Vertrauen ist der Schlüssel

Neues Pharma-Logistikcenter sichert Kunden Einsparpotenziale

26.03.2009 Die Uhr tickt, und sie tickt schnell für die pharmazeutische Industrie. Allein in diesem Jahr laufen Patente im Wert von 72 Milliarden US-Dollar ab. Hohe Kosten in der Forschung und gestiegene Anforderungen an die Sicherheit bewirken, dass immer weniger Wirkstoffe zugelassen werden, die diese Umsatzträger ersetzen könnten. So ist die Anzahl von freigegebenen Blockbustern von 14 im Jahr 2004 rapide auf nur vier in 2008 gesunken. Der internationale Wettbewerbsdruck im Zeichen der Globalisierung ist ein zusätzlicher Faktor, der die deutsche Pharmabranche seit einigen Jahren zu tiefgreifenden Veränderungen zwingt.

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In Deutschland und weltweit mehren sich Zukäufe, Fusionen und Übernahmen in der Pharmaindustrie. Doch glaubt man den Fachleuten, so sind die Synergie- und Konsolidierungspotenziale unter den forschenden Pharmaunternehmen noch lange nicht ausgeschöpft. Neben Fusionen und Akquisitionen zählt das Outsourcing nach wie vor zu den ganz großen Trends am Pharmamarkt und ermöglicht den Unternehmen in relativ kurzer Zeit, Prozesskosten zu reduzieren und Produktionsanlagen zu flexibilisieren. Das Ausgliedern von Dienstleistungen wie Lohnfertigung oder Lohnverpacken wird zu einem wettbewerbsrelevanten Faktor. Warum: Die externen Partner verfügen über die nötigen Technologien und ersparen dem forschenden Unternehmen somit Investitionen; sie verfügen über viel Erfahrung bei Produktion und Produktentwicklung und sichern selbst bei Kapazitätsengpässen die gewünschten Produktionsumfänge. Indem sie zusätzliche Services wie zum Beispiel die Pharmalogistik anbieten, avancieren die Zulieferer für Pharmaunternehmen zu wichtigen Partnern in Sachen Wertschöpfung und Time to Market.

Nachfrage nach Lohnfertigung wächst

Durch die Tatsache, dass die großen deutschen Player das Outsourcing als strategische Maßnahme zur Steigerung der Wertschöpfung erkannt haben, sorgt am Markt der Pharma-Lohnhersteller für jährliche Wachstumsraten von 8 bis 9%. Dementsprechend weitet sich das Spektrum der ausgelagerten Aufgaben von der reinen Fertigung auf Handkonfektionierung, Logistik und andere Tätigkeiten aus. Gerade in der Kommissionierung und der Konfektionierung steckt ein großes, noch viel zu oft verkanntes Potenzial: Bis zu 5% eines jährlichen Abpackvolumens müssen im Durchschnitt neu verpackt werden, sei es aufgrund von Produktionsfehlern oder notwendigen Umverpackens für andere Märkte. Viele Kleinaufträge oder Umpackaktionen unterbrechen allerdings die meist hoch automatisierten Verpackungsprozesse bei den Großunternehmen.

Hier setzt das Unternehmen August Faller an, das kürzlich in Großbeeren nahe Berlin ein Pharma-Logistikcenter eröffnet hat. Mit dem neuen Center siedelt sich Faller an einem der bedeutendsten Pharmastandorte Deutschlands an. Fünf der Branchengrößten sind im Großraum Berlin ansässig. Der Hersteller pharmazeutischer Packmittel erbringt in dem modernen Neubau in Brandenburg Dienstleistungen wie etwa das Konfektionieren, Herstellen und Kommissionieren von Sekundärpackmitteln. Das Pharma-Logistikcenter verfügt zudem über eine Herstellererlaubnis nach §13 AMG und eine „Qualified Person“, die autorisiert ist, ausgehende Chargen zur Weiterverarbeitung freizugeben.
In separaten Räumlichkeiten mit verschiedenen Hygieneklassen werden Produkte und Materialien maschinell oder manuell verpackt bzw. umverpackt. Zum Leistungsspektrum gehören chargengerechte Lieferungen direkt in die Abpackzone des Kunden unter den strengen Qualitätsanforderungen der pharmazeutischen Industrie (GMP). Ein Schwerpunkt der Dienstleistungen ist die permanente Verbesserung der Pharma-Supply-Chain zur Steigerung der Time to Market. Das Center verfügt über Kommissionierungsflächen und Lagerkapazität für rund 1600 Paletten.

Den Rücken für Kernkompetenzen freihalten

Das Pharma-Logistikcenter hält seinen Kunden somit den Rücken für ihre Kernkompetenzen frei. Fiktives Fallbeispiel: eine Blockbuster-Produktion in Deutschland. Nach dem Abpacken einer Millionenauflage muss der Text der Packungsbeilage aus regulatorischen Gründen geändert werden. Die Beipackzettel müssen jetzt schnell neu produziert und den Verpackungen beigelegt werden. Für den Hersteller ist das Beheben einer solchen Situation kostenintensiv und stört den internen Arbeitsablauf. „Mit unserem Pharma-Logistikcenter wollen wir die Pharmaunternehmen dabei unterstützen, am Markt schneller und vor allem flexibler agieren zu können“, sieht Dr. Daniel Keesman, Geschäftsführer von Faller, die Chancen des neuen Centers.

Die entstehende Partnerschaft zwischen Pharmaunternehmen und Lohnfertigern führt dazu, dass letztere nicht nur Produktion anbieten, sondern auch Full-Service-Pakete einschließlich Entwicklung und Logistik. Dabei prüfen die Pharmaunternehmen kritisch, welche Aufgaben man aus der Supply Chain externen Partnern übertragen kann. Vertrauen ist der Schlüssel bei der Auswahl passender Lieferanten. Es zeichnet sich sogar ab, dass Lohnherstellungsverträge längerfristig als bisher abgeschlossen werden, um für Sicherheit und höhere Wertschöpfung in der Herstellungskette zu sorgen. Absehbar ist, dass sich die Pharmaunternehmen verstärkt auf ihre Kernkompetenzen besinnen werden und Dienstleister für die vor- und nachgelagerten Prozesse suchen, mit denen sie langfristig vertrauensvoll zusammenarbeiten können.

Heftausgabe: April 2009
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Susanne Hammel , freie Fachjournalistin

Über den Autor

Susanne Hammel , freie Fachjournalistin

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