Bier aus Bag-in-box-Verpackungen statt aus dem Keg

Frisch Gezapftes aus dem Beutel

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05.09.2016 Bier aus Plastikbeuteln – schmeckt das überhaupt? Der Selbstversuch überzeugt: Das frisch gezapfte Ankerbräu ist einwandfrei und spritzig. Und ein Blick unter die Theke offenbart auch dem Skeptiker:

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Entscheider-Facts für Betreiber

  • Bag-in-box-Systeme für Getränke sind weitverbreitet. Es gibt sie für Wein, Fruchtsaft und Erfrischungsgetränke. Kohlensäurehaltiges Bier dagegen zapft der Wirt in der Regel aus Kegs.
  • Das könnte sich bald ändern. Mit einem neuartigen System gelang dem Anbieter eine Beer-in-box-Kombination, mit der sich Bier in Beutel abfüllen lässt.
  • Mit der Einweg-Verpackung können Betreiber flexibler auf Marktbedingungen reagieren und dabei Kosten in der Logistik als auch in der Lagerhaltung sparen.
Frisch Gezapftes aus dem Beutel

(Bild: ©-karepa)

Tatsächlich steht hier eine einfache Pappschachtel mit einem Innenleben aus Kunststoff, ganz so wie sie beispielsweise bei Wein, im Gastronomiebereich auch von Fruchtsäften etc. zum Einsatz kommt. Beer-in-Box nennt Florian Koch das System. Er ist einer der Väter der Idee und heute Geschäftsführer der Firma Carbotek Systems aus Nördlingen. Seit 2006 arbeitet er daran, das Bag-in-box-System auch für kohlensäurehaltige Getränke einsetzen zu können. Und kann mittlerweile Vollzug vermelden. Ergebnis ist die Beer-in-Box-Zapfstelle Marke Carbotek, in der eine Xylem-Pumpe des Typs Flojet G55 verbaut ist.

Frisch Gezapftes aus dem Beutel

Statt in den üblichen Kegs können Brauer ihr Bier nun auch in einer Beutellösung verschiffen. (Bild: Xylem)

Entgastes Bier für die Reise nach Übersee
Das Carbotek-System mit der „pneumatisch gesteuerten Inline-Carbonisierung“, wie sie der gelernte Brauer Koch nennt, ist nun seit 2009 auf dem Markt. Einer der ersten großen Anwender war Tui Cruises, die auf einem ihrer Kreuzfahrtschiffe Mein Schiff die Beer-in-box-Technologie einführte. In den Ausschank kam Ankerbräu. Denn in der mittelständischen Brauerei im Süden Deutschlands entstand die Idee, man wollte stärker in den Export einsteigen – und suchte nach einer Möglichkeit, auch in Märkte auszuführen, bei denen das Rücknahmesystem mit wiederverwendbaren Kegs hemmend wirkte. Koch, damals Mitglied in der Geschäftsleitung der Ankerbräu, blickt zurück: „Das allererste Mal dachten wir darüber nach, als im heißen Sommer 2003 ein Engpass an Kegs entstand. Nur für die Absatz-Spitzenmonate hätten wir eine ordentliche Menge der wiederbefüllbaren Behälter auf Lager legen müssen. Im Rest des Jahres wäre das totes Kapital.“ 2006 schließlich begannen Koch und der damalige Braumeister Fischer mit der Entwicklung eines flexiblen Einweg-Systems, das sich für die Exportambitionen der Brauerei eignen würde. Sie wollten das Bier entgasen – und schließlich wieder Kohlendioxid in der Schankanlage zusetzen. Das klingt einfacher als es ist. Denn nicht nur die Technik zum Zapfen des Bieres musste ebenso leicht zu handhaben und zu reinigen sein wie übliche Schankanlagen-Systeme, sondern auch die Produktionsanlagen für die Brauereien sowie das Verpackungsequipment. Koch trieb die Entwicklung des Bag-in-box-Systems voran und konnte seine Prototypen dann sofort mithilfe der heimischen Brauerei testen: Die Entkarbonisierung, die sich an den traditionellen Brauprozess anschließt, eine Pasteurisiereinheit und das Abfüllsystem in 25-l-Bag-in-box-Behälter. Und vor allem die Akzeptanz der Brauerei-Kunden.

Heftausgabe: September 2016
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Über den Autor

Dr. Ulla Reutner, freie Fachjournalistin für Xylem
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