CR-Verpackungen für die Pharmaindustrie

Kinderleicht kindergesichert

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21.08.2017 Eine gute pharmazeutische Verpackungslösung muss viele Anforderungen erfüllen: Sie soll das Produkt sorgfältig umhüllen und es vor äußeren Einflüssen schützen. Sie soll Verbraucher über das Produkt informieren und eine Markenbotschaft vermitteln, die zum Kauf anregt.

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Entscheider-Facts für Betreiber

  • Pharmahersteller stehen nicht selten vor einer Zwickmühle: Zum einen sollten die Verpackungen so konstruiert sein, dass Kleinkinder sie nicht öffnen können. Zum anderen sollten diese Sicherheitsvorkehrungen für Erwachsene mit eingeschränkter Motorik, beispielsweise Senioren, kein unüberwindbares Hindernis darstellen.
  • Die Lösung sind Verpackungen, die sich durch eine Kombination aus Kraft und kognitiver Komponente öffnen lassen. Um die jeweils passende Lösung zu finden empfiehlt es sich, eng mit den einschlägigen Anbietern zusammenzuarbeiten.
Bild Sanner

Eine Kombination aus Druck und Zug stellt für Kleinkinder eine schwer überwindbare Barriere dar, ist aber für ältere Menschen kein Problem. (Bild: Sanner/ Daniel Jedzura – Fotolia)

Gleichzeitig muss sie es ermöglichen, dass Verbraucher die Inhalte leicht entnehmen können, die Verpackung sich leicht wiederverschließen und erneut öffnen lässt. Außerdem müssen Kinder vor einer versehentlichen Einnahme des Medikaments geschützt werden.

Gefahrenquelle Medikament

Häufig zeigen Kinder ungeahntes Geschick, wenn es darum geht, an den Inhalt von Arzneimittelverpackungen zu gelangen. Zum einen lassen manche Verpackungen von ihrem äußeren Erscheinungsbild her auf Süßigkeiten schließen. Zum anderen schmecken viele Tabletten und Pillen in den ersten Sekunden recht süß. Doch dieser kindliche Taten- und Wissensdrang kann gravierende Folgen haben. Besonders gefährdet sind Kleinkinder, die ihre Umwelt durch Haptik, Lutschen und Kauen kennenlernen. Im Alter zwischen knapp unter einem Jahr und etwa viereinhalb stecken sie bei ihren Erkundungen am häufigsten Sachen in den Mund oder schlucken sie sogar runter. Entsprechend sind kindergesicherte Verpackungen – auch „child-resistant packaging“ (CR-Verpackung) genannt – gefragt, um dieses Risiko so weit wie möglich zu minimieren. Denn um eine solche Verpackung zu öffnen, muss ein bestimmter Kniff bekannt sein. Dieser ist für die meisten kleinen Kinder schwer zu erlernen.

Beispielsweise findet ein dreijähriges Kind aller Wahrscheinlichkeit nach nicht so leicht heraus, wie es eine Verpackung öffnen kann, deren Verschluss während dem Aufdrücken zusätzlich gekippt werden muss. Gleichzeitig gilt es, den auf Arzneimittel angewiesenen Patienten den Zugang nicht übermäßig zu erschweren. Deshalb müssen kindergesicherte Verpackungen stets auch seniorenfreundlich ausgelegt sein – nach dem Motto „so leicht wie möglich, so schwer wie nötig zu öffnen.“

Unterschiedlich ausgeprägte Vorschriften

Der Einsatz von CR-Verpackungen ist bereits für viele Produkte, von denen eine Gesundheitsgefahr für Kleinkinder ausgeht, durch nationale und internationale Gesetzgebungen verbindlich vorgeschrieben – allerdings nicht überall auf einheitlicher Basis. Dies trifft insbesondere auf pharmazeutische Produkte zu. Hier nehmen die USA eine Vorreiterrolle ein: Bereits 1970 befasste sich der „Poison Prevention Packaging Act“ (PPPA) aufgrund der steigenden Anzahl von Vergiftungen durch toxische Chemikalien im Haushalt mit der Thematik. Die Vorschrift US 16 CFR § 1700.20 definiert einheitliche Regeln für gefährliche chemisch-technische und pharmazeutische Produkte. Darüber hinaus legt die Vorschrift fest, welche Anforderungen für kindersichere Verpackungen gelten und welche Tests durchzuführen sind. Die Teststandards und Normen der Europäischen Union ähneln denen der USA in vielen Punkten, sind im Arzneimittelbereich indes weniger umfassend. In Deutschland wiederum regelt das Arzneimittelgesetz (AMG) den Einsatz kindergesicherter Verpackungen verbindlich. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte führt eine Wirkstoffliste für kindergesichert zu verpackende Arzneimittel. Verpackungen von Produkten mit diesen Wirkstoffen müssen den ISO- und DIN-Normen entsprechen.

Heftausgabe: August 2017
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Ursula Hahn, Leitung Produktmanagement, Sanner

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Ursula Hahn, Leitung Produktmanagement, Sanner
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