Wenn´s um die Wurst geht

Oberflächenbeschichtung schützt Regalanlage vor aggressiver Salzlake

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09.06.2017 Hier nehmen Grillfeste ihren Anfang: CDS Hackner mit Sitz in Crailsheim ist Marktführer bei der Produktion von Naturdärmen und gehört bei Fleisch- und Innereien-Spezialitäten zu den Top 3 in Europa.

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Entscheider-Facts für Betreiber

  • Im Regalbau gängige Korrosionsschutzlösungen hatten im Lager eines Herstellers von Naturdärmen keine Chance: Bereits nach kurzer Zeit fraß sich die aggressive Salzlake, in der das Unternehmen Naturdärme lagert, durch die Regalkonstruktion.
  • Der Lagertechnik-Experte installierte daher eine Verfahrregal-Anlage, deren sämtliche Bauteile mit einem Kombibeschichtungs-Verfahren geschützt sind, das selbst für Offshore-Applikationen geeignet ist.

Doch bei der Lagerung stellten diese Produkte auch den Hidden Champion vor eine Herausforderung:  Herkömmliche Regalkonstruktionen entwickeln ein erhebliches Korrosionsproblem. „Naturdärme werden bei circa 7 °C in mit Salzlake gefüllten Fässern oder Kunststoffkisten gelagert“, erläutert Dieter Kracher, Prokurist CDS Hackner. „Zwangsweise läuft dabei immer wieder Lake auf die Paletten, auf denen die Behälter eingelagert werden. Das heißt, dass nicht nur die Lagergebinde, sondern auch die Holzpaletten teilweise mit Salzlake getränkt sind.“ Da bleibt es nicht aus, dass auch die Regalkonstruktion mit der hoch-korrosiven Lake in Berührung kommt. Und das wurde dem „alten“ Regal zum Verhängnis – denn es war nur mit einer Verzinkung geschützt. Unter normalen Bedingungen in der Lagertechnik ermöglicht diese Oberflächenbeschichtung einen ausreichenden Schutz vor Korrosion – doch die aggressive Salzlake zerfraß die Zinkschutzschicht in kürzester Zeit: „Die Verzinkung war einfach nicht für diese Lagerbedingungen ausgelegt“, so Kracher. „An den Regalteilen waren bereits nach wenigen Wochen der Nutzung Korrosionen mit unterschiedlicher Stärke zu sehen.“

(Bild: M. Schuppich - Fotolia)

Naturdärme sind
sozusagen die Primär-
verpackung für Bratwürste. (Bild: M. Schuppich – Fotolia)

Das Kombi-Beschichtungsverfahren

Eine neue Regalanlage für die 4.180 Paletten-Stellplätze musste also her. CDS Hackner beauftragte hierzu die Firma Galler, einen europäischen Anbieter von Regalen und Anlagen zur Lagerung von Paletten und Industriegütern. Das Unternehmen bietet für aggressive Umgebungsbedingungen – wie sie im Lager des Naturdarm-Anbieters herrschen – Regale mit einer von der Kulmbacher Firma BOT entwickelten Oberflächenbeschichtung an. Diese OR 6000 genannte Beschichtung kombiniert die Vorteile von Tauch-Zinkphosphatierung, Kathodischer Tauch-Lackierung (KTL) und Pulverlack. Die Basis des Systems bildet die Tauch-Zinkphosphatierung, die auf die mit dem Rauheitsgrad Sa 2,5 gestrahlten Bauteile aufgebracht wird. Sie ermöglicht eine gute Verankerung der folgenden Beschichtungen und erschwert zusätzlich die Unterrostung an eventuell schadhaften Stellen. Anschließend erhalten die Bauteile eine KTL-Beschichtung: Die aus der Automobilbranche bekannte kathodische Tauchlackierung ist weitgehend resistent gegen Treibstoffe, Öle, Säuren oder Laugen. Außerdem ist der Farbauftrag hoch-temperaturbeständig (bis 150 °C) und besonders gleichmäßig in der Schichtdicke. Dann folgt eine Grundierung mit einem speziellen Epoxidharz-Pulverlack, der eine besonders hohe Barrierewirkung ermöglicht. Den Abschluss bildet schließlich ein hoch-witterungsbeständiger Pulver-Decklack. In der Summe bietet dieser Beschichtungsaufbau einen Korrosionsschutz, der deutlich über den Maximal-Forderungen der DIN EN ISO 12944 „Korrosionsschutz im Stahlbau“ liegt. Auch die weitaus anspruchsvolleren Anforderungen im Offshore-Bereich, wie sie in der ISO 20340 beschrieben sind, erfüllt das System: „OR 6000 zeigt selbst nach 8.000 Stunden Salzsprühtest noch keinerlei Ermüdungserscheinungen“, betont Frank Kiefer, Vertriebsleiter bei BOT. Das überzeugte auch den Marktführer aus Crailsheim – und er erteilte den Auftrag für eine verfahrbare Regalanlage.

