Markt

Gesundheitsmarkt der BRIC-Staaten wächst langsamer als gedacht

06.06.2013 Unternehmen im Gesundheitswesen, die in neue Märkte wie etwa Brasilien, Russland, Indien und China (BRIC) expandieren, müssen derzeit erkennen, dass diese Märkte ein verlangsamtes Wachstum zeigen. Dies ist ein Ergebnis einer Studie der Unternehmensberatung Frost & Sullivan.

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Neben einem verlangsamten Wachstum der Gesundheitsmärkte in den BRIC-Staaten reagieren die jeweiligen Staaten mit jeweils unterschiedlichen Mitteln gegen wachsende Importe (Bild: Mara Zemgaliete-Fotolia)

Zudem reagieren die betreffenden Länder mit jeweils unterschiedlichen Mitteln gegen wachsende Importe. Die Herausforderungen erweisen sich angesichts der aktuellen Gegebenheiten im Gesundheitswesen als besonders schwierig, vor allem in den Vereinigten Staaten. Die Unternehmen müssen den Dialog zu den BRIC-Staaten ändern, da es nunmehr vordringlich darum geht, Werte zu schaffen, sich auf die Bedürfnisse vor Ort einzustellen und regionale Partnerschaften einzurichten, um ein nachhaltiges Geschäftsmodell aufzubauen.

„Während die entwickelten Volkswirtschaften weltweit mit Kostenreduzierungen, riesigen Haushaltsdefiziten und gedämpftem Wachstum zu kämpfen haben, expandieren die BRIC-Staaten außerordentlich schnell und treiben die Weltwirtschaft an“, sagte Frost & Sullivan-Partnerin Reenita Das kürzlich in einer Webkonferenz. Frau Das führte weiterhin aus: „Obwohl Schwellenländer oft als Königsweg für Unternehmen im Gesundheitswesen angepriesen werden, haben kürzlich erlassene Schutzgesetze und harte Konkurrenz durch Generika der Attraktivität von Ländern wie etwa Indien und China einen Dämpfer versetzt. Deshalb sind einige Akteure der Meinung, dass sie nicht mehr das ‚Gelobte Land‘ sind, das sie einmal waren.“

„Derzeit werden Bedürfnisse oftmals übersehen, oder Investitionen in diesen minderausgestatteten Bereichen sind ungenügend“, erklärte Frau Das. „Beispielsweise ist das Ausbildungs- und Weiterbildungsniveau von Ärzten in den BRIC-Staaten, vor allem abseits der Tier-1-Städte, oft viel niedriger als das der Ärzte in reifen Märkten. Eine weitere Schwachstelle ist der Mangel an Partnerschaften mit lokalen Regierungen, NGOs und anderen Handelsorganisationen. Dies ist in der Tat ein sehr wichtiger Aspekt und demonstriert Regierungen das Maß an Engagement, das Unternehmen bereit sind zu investieren.“

Insgesamt verzeichnet der Markt ein verlangsamtes Wachstum. Die ungünstigen Entwicklungen werden dadurch verstärkt, dass die Branche eine sich ändernde Haltung seitens der regionalen BRIC-Regierungen wahrnimmt, die für zusätzliche Verwirrung sorgt. So wurden in Indien Preissenkungen eingeführt, um den Patienten Medikamente oder Geräte (beispielsweise Stents) leichter zugänglich zu machen. China plant, ein beschleunigtes Genehmigungsverfahren für neue Medikamente einzuführen, das Firmen ausschließen könnte, die keine klinischen Studien im Land durchgeführt haben. In der Zwischenzeit hat Russland vorgeschlagen, den staatlichen Ankauf von ausländischen Arzneimitteln zu begrenzen, und Brasilien hat höhere Einfuhrzölle zur Förderung der lokalen Industrie eingeführt. Diese Trends vermitteln den Eindruck, dass der Protektionismus und die Kontrolle durch den Staat verschärft werden – und es ist davon auszugehen, dass weitere Maßnahmen folgen werden.

„Der Erfolg in der Region wird weniger über billige aufstrebende Märkte stattfinden als vielmehr über die Vorgehensweise der Unternehmen, um das Wachstum in diesen vorwärts drängenden Märkten zu erfassen“, stellte Frau Das fest. „Es gibt eine echte Chance für die Branche, in den aufstrebenden Märkten innovativ zu sein, indem sie disruptive Technologien nutzt und ein neues Geschäftsmodell entwickelt, das potenziell auch eine wichtige Option für den Einsatz in der entwickelten Welt sein könnte.“

Frau Das schloss mit der Folgerung: „Man kann sehr deutlich erkennen, dass wir die Strategien für die Schwellenländer überdenken und einen neuen Kurs in der Dialogführung einschlagen müssen. Wir dürfen sie nicht länger als ein Volumengeschäft im Sinne der enormen Patientenzahlen und demografischen Größen betrachten – sondern wir sollten vielmehr herausfinden, wo wir Werte schöpfen können, um uns den Zugang zu erschließen, der zur Befriedigung der Nachfrage benötigt ist.“

Weblink zum Thema
Die englischsprachige Präsentation von Frost & Sullivan mit dem Titel ‘Is BRIC the Savior for the Life Sciences and Medical Devices Sector?‘ (30 Seiten) ist hier abrufbar.

(dw)

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