur Erbringung von Nachweisen als „wichtig“ oder „sehr wichtig“ betrachteten, gaben die meisten jedoch an, dass sie wahrscheinlich keine Initiativen speziell zur Erbringung von Nachweisen durchführen werden. Lediglich 11 % der Be-fragten haben Experten für Kostenträger/Erstattungsbehörden in ihre Management-Teams aufgenommen, nur 13 % beziehen solche Experten in die klinische Entwicklung ein und gerade einmal 4 % haben diese Experten in den Vorstand berufen. Für Maß-nahmen zur Steigerung der Effizienz bestand kein derartiger „Implementation Gap“.
  • Es muss umgedacht werden: Um Erfolg zu haben, müssen Unternehmen ihre F&E-Ansätze überdenken. Hierfür müssen sie die neuen Standards der Gesundheitsversorgung im Auge behalten. Ein Modell, das von Ernst & Young als „Weg der Wertschöpfung“ bezeichnet wird, kann den Unternehmen helfen, die größten unerfüllten Bedürfnisse oder Lücken zu identifizieren, auf die die Kostenträger am stärksten achten werden. Die Unternehmen müssen ihr Angebot anschließend so ändern, dass diese „Wertabflüsse“ ver-mieden werden, und ihre klinischen Prüfungen umgestalten, um aussagekräftige Nachweise für die Kostenträger zu erbringen (beispielsweise durch direkte Vergleichsstudien oder adaptive Studien).

Für die Therapeutika-Unternehmen fasst Dr. Siegfried Bialojan von Ernst & Young die Entwicklungen zusammen: „Der Wandel zum evidenzbasierten Gesundheitswesen ist im vollen Gange, und er betrifft jedes Therapeutika-Unternehmen, unabhängig von dessen Größe, Reife oder Forschungsgebiet. Viele Maßnahmen, die das Unternehmen in Richtung evidenzbasiertes Arbeiten bringen – wie die frühzeitige Einbindung von Experten bei Fragen zum Wert des Produktes und zur Kostenerstattung, das Überdenken der Ausgestaltung klinischer Prüfungen oder die Möglichkeit der präkompetitiven Zusammenarbeit bei der Datengewinnung – sind nicht sehr kostenintensiv und können eventuell nötige Zusatzstudien vermeiden. Die Frage ist nicht, ob die Unternehmen sich diese Maßnahmen leisten können, sondern ob sie es sich leisten können, nichts zu tun.“

(dw)

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