Das Lager bietet 4.180 Palettenstellplätze, verteilt auf einen Regalblock mit 10 Fahrwagen und einen zweiten Block mit 5 Fahrwagen. (Bild: Kaiser Fotografie)

Das Lager bietet 4.180 Palettenstellplätze, verteilt auf einen Regalblock mit 10 Fahrwagen und einen zweiten Block mit 5 Fahrwagen. (Bild: Kaiser Fotografie)

Der Betreiber lagert die Naturdärme in mit Salzlake gefüllten Fässern oder Kunststoffkisten (Bild: Kaiser Fotografie)

Der Betreiber lagert die Naturdärme in mit Salzlake gefüllten Fässern oder Kunststoffkisten (Bild: Kaiser Fotografie)

Beschichtung mit Wartungsvertrag

Der Regalbauer ließ alle Komponenten der Anlage – auch die Fahrwagen – einzeln bei BOT beschichten, wodurch an der fertig montierten Regalanlage keine unbeschichteten Stellen zu finden sind. „Wir haben eine zehnjährige Garantie auf die Anlage gegeben“, unterstreicht Ingo Schmitt vom Galler Verkaufsbüro in Karlsruhe. „Allerdings in Verbindung mit einem Wartungsvertrag: Die Anlage wird von uns jährlich begangen und eventuelle Beschädigungen ausgebessert.“ Denn auch das ist ein Vorteil der eingesetzten Beschichtung: Beschädigungen im Aufbau lassen sich mit einem speziellen Verfahren schnell und preiswert „punktuell“ reparieren. „Beim Ein-, Um- und Auslagern der Naturdarmgebinde besteht immer die Gefahr, die Oberflächenbeschichtung zu verletzen“, erklärt Kracher. „Die bisher aufgetretenen kleineren Anfahrschäden durch Stapler konnten problemlos behoben werden.“

Korrosionsgerechte Konstruktion

Doch nicht nur die besondere Oberflächenbeschichtung schützt das Regal vor der Salzlake, auch die Konstruktion selbst hat das Unternehmen angepasst. So konnten die Ingenieure Materialüberlappungen weitestgehend reduzieren und damit potenzielle Angriffsflächen für Korrosion vermeiden. Zudem treiben frequenzgeregelte Motoren die Verfahrregale an. „Damit ist ein sanftes Anfahren und Abbremsen möglich“, erläutert Schmitt. „So vermeiden wir unter anderem, dass Salzlake aus den Behältern schwappt.“ Nebeneffekt dieser Antriebstechnik: Der Betreiber kann die 15 Fahrwagen in eine sogenannte Kühlstellung bringen. Dabei werden die Regale gleichmäßig aufgefächert, sodass zwischen ihnen die Luft zirkulieren und die Ware gleichmäßig kühlen kann. Die Anlage läuft nun bereits seit Mitte 2016. „Bisher haben wir keine Probleme mit der Anlage“, so Kracher. „Die Schieberegale laufen störungsfrei. Und der Korrosionsschutz überzeugt – wie erwartet.“
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Über den Autor

Olaf Meier, freier Journalist für Galler
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