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Flux stellt Geräte für Lebensmittelanwendungen auf neue EU-Verordnung um

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20.03.2012 Für Kunststoffe, die im Kontakt mit Lebensmitteln eingesetzt werden, gilt seit 2011 eine neue EU-Verordnung. Der Pumpenspezialist Flux-Geräte hat bereits darauf reagiert und stellt zur Anuga Foodtec eine neue Gerätelinie vor. Und auch die Restlosentleerung von Fässern mit hochviskosen Stoffen wird nun mobil.

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Glas und Gabel und der Zusatz „for food contact“ – mit diesem einfachen Symbol werden nach der Verordnung 1935/2004 der europäischen Union Bedarfsgegenstände gekennzeichnet, die mit Lebensmitteln in Kontakt kommen dürfen. Dies sind längst nicht nur Plastikgeschirr oder Kunststoffschalen für Fertiggerichte. Auch in den Produktionsprozessen kommen zahlreiche Maschinen und Komponenten in unterschiedlichen Werkstoffe zum Einsatz – neben Edelstahl auch die verschiedensten Elastomere und Kunststoffe. Insbesondere für letztere hat sich im vergangen Jahr der rechtliche Rahmen verändert: Seit 1. Mai 2011 gilt die Verordnung (EU) Nr. 10/2011, die neue Anforderungen an Bedarfsgegenstände aus Kunststoff im Lebensmittelkontakt formuliert.

Ein wesentlicher Aspekt beim Kontakt zwischen Kunststoffen und Lebensmitteln ist der mögliche Übergang von potenziell gesundheitsschädlichen Inhaltsstoffen der Kunststoffe auf die Lebensmittel (Migration). Die Gefährdung geht dabei weniger von den hochmolekularen Kunststoffen selbst aus, sondern vielmehr von unvollständig umgesetzten Ausgangsstoffen (Monomere) oder aber von Zusatzstoffen wie zum Beispiel Weichmachern. In der neuen Verordnung wurden nun neue Festlegungen getroffen, wie solche Migrationsprüfungen durchzuführen sind und welche Stoffe (Simulanzien) dafür zum Einsatz kommen sollen.

Die Crux dabei: Methoden und Stoffe sind nicht identisch mit den von der US-Gesundheitsbehörde FDA genannten. Das bedeutet, die Aussage „FDA-konform“ hilft europäischen Anbietern und Anwendern von Materialien, die im Kontakt zu Lebensmitteln eingesetzt werden, nur bedingt. „Die Schwierigkeit besteht darin, dass Stoffe und Chemikalien in den USA von Experten anders beurteilt werden, als von den Fachleuten in Europa“, erläutert
Dr. Jörg Dassow, Vertriebsleiter beim Pumpenhersteller Flux-Geräte, im Interview mit Pharma+Food. Der Hersteller hat sich mit dem Thema auseinandergesetzt und will bereits zur Messe Anuga Foodtec im Frühjahr 2012 eine neue Geräteserie (Flux Food) vorstellen, deren Kunststoff-Bauteile bereits die in der neuen Verordnung definierten Kriterien berücksichtigen. „Um das Glas-Gabel-Symbol verwenden zu können, reicht ein 3A-Zertifikat oder die FDA-Konformität nicht aus“, konkretisiert Dassow. Zu den neu unter „Flux Food“ vorgestellten Geräten gehören die Fass- und Containerpumpen
FP 427 S Food und FP 430 S Food sowie die Exzenterschneckenpumpen F 560 S Food (Flanschausführung) und F 560 GS Food (Getriebeausführung) – alle in Edelstahl.

Fördersystem für hochviskose Stoffe wird mobil

Ebenfalls zur Lebensmittel-Technikmesse in Köln zeigt das Unternehmen erstmals ein fahrbares Fördersystem für hochviskose Medien, mit dem sich Behälter wie zum Beispiel Fässer nahezu restlos entleeren lassen. Das „Viscoflux mobile“ genannte Gerät basiert auf demselben Prinzip wie das bereits 2005 vorgestellte und in 2011 weiterentwickelte Fassentleerungssystem Viscoflux: Dabei werden Substanzen ohne eigenes Fließverhalten mit Exzenterschneckenpumpen gefördert: Das von der Pumpe verdrängte Material erzeugt in einem Fass einen Unterdruck, durch den eine Nachfolgeplatte nach unten gezogen wird, die das Fördergut durch ihre Dichtlippe am Rand hermetisch abschließt.

Die neue mobile Variante basiert auf einem fahrbaren Hubgerät sowie einer Einheit aus Motor, Pumpe und Nachfolgeplatte. Letztere kann je nach Anwendung und Behältergeometrie ausgelegt werden. Neben der Industrie-Ausführung gibt es die Variante „Pharma Food Cosmetic“, mit der hochviskose Medien, darunter Cremes, Salbengrundlagen, Tomatenmark, pastöse Gewürzzubereitungen oder Fruchtmus gefördert werden. Die Pumpeneinheit, bestehend aus Motor, Pumpe und Nachfolgeplatte, kann schnell demontiert und leicht gereinigt werden. Durch die kompakte Bauweise des fahrbaren Hubgeräts kann das System auch via Fahrstuhl zu einem Waschplatz gefahren werden.

