Neues Logistikzentrum für Pharmadistributor

In Rekordzeit

04.10.2007 Europas führender Pharmadistributor, Gehe Pharmahandel, vertraute bei Ausstattung und Prozessautomatisierung seiner 20. Niederlassung in Deutschland auf modernste Kommissionier- und Fördertechnik eines System- und Komponentenherstellers für Lager- und Logistikaufgaben. Kern des Distributionszentrums bildet das automatische Kommissioniersystem K-Pemat. Die Realisierung des Distributionszentrums war in nur 100 Tagen abgeschlossen.

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Mit einer generalstabsmäßig geplanten Realisierung hat ein Lagertechnikhersteller die 20. deutsche Niederlassung von Europas führenden Pharmadistributor innerhalb von nur 100 Tagen in ein leistungsstarkes Distributionszentrum verwandelt. Seit Jahresanfang ist das schwäbische Günzburg nun ein weiterer Knotenpunkt im flächendeckenden Distributionsnetz der Gehe Pharmahandel, einem Tochterunternehmen der Celesio Healthcare Group, Stuttgart. „Bei diesem Hersteller können wir seit Jahren auf moderne Produkte und zuverlässige Projektrealisierung vertrauen“, erklärt Turan Karakaya, zuständiger Gehe-Bereichsleiter Organisation und Logistik. „Die gute Zusammenarbeit konnte sich bei diesem zeitlich sehr anspruchsvollen Projekt besonders bewähren.“

Zeitplan war die größteHerausforderung

Mit fast 36000 Mitarbeitern in ganz Europa und einem Umsatz von etwa 21,6Mrd. Euro pro Jahr ist die Unternehmensgruppe Celesio Europas Marktführer in der Pharmadistribution. Die Kernkompetenzen liegen in Logistik-, Service- und Beratungsleistungen für Apotheker. So beliefert der Pharmagroßhändler über ein flächendeckendes Distributionsnetz in elf Ländern Europas 135 Großhandelsniederlassungen sowie rund 40000 Apotheken bis zu fünfmal am Tag mit allem, was Apotheken brauchen. Für die Arzneimittelversorgung der Bevölkerung sorgt Celesio zudem als Pharma-Einzelhändler mit fast 2100 eigenen Apotheken in Großbritannien, Norwegen, Italien, Irland, den Niederlanden, Belgien und Tschechien.

Über den Standort der neuen Niederlassung nahe der Stuttgarter Zentrale herrschte aus Wettbewerbsgründen bis zum Abschluss des Projektes absolutes Stillschweigen. Umso größer die Herausforderungen für die Planer. „Eine Frist von 100 Tagen für ein Projekt, von dem man nur wenige Rahmendaten kennt, das war für das Projektmanagement spannend“, so der zuständige Projektleiter. Innerhalb von einer Woche wurde die Grundplanung für das 4500m2 große Zentrum mit nahezu 100000 Artikeln abgeschlossen. Die Besonderheit: Neben der umfassenden Fördertechnik wollte Gehe zur Einlagerung und Kommissionierung der mittelschnell drehenden B-Artikel in dem neuen Distributionszentrum einen so genannten K-Pemat installieren, der seine Leistungsstärke bereits an einem anderen Standort unter Beweis gestellt hatte. Mit ihrer speziellen Konzeption und einer Auswurftechnik bieten die modularen Kommissionierautomaten für B-Artikel nicht nur eine effiziente Raumnutzung, sondern auch eine vollständige Automatisierung der Kommissionierprozesse. „Aufgrund des Zeitdrucks erfolgten der Abbau des K-Pematen und der Aufbau der neuen Anlage parallel“, so Karakaya. „Schließlich konnte das Distributionszentrum fristgerecht in Betrieb gehen.“

Kommissionierprozesse laufenweitgehend automatisch

Seit Jahresbeginn arbeitet das neue Gehe-Distributionszentrum in Günzburg im Vollbetrieb. Die Anlage besteht aus 2 x 15 Modulen mit jeweils 260 Kanälen. Insgesamt stehen fast 8000 Kanäle von jeweils 2,50m Länge für eine Beladung zur Verfügung. Die durchschnittliche Vorhaltemenge liegt bei 975Artikeln/m2, das maximale Produktgewicht bei 250g. „Eine kleine, aber feine und leistungsstarke Anlage“, urteilt der Projektleiter.

