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Exportklima in der Ernährungsindustrie erreicht Spitzenwerte

12.12.2013 Nach dem PwC-Exportbarometer der deutschen Ernährungsindustrie im Auftrag der Bundesvereinigung der deutschen Ernährungsindustrie (BVE) vom Dezember 2013 ist das Exportklima in der deutschen Ernährungsindustrie weiter gestiegen und damit so gut wie noch nie seit Beginn der Erhebung im Mai 2010.

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Überblick: Geschäftslage und Geschäftserwartung in den Branchen für das 1. Halbjahr 2014 (Bild: PwC)

Das Ergebnis von +43 Punkten entspricht einer Verbesserung von +26,5 % gegenüber dem Vorjahr. Dabei erreichten die Beurteilungen der Lage und der Erwartungen im Exportgeschäft langfristige Spitzenwerte. Mit +54 Punkten wurde die Geschäftslage so gut eingeschätzt wie noch nie. Die Geschäftserwartungen fallen über die Wintermonate üblicherweise gedämpfter aus, im Dezember 2013 stiegen sie jedoch auf das höchste Saisonergebnis der letzten 3 Jahre. In fast allen Branchen blieb das Exportklima auf hohem positivem Niveau, leicht eingetrübt hat sich die Stimmung allein im Export mit Fleischwaren und alkoholfreien Getränken. Das Exportgeschäft im EU-Binnenmarkt bleibt stabil aber ohne deutliche Wachstumsdynamik.

Steigenden Absatz versprechen zunehmend Märkte außerhalb der EU, fast 80 % der Lebensmittelhersteller exportieren ihre Produkte bereits in Drittländer. Die Lebensmittelhersteller vertreiben ihre Produkte dabei in immer mehr Auslandsmärkten. 74 % der befragten Unternehmen haben mehr als 5 verschiedene Absatzmärkte im Ausland, 17 % sogar mehr als 25. Im Vergleich zu vor 5 Jahren ist damit laut den Lebensmittelexporteuren die Zahl der Auslandsmärkte deutlich gestiegen. Der steigende Exporterfolg der Ernährungsindustrie basiert nicht nur auf der hohen Qualität, Sicherheit und Wettbewerbsfähigkeit deutscher Lebensmittel, sondern auch auf ihrer außerordentlichen Kundenorientierung. 78 % der befragten Lebensmittelexporteure passen ihre Produkte an die Konsumpräferenzen ihrer ausländischen Kunden an oder entwickeln gar Neuheiten ausschließlich für den Export.

„Wachstum generieren die deutschen Lebensmittelhersteller allein im Export; die Branche hat sich als drittgrößter Exporteur fest am Weltmarkt etabliert. Die internationale Wettbewerbsfähigkeit der Ernährungsindustrie muss erhalten werden. Eine weitere Kostenbelastung der Lebensmittelproduktion durch zunehmende Regulierung gilt es zu vermeiden, vielmehr werden Freiräume für wichtige Investitionen und Innovationen gebraucht. Die Exportorientierung, insbesondere kleiner und mittelständischer Unternehmen, ist zu fördern und bestehende Handelshemmnisse müssen weiter abgebaut werden. Die Ernährungsindustrie unterstützt daher besonders die Verhandlungen um eine umfassende Transatlantische Handels- und Investitionspartnerschaft, die der Branche neue Wachstumschancen eröffnet.“ kommentiert Christoph Minhoff, Hauptgeschäftsführer des BVE, die aktuellen Ergebnisse des Exportbarometers der deutschen Ernährungsindustrie, das die Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC bereits zum 8. Mal im Auftrag der BVE erstellt hat.

„Je besser Unternehmen ihre Produkte an die lokalen Konsumwünsche anpassen, desto mehr Märkte können sie außerhalb der Europäischen Union erschließen. Besonders groß ist der Innovationsdruck in der Getränkeindustrie sowie bei Fleisch- und Wurstwaren. Gerade in diesen Branchen zeigt sich auch, dass die Unternehmen sich auf wenige Auslandsmärkte konzentrieren. Neben dem Zugang zu den Märkten werden Innovationskraft und Investitionsstärke mehr denn je über den Erfolg der Unternehmen entscheiden“, erläutert Gerd Bovensiepen, Leiter des Geschäftsbereichs Handel und Konsumgüterindustrie bei PwC.

Lebensmittelhersteller exportieren in immer mehr Länder
Die Ernährungsindustrie verdient heute jeden 3. Euro im Ausland. Der stagnierende Absatz im Inland macht den Export zum wichtigsten Wachstumstreiber der Branche. Die Nachfrage nach Qualitätslebensmitteln „Made in Germany“ steigt weltweit. Neben dem EU-Binnenmarkt als wichtigsten Handelspartner bieten konsumfreudige Drittländer die größten Wachstumspotentiale; beim Marktzugang jedoch auch die größten Herausforderungen. Um ihre Erfolgschancen im Exportgeschäft zu steigern, haben die Lebensmittelhersteller die Zahl ihrer Kunden weltweit ausgebaut und setzen ihre Produkte in immer mehr Auslandsmärkten ab.

