Abfüllen im Nildelta

Flexible Abfüll- und Verpackungslinie für Arzneimittel

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03.11.2014 Hier ist die Medizin zu Hause: Das alte Ägypten zählt zu den Kulturen der ältesten dokumentierten Heilkünste und war für seine Zeit sehr fortschrittlich. Seit einem halben Jahrhundert hat nun auch der schweizerische Pharmariese Novartis hier Produktions- und Abfüllanlagen für zahlreiche Arzneimittel. Zum Produktportfolio des Unternehmens zählen feste, flüssige, halbfeste und sterile Arzneimittel.

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Entscheider-Facts für Betreiber

  • Der Betreiber benötigte eine platzsparende Abfülllösung die in der Lage ist, drei verschiedene Produkte abzufüllen und zu verpacken. Dabei musste die Umstellung jeweils möglichst schnell erfolgen.
  • Das gemäß dem Anforderungsprofil erstellte System verfügt über drei verschiedene rundlaufende Verschließmaschinen, die je nach Bedarf zum Einsatz kommen.
  • Zusätzlich integrierte der Hersteller ein CIP-System, das einen schnellen und hygienischen Produktwechsel ermöglicht. Durch diese Punkte konnte der Betreiber seinen Durchsatz deutlich erhöhen.

Drei in Einem
Das Werk von Novartis in Kairo, Ägypten, umfasst eine Fläche von 80.000 Quadratmeter und produziert genug Arzneimittel, um sieben Prozent des Gesamtbedarfs des lokalen Marktes abzudecken. Der Standort dient heute als Basis für die Produktion und das Supply-Chain-Management von verschreibungspflichtigen Arzneimitteln sowie rezeptfreien Produkten. Das Produktionsvolumen für diese insgesamt mehr als 100 Produkte liegt bei 122 Mio. Einheiten pro Jahr. Obwohl das Werk im Jahr 2006 für 16 Mio. USD überholt wurde – um die Infrastruktur, Technologien, Effizienz und Kapazitäten zu optimieren – stieß der Betreiber an seine Grenzen, als 15-mm-Kunststoffflaschen Otrivin Saline Baby Nasentropfen, 10-mm-Kunststoffflaschen Otriven Nasenspray und 100-mm-Glasflaschen Catafly Suspension Hustensaft auf einer Linie abgefüllt werden sollten. Jedes dieser Produkte hat ein anderes Verpackungsformat, was die Effizienz und Produktionsausbringung zu beeinträchtigen drohte. Um die Nachfrage nach diesen Produkten zu erfüllen, musste das Unternehmen in Anlagen investieren, die flexibel genug für die Verarbeitung der verschiedenen Produkte und Verpackungsformate sind. Hierfür wandte er sich an Bosch Packaging Technology. Die Vorgabe war klar: die Entwicklung einer einzelnen Lösung, die alle drei Produkte abfüllen und verpacken konnte. Eine erste Hürde stellten dabei die unterschiedlichen Konsistenzen dar. Während das Nasenspray und die Nasentropfen ölig sind, ist der Hustensaft zähflüssig. Die unterschiedlichen Verpackungsformate bedeuteten eine ebenso große Herausforderung – insbesondere, da sie verschiedene Verschlussarten erfordern. Während den Hustensaft ein Schraubdeckel und ein aufgesetzter Messbecher verschließen, sind die Flaschen für die Nasentropfen mit einem Einsatz und einem Schraubverschluss und jene für das Nasenspray mit einer Zerstäuberpumpe und einem Schraubverschluss ausgestattet. Kurz gesagt, der Konzern benötigte eine flexible Lösung, die während Produktumstellungen einfach zu reinigen ist. Zudem war hohe Präzision von großer Bedeutung, um jede Flasche stets mit exakt derselben Menge Flüssigkeit zu befüllen. „Wir waren in technischer Hinsicht von der Flexibilität der Anlagen des Unternehmens beeindruckt und überzeugt, dass Bosch über die Fähigkeiten zur Herstellung einer einzelnen Verpackungslinie für diese drei Produkte verfügt“, erklärt Mohamed Galal, Projektleiter bei Novartis in Ägypten.

