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Merck plant milliardenschweren Zukauf

06.12.2013 Nach einigen Rückschlägen in der Pharmaforschung plant der Darmstädter Pharma- und Chemiekonzern Merck im Segment Flüssigkristalle eine 1,9 Mrd. Euro schwere Übernahme: Gestern hat der Hersteller ein Übernahmeangebot für das britische Unternehmen AZ Electronic Materials abgegeben.

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Merck plant milliardenschweren Zukauf

Merck will den britischen Elektronik-Chemikalienhersteller AZ übernehmen (Bild: Merck)

Mit dem Board of Directors von AZ Electronic Materials sei eine Einigung über die Abgabe eines Übernahmeangebots in bar für das gesamte Aktienkapital von AZ erzielt worden. Merck will durch den Zusammenschluss das Materialien- und Spezialchemiegeschäft weiter auszubauen.

Das Board of Directors von AZ hat die Absicht, seinen Aktionären die Annahme des Angebots zu empfehlen. Gleichzeitig haben sich die Mitglieder des Boards ihrerseits verpflichtet, ihre eigenen Aktien zum vereinbarten Preis zu verkaufen (dies entspricht rund 0,7% des Aktienkapitals). Die Übernahme wird laut Merck vollständig aus Barmitteln finanziert.

Die Transaktion steht allerdings dem Vorbehalt kartellrechtlicher Freigaben sowie dem Erreichen einer Mindestannahmeschwelle von 95% des Aktienkapitals.

„Mit diesem strategischen Schritt stärken wir das Portfolio von Merck, indem wir unser Flüssigkristallgeschäft um ein weiteres hochprofitables Premiumgeschäft ergänzen“, sagte Karl-Ludwig Kley, Vorsitzender der Geschäftsleitung von Merck. „Der Zusammenschluss ermöglicht uns, zusätzliche Wachstumsfelder in der Elektronikindustrie zu erschließen, damit wir über Displays hinaus noch stärker von der steigenden Nachfrage nach elektronischen Geräten profitieren können. Außerdem markiert die geplante Übernahme einen weiteren Meilenstein im Transformationsprozess von Merck hin zum hochspezialisierten Technologiekonzern, der Patienten und Kunden maßgeschneiderte Lösungen liefert.“

John Whybrow, Chairman von AZ, kommentierte das Angebot: „Da Materialien für die Märkte, die wir bedienen, immer wichtiger werden, sind starke Forschungs- und Entwicklungskapazitäten und eine breite Basis nötig, um Größenvorteile zu nutzen und neue Märkte zu erschließen. Die sich nun bietende strategische Gelegenheit für AZ, sich mit Merck zusammenzuschließen, ist bestechend. AZ hat starke Marktpositionen und eine sehr fokussierte Produktentwicklung: In der Kombination mit Merck werden diese beiden Attribute langfristige Wachstumschancen verstärken.“

Mit seinen hochreinen Spezialchemikalien für die Elektronikbranche erwirtschaftete AZ im Jahr 2012 einen Umsatz von 794 Mio US$ (584 Mio €) und ein operatives Ergebnis (EBITDA) von 262 Mio US$ (193 Mio €). Rund 70% des Umsatzes entfielen auf den Geschäftsbereich IC-Materialien, der Prozesschemikalien zur Herstellung von integrierten Schaltkreisen (IC) anbietet, die zum Beispiel in Tablet Computern, Smartphones, MP3-Spielern oder Spielekonsolen eingesetzt werden. Die EBITDA-Marge im Geschäftsbereich IC-Materialien belief sich im vergangenen Jahr auf rund 41%. Auf den zweiten Geschäftsbereich Optronics entfielen im vergangenen Jahr rund 30% der Umsätze. Zu seinem Portfolio gehören lichtempfindliche Lacke, die sogenannten Photolacke, für die Herstellung von Flachbildschirmen sowie auf Siliziumchemie basierende Produkte für die Optoelektronik. Die EBITDA-Marge im Geschäftsbereich Optoelektronik lag 2012 bei rund 29%. AZ beschäftigte Ende 2012 rund 1.100 Mitarbeiter, fast 60% davon in Asien.

(as)

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