Der Erfolg liegt im Anderssein

Interview mit Gerhard Schubert, Schubert Verpackungsmaschinen

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26.03.2012 Wer auf dem Verpackungsmaschinenmarkt erfolgreich sein will, muss Trends erkennen und entsprechend reagieren. Zu den Marktführern gehört das Unternehmen Gerhard Schubert Verpackungsmaschinen. Jetzt will Schubert den Sektor Abfülltechnik erobern. Das Transmodul ist hierfür ein wichtiger Baustein. Die Redaktion P+F sprach mit Gerhard Schubert, dem Inhaber und geschäftsführenden Gesellschafter.

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P+F: Eine Ihrer jüngsten Entwicklungen ist das Transmodul.
Wie kam es dazu?

Schubert: Vor zehn Jahren habe ich darüber nachgedacht, wie man den unflexiblen Kettentransporteur durch einen Transportroboter ersetzen kann. Es hat sage und schreibe sieben Jahre gedauert, bis ich letztlich ein klares Bild von einem Transportroboter bekam. Im September 2007 haben wir dem Transportroboter einen Namen gegeben – Transmodul – und mit der Entwicklung angefangen. Zwei Jahre später, im September 2009, konnte man das Transmodul zum ersten Mal auf der Drinktec in München und auf der Fachpack in Nürnberg bestaunen. Transmodule sind die idealen Transporteure für Produkt und Schachteln innerhalb von Verpackungsmaschinen. 100 Jahre haben Konstrukteure nach solch einer Möglichkeit gesucht. Nun gibt es sie, und in die Verpackungsmaschinen ist jetzt Flexibilität eingezogen.

P+F: Verteuert das Transmodul denn die Maschinen?

Schubert: Das Transmodul ist nicht gerade preiswert, aber die Vorteile wiegen die Kosten mehr als auf. Inzwischen haben wir den ersten Auftrag für eine Verpackungsmaschine erhalten, die über eine automatische Formatumstellung verfügt. Das Transmodul ist die Voraussetzung für den automatischen Werkzeugwechsel.

P+F: Wie sieht es mit der Energieeffizienz aus?

Schubert: Das Transmodul hat einen 500-W-Motor, wir stellen ihm aber nur 400 W zur Verfügung. Beim Abbremsen wird elektrische Energie erzeugt, die wir in Kondensatoren speichern, und diese Energie verwenden wir dann wieder bei der nächsten Beschleunigung. Übrigens haben wir inzwischen auch einen Auftrag für eine Verpackungsanlage von Hoffmann La Roche erhalten, auf der wir patientenindividuelle Verpackungen herstellen. Auch dazu ist das Transmodul wie geschaffen. Diese Maschine wird auf der Achema in Frankfurt zu sehen sein.

P+F: Sie steigen jetzt auch in die Abfülltechnik ein?

Schubert: Ja, auf diese Idee hat uns das Transmodul gebracht. Durch das Transmodul lösen wir die altbewährte, aber unflexible Transportechnik bei Abfüllmaschinen ab. Die Vorteile liegen ganz klar in der schnellen Formatumstellung, in der Laufruhe und im geringeren Platzbedarf, denn mit dem Transmodul werden keine Staustrecken benötigt. Die erste Abfüllmaschine, die wir im letzten Jahr geliefert haben, kann Tuben und Flaschen gleichermaßen verarbeiten. Das ist bis heute einmalig.

P+F: Gibt es in Sachen Tubenbefüllung schon einen Anwender?

Schubert: Gibt es. Die erste Tubenfüllmaschine hat ein italienischer Kunde gekauft, und für das Tubenverschließen setzen wir Ultraschall ein. Der Ultraschall arbeitet mit einem kalten Werkzeug. Verunreinigte Siegelnähte haben keinen Einfluss auf die Siegelqualität. Der Siegelprozess dauert nur 200 ms und der Energieverbrauch beträgt 1/16 gegenüber der Heißsiegelung. Worauf wir besonders stolz sind, ist die hohe Leistung unserer Tubenfüllmaschine. Sie kann von 200 bis 1.000 Tuben/min eingesetzt werden.

