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Kronen erweitert sein ERP-System

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15.09.2014 Wenn der Heißhunger in eine Filiale der beiden großen Fast-food-Ketten amerikanischer Abstammung drängt, denken wahrscheinlich die wenigsten an die badische Kreisstadt Kehl am Rhein. Genau wie Fluggäste, die in luftigen Höhen ihre Menüs verzehren. Doch wann immer in den aufgeführten Beispielen Nahrungsmittel zu schneiden, waschen, trocknen, schälen, teilen oder verpacken sind, kommen Maschinen des Kehler Unternehmens Kronen zum Einsatz.

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Entscheider-Facts für Betreiber

  • Mit der gefundenen Lösung kann der Maschinenlieferant Kapazitäts- und Ressourcenengpässe frühzeitig erkennen und entsprechend reagieren.
  • Es gibt keine doppelte Datenpflege der PZE mit Lohnabrechnung und Kapazität, dadurch kann der Betreiber mehr Zeit auf seine Kernaufgaben verwenden.
  • Durch das Zusammenführen aller relevanten Informationen ist es nun leichter, Vorgänge von einem Mitarbeiter auf den anderen zu übertragen.

Um auch in Zukunft Qualität, Liefertreue und Kundenzufriedenheit zu ermöglichen, entschied sich der Maschinen- und Systemlieferant als Ergänzung des ERP-Systems SAP R/3 – mit Finanzbuchhaltung und Materialwirtschaft – für die Anschaffung der MES-Lösung Cronetwork mit dem Modul Feinplanung APS des Softwareanbieters Industrie Informatik.

Mehr Übersicht im Auftragsnetz
Als klassischer Einzelfertiger sind es beim Unternehmen weniger die Anzahl der Aufträge, die die Herausforderung in der Fertigung darstellen, als vielmehr das Auftragsnetz hinter jeder zu fertigenden Maschine. Andreas Ell, Leiter Arbeitsvorbereitung (AV) bei Kronen, erläutert: „Das Auftragsnetz war der Hauptanlass, warum wir dieses Thema angegangen sind. Es stellt sozusagen die Struktur der Maschine mit teilweise über 500 Teilen dar, die wir dafür zukaufen. An dieser Stelle wollten wir endlich eine bessere Übersicht haben.“

Bis zum Einführen der Softwarelösung unterstützten lediglich die SAP-Funktionen zur Produktionsauftragseröffnung und die Bestandsinformationen aus dem ERP die Fertigungssteuerung. Dies bedingte einen hohen Zeit- und Rechercheaufwand in der Fertigungssteuerung. Komplexe Maschinen konnte der Betreiber nur mit hoher Konzentration und Engagement des Personals in der Fertigungssteuerung korrekt planen und realisieren. Bereits kleine Planungs- und Steuerungsfehler führten zu Sonderaktivitäten und Hektik in der Auftragsausführung sowie zu ungewollter Kapitalbindung durch hohe Umlauf- und Lagerbestände. Die fehlenden, zeitnahen Produktionsrückmeldungen verstärkten diesen Effekt zusätzlich.

Ell erinnert sich: „Beim Planungsmodul hatten wir eine Deckung von 15 Prozent, was die eigentlichen Themen unserer AV betraf. Über 80 Prozent bei SAP sind strategische Überlegungen und Planwirtschaft.“ Doch das Unternehmen arbeitet kundenauftragsbezogen, daher ergab es keinen Sinn, Horizonte von länger als zwei, drei Monaten abzubilden. Um die Kunden termingerecht beliefern zu können, muss der Anbieter die Maschinen und Anlagen in einem Zeithorizont von längstens 10 Wochen ausliefern. Die realen Standardlieferzeiten liegen darunter, bei zwei bis sechs Wochen. „Daher müssen wir diesen Zeitraum immer sehr genau abbilden können“, erklärt AV-Leiter Ell. „Entscheidend in unserer Fertigung ist aber, dass nicht nur die Kapazität Mensch und Maschine, sondern die vorhandene Kapazität der Ressource, des Materials, das verarbeitet wird, von größter Bedeutung ist.“ Und dies sei in SAP im Grunde planerisch vernachlässigt.

