Insekten als Nahrungsmittel

Krabbeln im Nudelteller

10.09.2016 Die Kritik am hohen Fleischkonsum unserer Gesellschaft nimmt zu. Gesundheitliche Argumente einmal dahingestellt, wachsen auch wirtschaftliche Zweifel an der Nachhaltigkeit des unbegrenzten Fleischgenusses.

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Krabbeln im Nudelteller

Krabbler auf Nudelgabel: Ganz so auffällig sind die Heuschrecken in der Insekten-Bolognese nicht, stattdessen entsteht daraus ein texturiertes Protein für die Nudelsauce. (Bild: Fotolia – magdal3na / Irina K.)

Der Anbau von Viehfutter erfordert Ackerland, dass bald für die Ernährung der wachsenden Weltbevölkerung dringend nötig sein könnte. Hinzu kommt der Wasser- und Energiebedarf, und nicht zuletzt der nennenswerte Ausstoß des Treibhausgases Methan als Abfallprodukt der Viehzucht.

Als mögliche Alternative zu Rind und Schwein gelten darum Tiere, die hierzulande bislang auf kaum einer Speisekarte auftauchen: Insekten. Sie sind reich an Protein, vermehren sich schnell, und einige besonders nahrhafte Arten sind äußerst anspruchslos bei der Aufzucht. Das Fortpflanzungsvermögen von Heuschrecken ist geradezu sprichwörtlich. Eine vielversprechende Lösung für all jene, die nachhaltig leben und dennoch nicht auf Fleisch verzichten wollen – wäre da nicht der instinktive Ekel, der vielen Menschen unserer Kulturkreise zu schaffen macht, wenn es um Insekten auf dem Teller oder gar im Mund geht.

Solchen Menschen will das US-Startup One Hop Kitchen die Insektenkost dennoch schmackhaft machen. Die Köche des Unternehmens verstecken das Krabbelgetier ganz ähnlich, wie manche Eltern dem wählerischen Nachwuchs das Gemüse unterjubeln: in der Bolognese-Sauce auf den allseits beliebten Nudeln.

Tomate, Zwiebel, Basilikum, Mehlwurm, Heuschrecke

Das Start-up-Unternehmen hat ein Verfahren entwickelt, um aus den Insekten ein texturiertes Proteinprodukt, ähnlich wie Tofu, mit ähnlichem Geschmack wie Rindfleisch zu erzeugen. Dieses Insektenfleisch gelangt zusammen mit sonnengereiften Tomaten, Zwiebeln, Knoblauch, Basilikum und Extra vergine Olivenöl in die Bolognese. Erhältlich sind bislang die Sorten Mehlwurm und Heuschrecke, aber man werde „das Getier nicht sehen und auch bestimmt nicht schmecken“, verspricht das Unternehmen per Twitter.

Die Produktion eines Pfundes Insektenfleisch erfordert nach Angaben des Unternehmens nur ein Fünftel der Ressourcenmenge, die für dieselbe Menge Rindfleisch nötig ist. Ein Glas der Insekten-Bolognese spart im Direktvergleich zwischen Insekten und Rindern 1.900 l Wasser ein. Einen ähnlich positiven Eindruck wie die Ressourcenbilanz vermitteln auch die Nährstoff-Informationen: Insektenfleisch enthält ein Viertel weniger an gesättigten Fettsäuren als Rindfleisch und liefert dabei die essentiellen Omega-3-Fettsäuren. Der Gehalt an Vitamin B12 ist dreimal so hoch. Auf zusätzlichen Zucker verzichtet das Unternehmen in seinen Saucen.

Die Argumente klingen überzeugend, und möglicherweise hilft ein fertig verarbeitetes Produkt mit unauffällig zerkleinertem Insektenfleisch dabei, dass Heuschrecken und Mehlwürmer als Nahrungsmittel auch bei weniger experimentierfreudigen Menschen Anklang finden.[ak]

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Heftausgabe: September 2016
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Über den Autor

Ansgar Kretschmer, Redaktion
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