Im Förderbetrieb stellt die flexible Dichtlippe sicher, dass nahezu nichts an der Behälterwand zurückbleibt – das Fass wird laut Hersteller unter ein Prozent Restmenge (bei Aseptic Bags bis unter zwei Prozent) entleert. Dadurch erübrigt sich häufig die sonst notwendige und kostspielige Nachreinigung der Fässer von Hand. Da die Nachfolgeplatte den Inhalt hermetisch abschließt, sind auch Teilentleerungen und Förderunterbrechungen möglich.

Beim Hubssystem dominiert der Werkstoff Edelstahl. So werden beispielsweise auch bei den Rädern Lagerkomponenten aus Edelstahl eingesetzt. Dadurch wird vermieden, dass aggressive Reinigungsmittel zu Korrosion und entsprechenden Schmutzrückständen führen können. Eine weitere Besonderheit ist die anwendungsspezifisch auslegbare Nachfolgeplatte, die durch den beim Fördervorgang entstehenden Unterdruck dicht auf dem Produkt aufliegt. In der Variante mit Doppellippe können so auch konische Fässer mit Aseptic Bags entleert werden. Das System wird für den Pharma-, Lebensmittel- und Kosmetikbereich mit einem Durchmesser von 560 und 571 mm sowie für konische Fässer mit einem Durchmesser von 550 mm oben und 515 mm unten angeboten.[AS]

 

Interview mit Dr. Jörg Dassow, Flux-Geräte

„FDA- und 3A-Zertifikate reichen nicht mehr“

P+F: Was hat sich durch die EU-Verordnung 20/2011 für Werkstoffe im Lebensmitteleinsatz geändert?

Dassow: Die Verordnung adressiert ja grundsätzlich das Phänomen, dass gesundheitsschädliche Inhaltsstoffe der eingesetzten Kunststoffe in Lebensmittel wandern können. Die Verordnung Nr. 10/2011 als Einzelmaßnahme im Sinne der Verordnung 1935/2004 fasst eine ganze Reihe von bisher geltenden Richtlinien zusammen. Darüber hinaus ergänzt und aktualisiert sie die Anforderungen an Bedarfsgegenstände aus Kunststoff im Lebensmittelkontakt. Sowohl die Stoffliste als auch die Prüfmethodik für die Migrationsprüfung sind nun in einer Verordnung festgeschrieben. Für uns als Pumpenhersteller bedeutet dies, dass wir verschiedenste Messungen mit Lebensmittelsimulanzien für Medien durchführen mussten, die im Lebensmittelbereich eine Rolle spielen können.

P+F: Bislang wird auch hierzulande meist nur von FDA-Konformität gesprochen. Welche Rolle spielt die neue Verordnung?

Dassow: Die Verordnung 10/2011 hat allgemeine Geltung, ist in allen ihren Teilen verbindlich und gilt unmittelbar in jedem Mitgliedstaat der EU. Es ist ein weit verbreiteter Irrtum, dass innerhalb der EU „FDA-Konformität“ ausreicht. Wahrscheinlich auch deshalb, weil von Kunden in diesem Zusammenhang noch kaum die Konformität zur aktuellen EU-Verordnung gefordert wurde. Aber das wird sich unserer Meinung nach mit der Zeit weiter ändern. Viele sind davon ausgegangen, dass die FDA-Konformität ausreicht oder wollten von ihren Herstellern die Aussage „physiologisch unbedenklich“ haben. Das gibt es nach wie vor. Aber durch die Verordnung, die in ihrer aktuellen Fassung Anfang des Jahres in Kraft getreten ist, sind die Anforderungen noch einmal deutlich stärker ins Bewusstsein der Beteiligten geraten und man kann das nicht mehr ignorieren.

P+F: Ist die neue EU-Verordnung also schärfer als die FDA Anforderungen?

Dassow: Nein. Sie ist nur anders. Die Schwierigkeit besteht darin, dass Stoffe und Chemikalien in den USA von Experten anders beurteilt werden, als von den Fachleuten in Europa. Die neue EU-Verordnung betrifft lediglich Kunststoffe – daneben gibt es ja auch noch weitere Werkstoffe wie zum Beispiel Elastomere. Und ich weiß, dass auch Dichtungshersteller heilfroh wären, wenn es weltweit eine einzige Liste mit den erlaubten Zusatzstoffen gäbe. Leider gibt es diese aber bisher nicht.

P+F: Wie werden Sie die neuen Anforderungen im Produktprogramm umsetzen und dokumentieren?

Dassow: In der EU werden Bedarfsgegenstände, die mit Lebensmitteln in Berührung kommen dürfen, mit dem Glas-Gabel-Symbol gekennzeichnet. Allerdings
reichen FDA- und 3A-Zertifikate hier nicht aus, um dieses Label nutzen zu dürfen! Hierfür sind Analysen für Kunststoffteile nach der Methodik, die in der Verordnung EU 10/2011 beschrieben sind, notwendig. Für andere Werkstoffe gelten EU-Richtlinien, die auch eingehalten werden müssen. Alle Geräte, die wir ab sofort unter der Bezeichnung „Flux Food“ führen, erfüllen diese Anforderungen.

Anuga FoodTec 2012
Halle 5.1 – A 090

 

Heftausgabe: März 2012

Über den Autor

Armin Scheuermann, Redaktion
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