Neben dieser Grenze des Systems und der mangelhaften Übersicht der Kapazitäten sowie Ressourcenbedarfe war es der Wunsch nach einer integrierten PZE und einer neuen BDE-Hardware, die den Maschinenbauer zum Implementieren einer durchgängigen MES-Lösung veranlasste. Robert Lankhart, Prokurist Controlling, Finanzen und Personalwesen, erläutert die damalige Situation: „Wir wollten eine Planung in einem geschlossenen System und auch nicht mehr länger die umfangreichen Fehlteilelisten aus SAP im Einkauf händisch prüfen – von denen dann auch noch 70 Prozent bereits bestellt waren.“

Integrationsfähigkeit ist Trumpf
Auf die Softwarelösung des MES-Spezialisten wurde der Systemlieferant durch die Teilnahme an einem Webcast zum Thema Feinplanung mit APS aufmerksam. Lankhart erklärt dazu: „Wir brauchten ein mehrschichtiges Gesamtsystem, dass die betriebswirtschaftlich berichtenden und die Produktion planenden Ebenen des Unternehmens sowie den eigentlichen Fertigungs- beziehungsweise Produktionsprozess in der Fertigungsebene abdeckt. Insbesondere sollte das MES dem fortlaufend steuernden Durchsetzen einer bestehenden und gültigen Planung sowie der Rückmeldung aus dem Prozess dienen.“

Schließlich waren sich die Vertreter des Maschinenbauers sicher, mit der gezeigten Feinplanung die vorhandenen Probleme der komplexen Maschinenfertigung zu lösen und das dahinter stehende Auftragsnetz abzubilden. Dazu formulierten die Verantwortlichen ganz konkrete Ziele, die sie mit dem Anschaffen des MES verbunden hatten: Zum einen erwarteten sie eine durchgängige Transparenz im Einkauf, in der Produktion sowie der Lager- und Materialwirtschaft, reduzierte Durchlaufzeiten sowie eine Erhöhung der Liefertreue. Zum anderen wollten sie dem konjunkturbedingten Wachstum bis 30 % nicht unbedingt eine riskante personelle Verstärkung der AV und der Produktionsleitung direkt folgen lassen.

Neben den einfach zu erstellenden Berichten für Key-user, den funktionalen Stärken der PZE und der APS-Feinplanung war es insbesondere die Integrationsfähigkeit der Softwarelösung in das führende System SAP, das den Ausschlag gab. Dementsprechend war das Hauptziel des Projektes, die Produktionsplanungslösung APS in Verbindung mit Betriebsdaten- und Personalzeiterfassung in die bestehende Systemlandschaft zu integrieren. APS verplant dabei die Aufträge nicht nur auf die vorhandenen Kapazitäten von Mensch und Maschine: Schon beim Einplanen prüft das System zusätzlich die Verfügbarkeit der benötigten Materialien der über 540 Lieferanten. Dazu Ell: „Dabei berücksichtigen wir Eigenfertigungsteile und Bestellpositionen. Die Planung umfasst also Lagerstände, Bestellungen und Werkaufträge.“ Damit habe man auch bei dynamischem Verschieben der Fertigungsaufträge immer die aktuelle Sicht auf die Durchführbarkeit der Planung.

Vernetzung schafft Übersicht
Die Einführung der MES-Lösung selbst bezeichnet Lankhart als vollen Erfolg: „Durch die Stückelung des Projekts in kleine Arbeitspakete der Module PZE, BDE, APS und der Materialbedarfslisten konnte wir SAP nach und nach als Leitsystem der Fertigungsfeinplanung ersetzen.“ Heute übergibt SAP alle 3 min die Fertigungsaufträge über eine Schnittstelle an das MES, wo mit APS die Feinplanung der einzelnen Aufträge erfolgt. Aus dem MES zieht der Materialeinkauf dann die verbindlichen Echttermine anhand der Fehlteilelisten. AV-Leiter Ell zu den Vorteilen bei Terminkonflikten beziehungsweise Fehlteilen: „Die Produktionsplanung erstellt die Fertigungsaufträge mit Stücklisten und Arbeitspläne im SAP-System. Diese gibt es an das MES weiter, was zu Bedarfsanforderungen im Einkauf führt. Über eine Auswertung sieht dieser dann detaillierte Bedarfsinformationen.“ Wenige Minuten später sei somit der ungedeckte Bedarf verschwunden.