P+F: Wie wichtig ist für Sie das Thema Flexibilität?

Schubert: Flexibilität hat bei uns erste Priorität, und diese Flexibilität wird auch zunehmend von den Abpackern benötigt. Verpackungsmaschinen müssen so flexibel sein, dass man jederzeit auf die Veränderungen des Marktes reagieren kann. Auch das Thema Nachhaltigkeit fordert seinen Tribut. Wenn man heute eine Verpackungsmaschine anschafft, sollte man diese Anschaffung auf viele Jahre planen und gegebenenfalls eine Verpackungsmaschine auch auf neue Produkte – auf Produkte, die man beim Kauf der Maschine noch nicht berücksichtigen konnte – umstellen können. Das Schubert-System der TLM-Teilmaschinen macht das möglich. Flexibilität erreicht man, wenn man einfache Mechanik, intelligente Steuerung und wechselbare Werkzeuge zum Einsatz bringt. Je mehr Funktionen in der Software einer Maschine ablaufen, desto besser.

P+F: Wo sehen Sie noch Einsparpotenzial?

Schubert: Einsparpotenzial liegt unter anderem auch in der Verlagerung von Funktionen in die Software. Weniger Mechanik, mehr Steuerung ist, wie sich herausgestellt hat, der richtige Weg zu Einsparungen. Zurzeit arbeiten wir an der Entwicklung einer Steuerung, die keinen Schaltschrank mehr benötigt. Das spart Kosten in großem Stil. Jeder Roboter hat seine Steuerung, jede Teilmaschine hat ihren Rechner. Letztendlich läuft es darauf hinaus, dass man nur noch Kabel steckt.

P+F: Sie wollen jetzt auch den Bereich der aseptischen Abfüllmaschinen erobern?

Schubert: Das stimmt, eine Idee habe ich mir auch schon patentieren lassen, und dabei kommt wieder das Transmodul zum Einsatz. Das Transmodul wird mit einer Aseptikwanne bestückt. In der Aseptikwanne wird das Verpackungsmaterial eingesetzt, dann fährt man durch die Sterilisation, durch die Reinraumzone der Verpackungsmaschine zum Abfüllen und Verschließen. Weil das Transmodul ein intelligentes Fahrzeug ist, kann es bei jedem Durchlauf erneut sterilisiert werden. Im Moment ist das nur eine Idee, doch wir arbeiten daran, den Aseptikbereich zu erobern, und ich glaube, die Idee sollte wie eine Bombe einschlagen.

P+F Wie geht es der Firma Schubert heute nach der Krise?

Schubert: Die Krise hat uns – wie viele andere auch – stark getroffen. 2009 lag unser Umsatz bei 118 Mio. Euro, 2010 sank er auf 102 Mio. Euro. 2011 stieg er wieder auf 106 Mio. Euro, und für das Jahr 2012 rechnen wir mit 135 bis 140 Mio. Euro Umsatz. Plus Gruppenumsatz von 80 Mio. Euro wären es dann 215 Mio. Euro.

P+F: Wie erklären Sie sich Ihren Erfolg?

Schubert: Der Erfolg liegt im Anderssein. Wenn ich alles so machen würde, wie es der Wettbewerb macht, wäre ich nicht erfolgreicher als die Konkurrenz. Infolgedessen muss ich Dinge anders machen als die Konkurrenz. Darum kann ich die Netzwerke auch nicht verstehen. Netzwerke sind Gleichmacher. Wenn ich mich mit Kollegen vernetze, kann ich nie besser sein als die Kollegen.[Li.]

Anuga FoodTec 2012
Halle 6.1 – A 066

Heftausgabe: März 2012
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Über den Autor

Birgit Lind, Redaktion
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