Die Kommissionierprozesse laufen weitgehend automatisch. Nach einer automatischen Entstapelung der Leerbehälter wird die Kommissionierung vom Lagerverwaltungssystem angestoßen. Dazu kommuniziert der Host, in dem die Stammdaten – Kunden, Produkte, Aufträge etc. – verwaltet werden, mit den Lagerrechnern im Master-Slave-Verhältnis. Die Lagerrechner verarbeiten die vom Host gelieferten Daten und übertragen diese an die untergeordneten Prozessrechner. Die vereinzelten Transportbehälter sind jeweils mit Barcodes versehen. Eine Förderstrecke führt die Behälter zum K-Pemat, wobei die vom Host vergebenen Auftragsnummern an einer automatischen Auftragsverknüpfung durch Scannen den einzelnen Behältern zugeordnet werden.
Beim Durchlauf einer automatischen Druckerstation erfolgen Druck und Beigabe von Rechnungs- und Kommissionierbelegen. Im weiteren Streckenverlauf erfolgen Gewichtserfassungen der Behälter. Darüber hinaus lesen Scanner die Barcodes der Behälter ein und übermitteln die Daten an den zuständigen Stationsrechner. Dieser gleicht dann die Daten mit den Auftragsdaten ab und meldet die Behälter beim K-Pematen zur Befüllung an. Bei ihrer Einfahrt in die Befüllstation werden die Barcodes der Behälter kontrollgescannt.
Unterdessen werden die für den gemeldeten Behälter benötigten Artikel im K-Pemat ausgelagert und auf einem integrierten Leistungs-Shutter bereitgestellt. Sobald sich die Behälter in der Übergabeposition befinden, werden die Artikel vom Leistungs-Shutter frei gegeben und fallen in die Behälter. Bei kleinen Behältern erfolgt dies mit Hilfe eines speziellen Seiten-Shutters, der bis an die Behälteroberkante ausgefahren wird. Wenn der Leistungs-Shutter abschließend wieder frei ist, fördert das System die Artikel für den nächsten gemeldeten Auftrag zum Befüllpunkt nach. Ab einer gewissen Anzahl von Artikeln wird beim Beladen darüber hinaus automatisch ein Rüttler aktiviert, der die Artikel gleichmäßig im Behälter verteilt. Nach Beendigung des automatischen Befüllvorganges werden die Behälter für den weiteren Transport frei gegeben.

Kommissioniervorgang dauertnur 30 min

Anschließend durchlaufen die Behälter gegebenenfalls einen Manual-Kreisel, wo weitere Artikel beigelegt werden, sowie eine Kontrollstation, von der über Gewichtserfassung die ordnungsgemäße Auftragszusammenstellung geprüft wird. Behälter mit Gewichtsdifferenz werden zur Kontrolle ausgesteuert. Auf einer parallelen Förderstrecke gelangen die Behälter über eine Laschenkennung und angeschlossener Behälterdrehung an eine Adressbeigabe-Station. Dabei werden die Behälter zunächst so positioniert, dass die stirnseitig angebrachte Behälterlasche nach vorn auf den Scanner ausgerichtet ist. Anschließend erfolgt erneut der Scannvorgang, dann wird die auftragsbezogene Adresse gedruckt und automatisch in die Lasche gegeben. Letzte Stationen schließlich sind die automatische Behälterdeckelung und die Schnürmaschine, die die Behälter transportgerecht verschließen. Anschließend erfolgt die Übergabe an die Versandstation. Der gesamte Kommissioniervorgang ist innerhalb von 30min zwischen Auftragseingang bis zur Übergabe an die Versandstation abgeschlossen.

Hohe Lieferqualität, automatisierte Kommissionierung mit optimaler Raumausnutzung, verringerte Lagerhaltungskosten und Flexibilität für weitere Ausbauoptionen – für Gehe Pharmahandel haben sich Konzeption des Distributionslagers und Einbindung eines K-Pematen schnell gerechnet. „Neben der schnellen Projektrealisierung standen für uns die Verfügbarkeit und Funktionalität der Anlage auch bei diesem Projekt im Vordergrund“, resümiert Gehe-Bereichsleiter Karakaya. „Unsere Anforderungen wurden gänzlich erfüllt.“

Neben der schnellen Projektrealisierung standen die Verfügbarkeit und die Funktionalität der Anlage im Vordergrund
Eine Fertigstellungsfrist vonlediglich hundert Tagen war für das Projektmanagement eine enorme Herausforderung
Innerhalb von einer Woche wurde die Grundplanung für das 4500m2 große Zentrum abgeschlossen

Heftausgabe: Oktober 2007

Über den Autor

Rainer Buchmann , Geschäftsführer SSI Schäfer Peem
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