auf dem Vormarsch

Nachhaltiges Pharma-Packaging

04.09.2009 Auch in der pharmazeutischen Industrie ist das Thema der Nachhaltigkeit verstärkt in den Mittelpunkt gerückt. Wenngleich die regulatorischen Auflagen den Handlungsspielraum begrenzen, gibt es insbesondere im ökologischen Bereich bei einigen Unternehmen umfassende Programme zur Ressourcen- und Energieeinsparung. Das bringt auch die ökologische Herstellung von Pharmaverpackungen auf die Agenda.

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Von den weltweit mehr als 10000 täglich verkauften Arzneimitteln werden weniger als 1% in ökologisch orientierten Prozessen hergestellt. Mit diesen Zahlen lud der „Green Pharma Summit“ im Juli nach Philadelphia, um mit namhaften Pharmaunternehmen wie Johnson & Johnson, Glaxo Smith Kline, Pfizer und anderen zu zeigen, wie sich Gewinn bringende Nachhaltigkeitsprogramme implementieren lassen. „Da die Pharmaproduktion spezifischen Auflagen unterliegt, ist „Green Pharma“ zwar eine ehrenhafte – und auch Effizienz bringende –, jedoch schwierige Aufgabe“, weiß Stephan Bestehorn vom Verpackungshersteller und Copaco-Unternehmen rlc Packaging Group.

„An und für sich entstehen bei einer ökologischen Ausrichtung der Pharmaproduktion keine zwingenden Konflikte mit GMP-Richtlinien“, sagt Wolfgang Hähnel vom GMP-Consulting-Unternehmen Gempex, schränkt aber ein: „Wenn es beispielsweise zum Einsatz neuer Verpackungsmaterialien kommt, dann zieht dies einen Rattenschwanz an Zulassungen oder Zulassungsänderungen und Audits nach sich.“ Das betreffe Primärpackmittel mehr als Sekundärverpackungen, da sie im direkten Kontakt mit den Arzneimitteln stehen und ein nachteiliges Beeinflussen des Medikaments ausgeschlossen werden muss. Doch auch bei Faltschachteln könnten Aspekte wie Lichtdurchlässigkeit oder Temperaturerhaltung neu zu überprüfen sein, erklärt Hähnel.

Effizienzgewinn von 15%

Um ökologische Potenziale in der Pharmaproduktion zu heben, kommt daher den Zulieferern eine wachsende Beratungsaufgabe zu, wie Bestehorn es sieht. Neben den Bereichen Premium und General Packaging ist rlc auch auf die Produktion von pharmazeutischen Faltschachteln und Packungsbeilagen spezialisiert, für die das Unternehmen sein Berliner Pharmacenter betreibt. „Als Teil der Verpackungswertschöpfungskette sind wir mitverantwortlich für deren Wirtschaftlichkeit und natürlich auch deren ökologische Verträglichkeit“, sagt Bestehorn. Es sei daher nicht nur wichtig, dass das Unternehmen mit seinen unternehmenseigenen Umwelt- und Effizienzrichtlinien einen Beitrag zur Energie- und Ressourcenschonung leistet. „Wir beraten unsere Kunden auch beim ökologischen Verpackungsdesign. Unsere Leitlinie „Packaging Design for Efficiency“ gilt für alle Branchen und lässt sich auch nach Pharma-Standard realisieren“, erklärt Bestehorn.

Beim „Packaging Design for Efficiency“ geht es um Design-Optimierungen im Hinblick auf Materialausnutzung, um Know-how über ökologisch verträgliche Materialien oder Materialreduzierungen mit Hilfe optimierter Konstruktion. Wie das aussehen kann, zeigt das Verpackungskonzept Shapeline, das im vergangenen Jahr mit dem iF Packaging Design Award ausgezeichnet wurde. Die Faltschachtel passt sich der Produktform an, zum Beispiel einer Tube; daraus resultiert eine Volumen- und Materialeinsparung von bis zu 15%. Ein entsprechendes Verschachteln in der Transportverpackung setzt die Ersparnis in der Prozesskette über die Logistik bis in den Handel fort.

OTC als Katalysator

Treibende Kraft im Einsatz eines „Packaging Design for Efficiency“ wird der OTC-Markt sein, schätzt Sher Paul Singh, Professor an der School of Packaging der Michigan State University. „OTC-Verpackungen müssen sich im Handel behaupten, und hier greifen Nachhaltigkeitsprogramme der Handelskonzerne, wie zum Beispiel Wal-Mart.“ Diese drängen auf Einsparungen des Verpackungsmaterials um teilweise bis zu 5%, und auch Hersteller wie Glaxo Smith Kline sowie Johnson & Johnson verfolgen ambitionierte Ziele bei der Reduktion von Verpackungsmaterial und den Einsatz biologisch abbaubarer beziehungsweise recycelbarer Packmittel.

Wolfgang Hähnel wie auch Stephan Bestehorn sehen hier vom US-Markt entscheidende Impulse ausgehen, „Green Pharma“ bis an den Consumer heranzutragen. „Marketing ist im Bereich OTC von zentraler Bedeutung“, sagt Hähnel, und Bestehorn ergänzt: „Ökologie ist heute ein wichtiges Marketing-Thema, und das wird dem Konsumenten vor allem über die Verpackung vermittelt.“ Mit Verpackungspartnern, die neben einer ökologisch orientierten Verpackungsberatung auch eine ökologisch nachhaltig ausgerichtete Produktion bieten, seien Pharmahersteller im OTC- wie im ethischen Bereich dafür bestens gewappnet, so Bestehorn.

Heftausgabe: September 2009
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Über den Autor

Christiane Hilsmann, freie Fachjournalistin
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