Wie Etiketten migrationssicher werden

Haftet – und bleibt da

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08.11.2017 In der Pharmaindustrie sind sichere Kennzeichnung und Rückverfolgbarkeit essentiell. Aktuell stellen immer mehr Pharmahersteller von Glas- auf Kunststoffbehälter um, die häufig keine funktionelle Barriere-Eigenschaft haben.

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Entscheider-Facts für Betreiber

  • Kennzeichnungen sind gerade im Pharmabereich unverzichtbar. Bei Glas- und Kunststoffbehältern kommen dabei häufig Etiketten zum Einsatz.
  • Die hierfür eingesetzten Klebstoffe stellen Betreiber allerdings häufig vor Probleme: Entweder die Haftung ist nicht ausreichend, oder es droht Migration durch den Kunststoff in das Arzneimittel.
  • Mit der im Beitrag vorgestellten Mehrschichttechnologie hat der Hersteller nun eine Lösung im Angebot, durch die Anwender keine Kompromisse mehr eingehen müssen.
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Etiketten sind wichtige Instrumente zum Kennzeichnen, können aber auch zu Problemen führen.
(Bild: Herma)

Daher steigt das Migrationsrisiko in Bezug auf den Etikettenhaftkleber enorm. In der Regel sind es Harze und Öle beziehungsweise Weichmacher und Additive, die migrieren. Diese Stoffe sind fett- und alkohollöslich und können daher „wandern“, wo immer sie mit fett- oder alkoholhaltigen Produkten in Berührung kommen. Bisher galt: je migrationsärmer das Etikett, desto schlechter die Haftungseigenschaften – und umgekehrt. Die Mehrschichttechnologie bietet nun die Möglichkeit, Etiketten deutlich migrationssicherer zu machen, ohne dass die Haftqualität darunter leidet.

 

Bisheriger Stand der Dinge

Für Etiketten kommen in der Regel zwei Typen von Haftklebstoffen zum Einsatz: acrylatbasierende Haftklebstoffe, zu denen auch Dispersions-Haftkleber gehören, und kautschukbasierende Schmelz-Haftklebstoffe, auch Hotmelts genannt, kurz HM-PSA. Letztere bestehen zu 30 bis 50 % aus Kautschuk, zu 30 bis 50 % aus Harzen und zu 20 bis 40 % aus Ölen beziehungsweise Weichmachern. Dazu kommen noch Stabilisatoren. Öle und Weichmacher haben ebenso wie Harze ein sehr geringes Molekulargewicht – bis zu 70 % der Anteile sind bei HM-PSA somit migrationsfähig. Besser sieht es bei acrylatbasierenden Haftklebstoffen (WB-PSA) aus: Sie bestehen zu 70 bis 100 % aus Acrylatpolymeren, die aufgrund ihres hohen Molekulargewichts nicht migrationsfähig sind. Dazu kommen ein bis zu 30-%iger Harz-Anteil sowie geringe Mengen Emulgatoren und Hilfsmittel. Bei WB-PSA sind also maximal 30 % der Inhaltsstoffe „migrationsgeeignet“. Nach Einschätzung der Kennzeichnungsspezialisten von Herma können damit überhaupt nur acrylatbasierende Haftklebstoffe eine Empfehlung für direkten Kontakt mit fett- oder alkoholhaltigen Arzneimitteln bekommen. Aber beruhigend wäre es trotzdem, wenn sie sich noch migrationsärmer gestalten ließen, damit Betreiber Grenzwerte problemlos einhalten können.

Kompromissbehaftete Lösung

Um einen WB-PSA migrationsärmer zu machen, wäre es theoretisch möglich, einfach den Harz-Anteil zu senken – doch Harze werden zur Haftungsverbesserung auf unpolaren Oberflächen wie etwa Verpackungsfolien benötigt. Acrylatbasierende Haftklebestoffe ohne Harze haften auf vielen Oberflächen, aber die Anfangshaftung und die Endhaftung vor allem auf Folien sind sehr oft nicht ausreichend. Sie kommen deshalb nur zum Einsatz, wenn die geringe Haftung gewünscht oder erforderlich ist, oder aber, wenn zwingend besonders migrationsarme Haftklebstoffe verlangt werden. Das heißt, Produzenten und Verwender von Etiketten standen hier bisher vor einem Dilemma: Je migrationsärmer das Etikett wurde, desto schlechter wurden die Haftungseigenschaften. Und gerade das war für Produkte wie Arzneimittel, wo sichere Kennzeichnung und Rückverfolgbarkeit essentiell sind, keine befriedigende Lösung.

Heftausgabe: November 2017
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Dr. Ulli Nägele, Leiter Entwicklung und Anwendungstechnik Haftmaterial, Herma

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Dr. Ulli Nägele, Leiter Entwicklung und Anwendungstechnik Haftmaterial, Herma
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