Komme es zu Terminkonflikten, etwa dass der Bedarfstermin vor dem Liefertermin liegt, wird dieser Konflikt sofort nach Auftragsbestätigungserfassung in der Bestellung sichtbar. „Somit haben Einkauf und Produktionsplanung jetzt früh die Möglichkeit, eine Lösung des Konflikts zu finden: entweder die Planung anpassen oder beim Lieferanten den Liefertermin nachverhandeln“, erklärt Ell. „Auf der APS-Plantafel ist es für uns heute zudem jederzeit ersichtlich, welcher Werker mit welcher Qualifikation und mit welchem Arbeitsvorgang beschäftigt ist.“ Ell und seine Kollegen planen also an der Tafel alle Fertigungsaufträge und Ressourcen – immer mit dem Auftragsnetz dahinter und in Abhängigkeit der Qualifikation der betroffenen Mitarbeiter. „Das Fertigungsleitsystem steuert sozusagen unseren Einkauf mit seinen Terminen.“ Das Besondere für Lankhart: Durch die APS-Lösung habe das Unternehmen einen sehr hohen Abdeckungsgrad erreichen können, der heute im MES-Standard enthalten sei.

Mehr Zeit für Wichtiges
Die Auftragsnetzbildung und -einplanung sowie die Ermittlung von Materialbedarfsterminen führt das System automatisiert durch und stellt eine Erleichterung für die Planer dar: „Früher hing sehr viel von der Person, dem persönlichen Einsatz und dem Wissen des Planers ab. Heute haben wir das Wissen der Mitarbeiter über die Zusammenhänge von einzelnen Baugruppen der vielen Maschinen größtenteils im System hinterlegt, „ erklärt Lankhart. Das ermögliche eine einfachere Vertretung des Planers. Auch im Bereich der PZE und der Lohnabrechnung machte der Hersteller einen Schritt nach vorne: Vor dem Einführen der Lösung wurden die PZE-Daten über BDE-Terminals erfasst. Diese Daten mussten Mitarbeiter am Monatsende in Access manuell aufbereiten und als Liste an die Lohnbuchhaltung übergeben. Dort wurden die Daten händisch erfasst. Eine Anpassung der Fertigungskapazität, etwa bei geplanter Abwesenheit, erfolgte manuell – oder gar nicht. Die Planungsergebnisse in SAP selbst waren dabei sehr ungenau.

„Die jetzt gefundene Lösung nimmt alle Daten nur einmal in die Hand. Kapazitäten und Abrechnungsdaten sind über Schnittstellen immer automatisch aktuell“, erläutert Ell. Durch das zeitnahe Erkennen von Kapazitätslücken sowie die beschleunigte Produktionsplanung bleibt jetzt mehr Zeit für Tätigkeiten wie das Managen von Kundenprojekten und den damit zusammenhängenden Abweichungen zu Standardmaschinen. Doch beim Maschinenbauer geht der Blick schon wieder in die Zukunft: Aktuell angedacht ist eine Erweiterung des APS um Planaufträge und Kapazitätsblocker – Vertriebsaufträge mit hoher Wahrscheinlichkeit – sowie der Einsatz mobiler MDE/BDE-Geräte.

Was bedeutet was?

Hier finden Sie noch einmal die im Text aufgeführten Abkürzungen – und wofür sie stehen:
APS = Advanced Planning and Scheduling
BDE = Betriebsdatenerfassung
ERP = Enterprise Resource Planning
MDE = Maschinendatenerfassung
MES = Manufacturing Execution System
PZE = Personalzeiterfassung

 

 

Einen Link zum Unternehmen finden Sie hier.

Weitere Beiträge mit Schwerpunkt MES finden Sie hier.

Heftausgabe: September 2014
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Über den Autor

Tino Böhler, freier Journalist, Dresden
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