Die meisten der befragten Lebensmittelexporteure (46 %) haben zwischen 5 und 15 verschiedene Absatzmärkte im Ausland, 11 % bedienen die Nachfrage in 16 bis 25 Ländern und 17 % sogar in mehr als 25 Länder. Nur 26 % der Unternehmen setzen ihre Produkte in weniger als 5 Auslandsmärkten ab. Die Zahl der Auslandsmärkte hängt dabei maßgeblich mit der Unternehmensgröße aber auch dem Produkt zusammen. Unternehmen mit weniger als 100 Mitarbeitern können weniger Märkte gleichzeitig erschließen, 33 % haben weniger als 5 und 51 % zwischen 5 und 15 Absatzmärkte im Ausland. Hingegen setzen 55 % Unternehmen mit mehr als 300 Mitarbeitern ihre Produkte in mehr als 25 Auslandsmärkten ab, 17 % immerhin noch in 16 bis 25 Ländern. Die Hersteller von Fleisch- und Wurstwaren, Fleisch aber auch Backwaren setzen ihre Produkte tendenziell in weniger Absatzmärkten ab als die Hersteller von Süßwaren, Molkereiprodukten oder Bier.

Entwicklung nach Absatzmärkten
Die Ernährungsindustrie erwirtschaftete in den ersten 9 Monaten 2013 einen Exportwert von 38,8 Mrd. Euro, das entspricht einer Steigerung von 3,2 % gegenüber dem Vorjahr. 77 % der deutschen Lebensmittelexporte gehen in die EU. Die wichtigsten Absatzmärkte sind nach Einschätzung der Unternehmen aktuell die Niederlande, Frankreich, Italien und Österreich. Die anhaltende konjunkturbedingte Konsumzurückhaltung im Binnenmarkt wirkt sich auch auf die Absatzerwartungen der Ernährungsindustrie im Dezember 2013 aus. Für die kommenden sechs Monate erwartet die Mehrzahl der befragten Lebensmittelexporteure keine deutlichen Zuwächse im EU-Exportgeschäft, allein für den Absatz in Großbritannien, Österreich und Polen herrscht Zuversicht.

Chancenreiche Wachstumsmärkte liegen für die Lebensmittelexporteure zunehmend außerhalb der EU. Im Dezember 2013 stieg der Anteil der Unternehmen mit Exporten in Drittländer um +5,2 % gegenüber dem Vorjahr. Immer mehr Handelshemmnisse erschweren hier jedoch den Marktzugang. Die bedeutendsten Absatzmärkte sind die Schweiz, USA und aktuell China, das Russland aus dem Top-3-Ranking verdrängt hat. Die Absatzerwartungen außerhalb der EU sind laut den befragten Unternehmen sehr positiv. Die Mehrzahl der Lebensmittelexporteure erwartet besonders für China, Russland, die USA und Australien einen steigenden Absatz.

Branchenergebnisse
Die erfolgreichsten Exportgüter der Ernährungsindustrie sind Fleisch-und Milchprodukte sowie Süßwaren und Getränke. Saisonale wie strukturelle Unterschiede im Exportgeschäft lassen die Einschätzungen zur Lage und den Erwartungen in den einzelnen Branchen zum Teil deutlich variieren. Im Vergleich zur Befragung im Mai 2013 verbesserte sich das Exportklima in den Branchen der Herstellung von Bier (+20,4 %),

Süßwaren (+13,7 %) und Backwaren (+7,9 %), bei Fleisch stieg das Exportklima sogar um mehr als das 6-fache. Hauptsächlich saisonbedingt leicht eingetrübt hat sich das Exportklima in den Branchen der Herstellung von alkoholfreien Getränken (-42,9 %), Fleischwaren (-28,3 %), verarbeitetem Obst und Gemüse (-6,5 %) sowie Molkereiprodukten (-2 %).

Für das Exportbarometer wurden vom 6. bis 28. November 2013 rund 400 Geschäftsführer und Exportleiter befragt. Die Umfrage bietet einen umfassenden Überblick über die aktuelle Exportkonjunktur in der Ernährungsindustrie und ihren Teilbranchen. Die Befragung wird vom Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz gefördert. Das Export-Klima wird aus der Einschätzung der aktuellen Geschäftslage und der Erwartung für die nächsten sechs Monate errechnet. Theoretisch möglich sind Ergebniswerte auf einer Skala von minus 100 (alle Befragten beurteilen sowohl die Lage als auch die Perspektiven negativ) bis plus 100 (alle Beurteilungen fallen positiv aus).

Weblink zum Thema
Den vollständigen PwC Exportbarometer der deutschen Ernährungsindustrie (PDF, 43 Seiten) im Auftrag der Bundesvereinigung der deutschen Ernährungsindustrie (BVE) vom Dezember 2013 können Sie hier oder auf der deutschen Internetseite von Pricewaterhousecoopers aufrufen und herunterladen.

(dw)

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