Herausforderung angenommen - Trends bei Abfüllanlagen

Interview mit Stefan Kraus, Krones und Uwe Gerasch, Oystar

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03.11.2011 Täglich werden weltweit wohl Millionen und Abermillionen Liter Getränke abgefüllt – Wasser, Softdrinks, Fruchtsäfte usw. Da ist von allergrößter Bedeutung, dass die Abfüllanlagen zuverlässig arbeiten. Was tut sich auf diesem Sektor, wo geht der Trend hin? Die Redaktion hat sich mit Stefan Kraus, Produktmanager Sparte Fülltechnik bei Krones und mit Uwe Gerash, Product Manager FS Technology der Oystar-Gruppe, unterhalten.

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P+F: Welches sind derzeit die wichtigsten technologischen
und Anwendungs-Trends bei Getränke-Abfüllanlagen?

Kraus: Derzeit lassen sich verschiedene Trends für Abfüllanlagen in der Getränkeindustrie beobachten. Drei Tendenzen, auf die sich der Blick immer wieder richtet: Erhöhung der Linienflexibilität, gesteigerte Nachhaltigkeit und höchste Anlagenverfügbarkeit. Ein weiterer Trend, der seit Jahren in der Getränkeindustrie präsent ist und die Technologie bislang stark beeinflusste, ist die Forderung nach schonendem Umgang mit den Getränken, damit dem Endverbraucher die beste Qualität gewährleistet werden kann. Nicht zuletzt wurde dieses Thema sehr stark durch die aseptische Abfüllung sensibler Getränke vorangetrieben.
Gerasch: Der Trend geht eindeutig in den meisten Märkten hin zu kleineren Verpackungen sowie Losgrößen und den damit verbundenen technischen Herausforderungen.

P+F: Inwieweit kann man durch einen noch höheren Automatisierungsgrad die Leistung steigern, oder ist hier schon der höchstmögliche Level erreicht?
Kraus: Betrachtet man die Automatisierung der Abfüllanlagen, stellt man fest, dass bereits ein sehr hoher Level an Automation erreicht ist. Automatisierung ist jedoch in praxi auch ein konstruktives Thema des Maschinebaus. So können Prozessabläufe dahingehend verändert werden, dass zum Beispiel bestimmte manuelle Eingriffe entfallen können.
Gerasch: Der Automatisierungsgrad ist nur ein Teil im Prozess der Leistungssteigerung. Man kann damit sicher noch das eine oder andere halbe Prozent für eine höhere Effizienz herausholen. Aber meiner Ansicht nach liegt deutlich mehr Potenzial in kundenbezogenen Schulungen, in denen Operatoren und Servicepersonal entsprechend trainiert werden.

P+F: Wo sehen Sie beim Abfüllvorgang noch Einsparungspotenzial?
Kraus: Es kann zum Beispiel durch den Einsatz neuer Werkstoffe die Standzeit bestimmter Bauteile signifikant erhöht werden. Modifikationen im Bereich Sterilisationstechnologie senken den Medienverbrauch, und Verbesserungen im Bereich Behälterhandling lassen Rüstzeiten stark zurückgehen. Alles in allem lassen sich in vielen Bereichen Einsparungspotenziale identifizieren und umsetzen.
Gerasch: Beim reinen Abfüllvorgang ist das Einsparungspotenzial meines Erachtens weitestgehend ausgenutzt. Unsere Dosiereinheit bedarf nur einer jährlichen Wartung.

P+F: Wo liegen die derzeitigen Herausforderungen für Ihre
Kunden in der Getränkeindustrie?

Kraus: Herausforderungen, die sich für die Getränkeindustrie ergeben, sind sehr stark an die Charakteristika des jeweiligen Marktes gebunden. So steht im asiatischen Raum beispielsweise die hohe kontinuierliche Leistung der Anlage im Fokus, während in Mitteleuropa eine Anlage hohe Formatflexibilität aufweisen muss.
Gerasch: Neben den beinahe alltäglichen Anforderungen, mit zumindest gleichbleibender Qualität kostengünstigst zu produzieren, müssen sich die Kunden auch einer nicht kleiner werdenden Konkurrenz erwehren und dabei gleichzeitig versuchen, sich von dieser abzuheben und die Weichen für die Zukunft zu stellen. Technologische Flexibilität ist dabei für die Kunden von besonderem Interesse. Es sind kleinere, flexible Abfüllanlagen gewünscht, die häufige Produktwechsel ermöglichen.

P+F: Wie lassen sich Flexibilität sowie Genauigkeit und Verfügbarkeit des Abfüllvorgangs steigern, kurz der Prozess optimieren?
Kraus: Steigerung der Flexibilität, Verfügbarkeit und Genauigkeit resultieren herstellerseitig aus Technologie, Qualität und Know-how. Die Anlagenoptimierung soll ein stetiger Prozess sein, der das Produkt über seinen gesamten Lebenszyklus begleitet. Anwenderseitig kann eine Optimierung des Prozesses durch gut ausgebildete Maschinenbediener, qualitativ hochwertige Maschinen und eingesetzte Materialien – PET, Verschlüsse, etc. – erfolgen.
Gerasch: Eine positive Entwicklung dieser Faktoren wird im Wesentlichen beeinflusst von einer ausgereiften Maschinentechnologie, einem guten Maschinenumfeld und last bot not least von den Menschen, die damit arbeiten; durch die Möglichkeit, die Flaschen im einstufigen Verfahren direkt vom Granulat zu erzeugen sowie durch kleine flexible Abfüllmaschinen. Ebenso ist die Optimierung der Produktwechsel unter Sterilbedingungen ein entscheidender Punkt.

P+F: Welche Bedeutung haben F&E sowie Service bzw. After-
Sales-Service heute? Wird deren Stellenwert steigen?

Kraus: Um eine Technologieführerschaft sicherzustellen, bedarf es einer anwendungsorientierten Forschung & Entwicklung, gekoppelt mit einem Innovationsmanagement. Bei Krones wird beispielsweise ein großer Teil des erwirtschafteten Gewinns wieder zurück in die Forschung & Entwicklung geführt, um Innovationen zu entwickeln und den technologischen Vorsprung zu sichern. Damit diese Technik auch kundenseitig optimal genutzt werden kann, ist ein perfekt ausgebildeter Service mit kürzesten Reaktionszeiten unumgänglich.
Gerasch: Aus reiner Kundensicht betrachtet, ist der Stellenwert stark vom Kunden abhängig und in welchen hygienischen Abfüllbereichen sich diese bewegen. Im aseptischen Bereich wird sich der Stellenwert von F&E und After-Sales-Service sowie Service steigern, in den anderen Bereichen eher nur bedingt.

Heftausgabe: November 2011
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Birgit Lind, Redaktion

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