Schlank und sauber
Das Team des Herstellers machte sich an die Arbeit und konzipierte eine kundenspezifische Fertigungslinie. Sie beginnt mit einem Flaschensortierer, gefolgt von einem Ausbläser zur Innenreinigung aller drei Flaschen und Vermeidung von Partikelkontamination. Um die Kunststoffflaschen zu reinigen, ionisiert das System die Druckluft von den Blasdüsen, was die elektrostatische Ladung auf den Innenflächen der Flaschen neutralisiert und das Entfernen von Fremdpartikeln ermöglicht. Da diese Funktion für Glasflaschen nicht nötig ist, kann der Betreiber sie jederzeit abschalten. Die Flaschen befördert die Anlage anschließend zu einer linearen Kolbenfüllmaschine, die mit zehn Stickstoffdüsen und zehn Fülldüsen ausgestattet ist. Das Spülen mit Stickstoff reduziert den Sauerstoffgehalt in pharmazeutischen Produkten, um Oxidation nach dem Verschließen vorzubeugen. Um das Verarbeiten von mehreren Formaten zu ermöglichen, umfasst die Linie drei verschiedene rundlaufende Verschließmaschinen, die abhängig vom jeweiligen Produkt zum Einsatz kommen. Die erste ist dazu vorgesehen, jede Nasensprayflasche mit einer Pumpe zu versehen. Die zweite Verschließmaschine setzt den Dosieraufsatz auf die Nasentropfenflaschen. Die dritte Verschließmaschine ist für alle Formate von Schraubverschlüssen zuständig und setzt die Messbecher auf die 100-mm-Glasflasche.

CIP ermöglicht Flexibilität
Eine Schlüsselfunktion der Linie ist das Cleaning-in-Place (CIP) Plus-System, das wiederholbare Reinigungsergebnisse ermöglicht. Das System ist dazu vorgesehen, alle Teile, die mit dem Produkt in Berührung kommen, zu reinigen, ohne die Maschine zerlegen zu müssen. Dies muss nach jedem Produktwechsel geschehen. Vom Abfüllen bis zum Verschließen ist die Linie vollständig mit einer Laminar-Flow-Haube abgedeckt, die mithilfe von Überdruck das Eindringen von Fremdpartikeln verhindert. Nach dem Verschlussprozess transportiert das System die Flaschen – mit Ausnahme der vorbedruckten Nasenspray-Flaschen – zum Etikettierer. Für die Sekundärverpackung führt es die Flaschen im Anschluss dem kontinuierlichen Kartonierer CUK zu, der die Anforderungen des Pharmakonzerns im Hinblick auf die Formatflexibilität, kurze Umstellungszeiten und einen geringen Wartungsaufwand erfüllt. Insgesamt kann der Anwender 15 Formatoptionen für unterschiedliche Produkt-, Faltschachtel- und Beipackzettelmaße einrichten. Der zur Bedienseite aufschwenkbare Prospektfalzer des Kartonierers ermöglicht es dem Bediener, Einricht- und Servicearbeiten schnell und ohne eine zweite Person auszuführen. Prospektfalzer und Zuführung für die Faltschachteln sind nahe aneinander platziert, was die Arbeit zusätzlich erleichtert. Alle Faltschachteln öffnet die Anlage durch einen Gegensaugkopf – das vermeidet Störungen, verursacht durch ‚tote‘ Faltschachteln. Dies führt zu einem sicheren Verarbeiten aller gängigen Materialqualitäten, vermeidet Produkt- und Packmaterialverlust und minimiert die Stillstandszeiten. Die Beipackzettel transportieren mechanische Greifer positionsgerecht und platzieren sie in Kartons.

Erhöhter Durchsatz, verbesserte Konformität
Die maßgeschneiderte Lösung ermöglichte dem Produzenten nicht nur das Abfüllen und Verpacken von drei verschiedenen Produkten mit unterschiedlichen Verpackungsformaten. Zusätzlich konnte er die Produktionsgeschwindigkeit von 100 auf 140 Flaschen/min mit Größen von 10 und 15 mm erhöhen. Für 100-mm-Flaschen konnte er die Ausbringung auf 120 Flaschen/min steigern. Darüber hinaus ermöglicht die Anlage durch den optimierten Flaschenreinigungsprozess jährliche Energieeinsparungen in Höhe von 60.000 USD und verbesserte die Einhaltung der Good Manufacturing Practice und der HSE-Compliance im Bereich der Flüssigabfüllung. Und nicht zuletzt verzeichnete der Pharmakonzern qualitative Verbesserungen im Hinblick auf die Lieferflexibilität bei Bestellungen von größeren Mengen. „Die Ergebnisse sprechen für sich und wir streben mit Bosch eine langfristige Partnerschaft an, um unser Geschäft in Ägypten und darüber hinaus zu erweitern“, resümiert Galal.

Einen Link zum Unternehmen finden Sie hier.

Weitere Beiträge rund um das Thema Abfüllen können Sie hier lesen.

Heftausgabe: November 2014
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Kamel Meherzi, Regional Sales Manager bei Bosch

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Kamel Meherzi, Regional Sales Manager bei Bosch
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