Wir helfen, Komplexität zu reduzieren

Interview mit Dr. Christian Dickopf, Managing Director Freudenberg Process Seals

11.10.2013 Sie sind kaum zu sehen, und spielen doch eine entscheidende Rolle: Dichtungen müssen in hygienischen Prozessen der Lebensmittel- und Pharmaindustrie ganz besondere Anforderungen erfüllen. Wenn es dann noch gelingt, durch das Dichtungsdesign Schweißnähte durch lösbare, hygienische Schraubverbindungen zu ersetzen, sind neue Anlagenkonzepte möglich.

Anzeige

Dr. Christian Dickopf, Managing Director Freudenberg Sealing Technologies Process Seals

P+F: Zur Fachmesse Drinktec im September haben Sie für das Unternehmen Freudenberg Sealing Technologies Process Seals die Fokussierung auf die Lebensmittel- und Getränkeindustrie erklärt. Welche Bedeutung haben daneben die Branchen Pharma und Chemie?

Dickopf: Wir sind auf drei Segmente fokussiert: Pharmazie, Chemie und Lebensmittel & Getränke. Zirka zwei Drittel des Umsatzes kommen aus dem Lebensmittelbereich, ein Drittel verteilt sich auf Chemie und Pharmaindustrie. Das heißt aber nicht, dass Pharma und Chemie für uns weniger spannend sind. Ganz im Gegenteil. Wir haben historisch bedingt im Lebensmittelsegment das größte Wachstum verzeichnen können, aber wir wollen jetzt im Pharma- und Chemiebereich überproportional wachsen.

P+F: Wo sehen Sie die Wachstumsmöglichkeiten in der Pharmatechnik?

Dickopf: Wir haben uns in den vergangenen Jahren mit neuen Produkten dafür gut aufgestellt. Zum Beispiel wurden weiße Werkstoffe entwickelt, die für die anspruchsvollen Pharmaanwendungen sehr gut geeignet sind. In der Vergangenheit mussten Anwender beim Einsatz weißer Dichtungswerkstoffe Abstriche bezüglich mechanischer und chemischer Stabilität machen. Unsere neuen weißen Werkstoffe sind den schwarzen nun ebenbürtig.

P+F: Lernt die Pharmaindustrie in Sachen Dichtungstechnik von der Lebensmittelindustrie oder ist das technologisch ein ganz anderes Feld?

Dickopf: Zwei Industrien, die sich derart ähnlich sind, haben natürlich große Gemeinsamkeiten, aber auch Unterschiede. Beide Branchen ergänzen sich gegenseitig.

P+F: Die Lebensmittelindustrie hat hohe Ansprüche an die Anlagenverfügbarkeit, Pharma arbeitet meist in Batches. Findet hier ein Umdenken in Sachen Verfügbarkeit statt?

Dickopf: Das können wir so nicht beobachten. Tendenziell stimmt es, dass die Lebensmittelindustrie höhere Anforderungen an die Standzeit stellt. Aber auch in der Lebensmittelindustrie gibt es vorgeschriebene Wartungszyklen. In der Pharmaindustrie spielt die Maschinenlaufzeit noch keine so große Rolle.

P+F: Vor zehn Jahren ging Freudenberg Process Seals in Richtung „Systempartner“ für Dichtungstechnik für den Anlagenbau. Wie hat sich diese Sichtweise entwickelt?

Dickopf: Wir sind der klassische Dichtungslieferant, der sich auf die Entwicklung und Herstellung hochwertiger Dichtungen konzentriert. Wir haben nicht die Absicht, zum C-Teile-Manager zu werden. Da gibt es andere Unternehmen, die das besser können. Natürlich wollen wir für unsere Kunden der Ansprechpartner für alle Themen der Dichtungstechnik sein. Wir liefern ja nicht nur ein Produkt, sondern können auch ein „Total Sealing Concept“ anbieten, d.h. alle Dichtungen für eine Maschine aus einer Hand liefern. Das hilft dem Kunden, Komplexität zu reduzieren.

P+F: Obwohl Ihr Unternehmen „Freudenberg Process Seals“ heißt, wird als Marke nun „Freudenberg Sealing Technologies Process Seals“ genutzt. Erklären Sie unseren Lesern den Zusammenhang?

Dickopf: Freudenberg Process Seals ist ein eigenständig agierendes Unternehmen innerhalb der Freudenberg Sealing Technologies. Zur Verringerung der Komplexität treten die Vertriebsgesellschaften von Freudenberg Sealing Technologies seit 2013 einheitlich unter der Dachmarke auf. An unserem Geschäftskonzept ändert das aber nichts. Wir sind weiterhin die Spezialisten für die Prozessindustrie.

P+F: Mit der EHEDG-zertifizierten Unterlegscheibe Hygienic Usit haben Sie nun eine Lösung für eine hygienisch unbedenkliche, lösbare Verbindung von Anlagenteilen. Wer profitiert davon in erster Linie?

Dickopf: Zunächst ist das natürlich der Betreiber: Er kann seine Anlagen schneller und einfacher warten, wodurch die Effizienz seiner Maschinen steigt. Für den Anlagenbauer wird genau dies aber auch zu einem Wettbewerbsvorteil, wenn er diese Argumente für seine mit Hygienic Usit-Verbindungen ausgestattete Anlage verwenden kann.

P+F: Auf der anderen Seite muss der Anlagenbauer dafür seine Pläne ändern und kann nicht einfach vorhandene Konstruktionen kopieren.

Dickopf: Der Hygienic Usit eröffnet ganz neue Design-Perspektiven. Es wird eine Zeit dauern, bis die Planer von der traditionellen, geschweißten auf die neue, geschraubte Lösung umgestellt haben. Aber die Argumente sind da – deshalb wird sich nach und nach ein Wettbewerbsdruck aufbauen.

P+F: Auf welche Trends stellen Sie sich für die kommenden Jahre ein?

Dickopf: In der Getränkeindustrie steigt die Vielfalt an Aromen und die Produktpalette wird breiter. Unsere Dichtungen müssen damit zurechtkommen. Auch die Durchsatzmengen werden immer größer, die Drücke steigen, Standzeiten sollen sinken und es wird aggressiver gereinigt. Unsere traditionell deutschen Kunden stellen sich immer globaler auf und wachsen beispielsweise in Südamerika und Asien. Dort werden in Zukunft auch neue Produkte entwickelt werden. Deshalb müssen wir mit unseren Kunden in diesen Regionen wachsen. Wir haben eine gute Abdeckung in Europa und über Freudenberg Sealing Technologies ein weltweites Netzwerk, das es uns ermöglicht, mit dieser Entwicklung Schritt zu halten.

 

Hier geht´s zur Webseite des Herstellers der Hygienic Usit-Scheibe.

Mehr Informationen zu den Spezialschrauben erhalten Sie hier.

 

Heftausgabe: Oktober 2013
Armin Scheuermann, Redaktion

Über den Autor

Armin Scheuermann, Redaktion
Loader-Icon