Zusammen die komplette Kette

Maschinenhersteller-Allianz schafft für Kunden gemeinsames Dienstleistungsangebot

Pharma
Food
Kosmetik
Chemie
Planer
Betreiber
Einkäufer
Manager

17.08.2012 Vor einem Jahr wurde die Excellence United von Spezialmaschinenherstellern der Pharma-, Medizintechnik- und Prozessindustrie gegründet. Nun ziehen die Verantwortlichen eine erste Bilanz der bisherigen Erfolge und zeigen auf, welchen Mehrwert das gemeinsame Auftreten und Agieren den Kunden bietet.

Anzeige

Effizienz- und Produktivitätssteigerung bei den Kunden – das war das erklärte Ziel, als die Excellence United vor einem Jahr ihre Gründung bekannt gab. Die Mitglieder der Allianz, allesamt Spezialmaschinenhersteller für Produktions-, Entwicklungs- und Verpackungsanlagen, sind sehr zufrieden mit der bisherigen Entwicklung der Kooperation. „Wir sind selber ein bisschen überrascht, wie viele Synergien sich durch die intensive Kooperation nutzen lassen“, berichtet Olaf J. Müller, Geschäftsführer von Fette Compacting. Neben Fette gehören Bausch+Ströbel, Glatt, Harro Höfliger, Uhlmann und Visiotec zu der Gemeinschaft.

Service ist ein wichtiges Stichwort, das immer wieder fällt, wenn die Mitglieder der Allianz über ihre bisherigen Erfolge und die künftige Zielsetzung sprechen. In verschiedenen Ländern wurden bereits Service-Hubs gegründet, die gemeinsam genutzt werden; in anderen Regionen findet derzeit eine Überprüfung statt, inwiefern sich solche Service-Standorte realisieren
lassen. Zudem stehen weltweit insgesamt 600 Service-Techniker aller beteiligten Unternehmen zur Verfügung. „Dadurch ermöglichen wir nicht nur den eigenen Kunden, sondern auch denen unserer Partner schnelle Hilfe bei Beschaffung, Wartung und Reparatur der Anlagen“, erläutert Markus Ströbel, geschäftsführender Gesellschafter bei Bausch+Ströbel. Somit hat der Kunde einen einzigen Ansprechpartner, der sich in allen Bereichen um sein Anliegen kümmert. Der Betreiber muss nicht mehr selbst herausfinden, in welchem Anlagenteil der Fehler aufgetreten ist und sich an den entsprechenden Hersteller wenden. Sondern er kann einen Techniker rufen, der mit allen Teilen der Produktionsanlage vertraut ist.

Lösung für verbesserten Kundenservice

„Service ist ein zentrales Thema der Pharmaproduktion – und dem haben wir uns gestellt“, erklärt Richard Mertens, Geschäftsführer von Uhlmann Visiotec. Aus diesem Grund haben die Mitglieder eine Serviceplattform entwickelt, auf die die Kunden per Remote-Control zugreifen können, um beispielsweise Hotline-Beratung und Ferndiagnosen vornehmen zu können. Das Angebot wird sukzessive ausgebaut, um mehr und mehr produkt- und prozessbezogene Dienstleistungen in das System integrieren zu können. „Es ist für uns besonders wichtig, dass wir ein gemeinsames Tool anbieten können“, erzählt Mertens. Da der elektronische Zugang in ein Firmennetzwerk jedoch besonders kritisch ist und eine sichere Lösung gefunden werden musste, ist der Zugang zu dem Serviceportal TÜV-zertifiziert und protokolliert und erfolgt nur vom Kunden aus zum Portal hin, nicht umgekehrt. Der standardisierte Zugang erleichtert dem Kunden auf der einen Seite die Anlagenverwaltung und dem Serviceteam auf der anderen Seite die individuelle und zielgerichtete Unterstützung – neben Trouble-shooting also auch gezielte Produktionsbegleitung und Produktionsberatung. „Dieses Thema kann in der Gemeinschaft viel effektiver umgesetzt werden“, bilanziert Mertens.

„Neben den Serviceangeboten der Excellence United bringt auch die gemeinsame Nutzung der Vertriebsorganisationen der einzelnen Mitglieder viele Vorteile mit sich“, erklärt Olaf J. Müller. Dies manifestiert sich in der ersten Bilanz: Mehr als acht Prozent des gemeinsamen Jahresumsatzes von über 800 Mio. Euro haben die beteiligten Unternehmen in Excellence-United-Projekten seit Gründung der Allianz gemacht. Auch das Wachstum des Umsatzes der Maschinenhersteller liegt mit 13,6 Prozent über dem Durchschnitt von 7,5 Prozent, den der VDMA der deutschen Verpackungsmaschinen-Branche in 2011 zuschreibt.

Individuelle Stärken zum Tragen

„Auch Projektmanagement war und ist ein großes Thema für uns“, berichtet Thomas Hofmaier, Head of Business Unit Process Technologies Pharma bei Glatt. Die Firmen haben ihr jeweiliges Projektmanagement auf ein gemeinsames angepasst und ein integriertes Projektmanagement eingeführt. Die Abwicklung der Projekte kann aus Kundensicht somit mit einem einzigen Partner stattfinden, was die Integration der Anlagenteile für den Kunden deutlich vereinfacht. Zum Beispiel haben Glatt, Harro Höfliger und Uhlmann gemeinsam in 2011 eine Produktionslösung zur Dabigatranetexilat-Herstellung für Boehringer Ingelheim geliefert, die die Leistung der Gesamtanlage in Ingelheim um 25 Prozent gesteigert hat. Ein anderes Praxisbeispiel ist die pharmazeutische Brausetabletten-Produktion von Roemmers Laboratories in Buenos Aires: Hier haben Glatt und Fette Compacting zusammen eine prozesssichere Produktionslinie realisiert.

„Wir haben für die verschiedenen Märkte mit ihren unterschiedlichen Zielen entsprechende Vorgehensweisen definiert“, erklärt Thomas Weller, Geschäftsführer von Harro Höfliger. Denn bei der Abbildung der gesamten Wertschöpfungskette stehen Risikominimierung und Kostenoptimierung im Fokus. Der Trend in der Pharmabranche hin zum kontinuierlichen Verarbeitungsprozess bedingt die Reduzierung von Schnittstellen, das gemeinsame Liefern von Technologien und die gemeinsame Definition des Prozesses. Dadurch reduzieren sich die Kosten für den Kunden. „Wir wollen Dienstleister von A bis Z sein und damit Ressourcen bündeln und einsparen“, berichtet Weller.

Die deutschen Mittelständler der Allianz haben drei Ziele formuliert, die sie die sie durch die gemeinsame Arbeit  erreichen wollen: Zum einen planen sie, ihr Portfolio permanent weiter zu entwickeln; zum anderen wollen sie eine globale Präsenz aufbauen; außerdem streben sie eine Harmonisierung nach innen an, um Aktivitäten in z.B. den Bereichen Technik, Verkauf, Personal und Service abzustimmen und anzugleichen. Siegfried Drost, Geschäftsführer von Uhlmann Pac-Systeme, resümiert: „Und nach dem ersten Jahr können wir feststellen, dass wir um einiges mehr erreicht haben, als ursprünglich geplant.“

Heftausgabe: August 2012
Anzeige

Über den Autor

Tina Walsweer, Redaktion
Loader-Icon