Vom "Murks" zur durchgängigen Integration

Namur Hauptsitzung adressiert Zukunftsstrategien für Prozessautomation

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19.11.2014 „Jede Integration von Package Units ist aus Sicht der Automatisierung Murks“ - mit dem markigen Satz umriss Namur-Vorstand Dr. Thomas Tauchnitz, Sanofi, auf der Namur-Hauptsitzung die Problemstellung, die die Diskussion um das Kernthema modulare Automation prägte.

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570 Anwender und Hersteller von Prozessautomatisierung waren in den rheinischen Kurort gekommen, um sich über Trends und künftige Automatisierungskonzepte auszutauschen. Tauchnitz, der im vergangenen Jahr einen Ansatz für einen standardisierten Datenaustausch zwischen CAE-Planungswerkzeugen und Prozessleitsystemen vorgeschlagen hatte und dafür sogar schon Vollzug melden konnte, wundert sich nach wie vor über die Leidensfähigkeit der Betreiber, wenn es um die Integration von Package-Units in die übergeordnete Automatisierungsstruktur geht. Denn während Hersteller von Package Units, beispielsweise einer Zentrifugen-Einheit, diese eine autarke Betriebsweise automatisieren, steht der Anwender meist vor der Herausforderung, die Steuerrezepturen noch einmal in seinem zentralen Leitsystem komplett nachbilden zu müssen. Eine aufwändige Doppelarbeit, die dem Umstand geschuldet ist, dass es an einer geeigneten Schnittstellenmethode für die Übernahme der Automatisierungskonzepte in die übergeordnete Leittechnik fehlt.

Sitzungssponsor Wago stellt offene Technik für Einbindung von Anlagenmodulen vor

Eine solche hatte der Veranstaltungssponsor Wago im Gepäck und pünktlich zum Anwendertreffen in Bad Neuenahr enthüllt: Beim „Dima“ (Dezentrale Intelligenz für Modulare Anlagen) genannten Ansatz werden Leitebene und Modulebene über eine neutrale Schnittstelle getrennt.

Die Methode soll dazu beitragen, dass verfahrenstechnische Anlagen künftig aus „intelligenten Modulen“ aufgebaut werden, die herstellerübergreifend ausgetauscht werden können, ohne dass eine Neuprogrammierung der Leitebene notwendig wird. Auch ein ortsunabhängiger Betrieb ohne Leitebene soll so möglich werden.

Den Einwand, dass die Automatisierung modularer Anlagen bislang eher ein Nischenmarkt ist,  lassen die Anwender nicht gelten. Der Trend zur dezentralen Intelligenz in der Automatisierung von Prozessanlagen sei nicht aufzuhalten. „Früher waren Feldgeräte dumm. Heute haben wir intelligente Feldgeräte – und damit ist dezentrale Intelligenz bereits Realität“, verdeutlicht Tauchnitz. An vielen verschiedenen Stellen in den Betrieben gibt es bereits dezentrale Automatisierungskomponenten, bei denen im Zentrum die Prozessdaten stehen und um diese herum die Funktionen eines Automatisierungssystems angeordnet sind. „Wie unterstützen die heutigen Systeme die freie Wahl zwischen zentraler oder dezentraler Zuordnung? Und wie viel Engineeringaufwand ensteht, um die Datenhistorie, die beispielsweise in einem Scada-System abgebildet ist, auch in einem MES abzubilden?“, umreißt Tauchnitz die Fragestellung.

Dass diese immer wichtiger wird, wurde im Vortrag des Sponsors deutlich. Ulrich Hempen, Leiter des Market Managements Industrie & Prozess bei Wago, sieht als Treiber die zunehmende Individualisierung der Produktion. In der Folge führen immer kürzere Produktlebenszyklen und schwankende Absatzmengen für Chemieprodukte dazu, dass diese immer schneller zur Marktreife gebracht werden müssen. „Das ist keine Modeerscheinung, sondern ein unumkehrbarer Trend“, ist sich Hempen sicher. Basis dafür ist eine flexible Produktion, die wiederum nur durch einen modularen Anlagenbau erreicht werden kann.  

Heftausgabe: Februar 2015
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Über den Autor

Armin Scheuermann, Chefredakteur von Pharma+Food
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