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Esetec-Sekretionstechnik liefert Antikörperfragment gegen Krebs

14.02.2013 Wacker Biotech, München, und Metheresis Translational Research, Jena, haben einen wichtigen Mei-lenstein in ihrer Zusammenarbeit zur Herstellung des -Wirkstoffkandidaten Mv-DN30 erreicht. Dieses Fab-Antikörperfragment richtet sich gegen den Rezeptor für den Hepatozyten-Wachstumsfaktor MET. Es wird mittels der Esetec-Sekretionstechnik von Wacker hergestellt.

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In Fermentern bei Wacker Biotech werden genetisch optimierte E.coli-Bakterien kultiviert, die die bestimmte Wirkstoffproteine für Arzneimittel produzieren, beispielsweise zur Behandlung von Krebs, multipler Sklerose oder Hepatitis (Bild: Wacker)

Mit dieser Sekretionstechnik hat das Münchner Unternehmen eine effiziente Zelllinie für die Produktion von Mv-DN30 entwickelt. Wie eine Studie zeigen konnte, lässt sich mit der E. coli-basierten Esetec-Technik das gewünschte rekombinante Produkt mit deutlich höherer Ausbeute produzieren als mit konventionellen Verfahren. Das hergestellte Antikörperfragment, eine chimäre, monovalente Form des gegen MET gerichteten Antikörpers DN30, ist ein vielversprechendes neues Krebsmedikament. Das Produkt wird derzeit von Metheresis, einem Tochterunternehmen der italienischen Pharmagruppe Sigma-Tau, entwickelt und zeigte bereits hervorragende pharmakologische Eigenschaften sowie sehr gute Ergebnisse in Tierversuchen, meldet Wacker Biotech.

Auf der Suche nach einem effizienten und industrialisierbaren Verfahren zur Herstellung des Fab-Antikörperfragments hat sich Metheresis an Wacker gewandt. Die von Wacker durchgeführte Studie belegt nicht nur, dass die Produktion des neuartigen Krebsmedikaments mit der patentierten Esetec-Technik möglich ist. Sie lieferte auch hohe Ausbeuten korrekt gefalteter, voll funktions-fähiger Antikörperfragmente im Kulturmedium und stellte nach der Aufreinigung ausreichende Mengen des hochreinen Produkts für die weitere Entwicklung bereit.

Fab-Antikörperfragmente sind aus zwei unterschiedlichen Protein-Untereinheiten aufgebaut und enthalten sowohl intramolekulare als auch intermolekulare Disulfidbrücken – dadurch ist die Herstellung von Fab-Antikörperfragmenten im Vergleich zur Produktion vieler anderer Proteinwirkstoffe eine besondere Herausforderung. Die in der Studie erzielten Ausbeuten übertrafen jedoch diejenigen klassischer Herstelltechnologien um den Faktor 50. Damit haben die beiden Unternehmen einen Meilenstein erreicht: Nun liegen sowohl eine geeignete Produktions-Zelllinie als auch ein erster Aufreinigungsprozess für die Produktion des Antikörperfragments durch Wacker und für die weitere Entwicklung des monovalenten anti-MET-Krebsmedikaments durch Metheresis vor.

Fab-Antikörperfragmente sind gezielt hergestellte Bestandteile von menschlichen Antikörpern und gelten als aussichtsreiche neuartige Arzneistoffe zur Behandlung von Krankheiten. Die Vorteile der Fab-Antikörperfragmente gegenüber vollständigen Antikörpern liegen vor allem in der verbesserten Fähigkeit, in das Gewebe einzudringen, und in der kostengünstigen Produktion in mikrobiellen Systemen. MET ist der Rezeptor für den Hepatozyten-Wachstumsfaktor und essentiell für die Embryonalentwicklung. Unter bestimmten pathologischen Bedingungen sind MET-Signale jedoch für Tumorbildung und Metastasen verantwortlich. Da das neuartige Antikörperfragment Mv-DN30 die MET-Signale in Tumoren blockiert, ist es ein vielversprechender Kandidat zur Krebsbehandlung.

Esetec ist eine von Wacker patentierte Technik zur kostengünstigen Herstellung von Proteinen und Antikörperfragmenten. Sie basiert auf einem E. coli K12-Stamm, der die besondere Fähigkeit besitzt, rekombinante Proteine während der Fermentation in korrekter Faltungskonformation ins Kulturmedium zu sekretieren. Durch die Sekretion ins Medium wird die Aufreinigung des Zielprote-ins erleichtert, da aufwändige Prozessschritte wie Homogenisierung und Rückfaltung entfallen. Das macht die gesamte Herstellung wesentlich effizienter und kostengünstiger. Eine Reihe von Biopharmazeutika, die so hergestellt wurden, befindet sich bereits in der präklinischen und klinischen Prüfung.

(dw)

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