Effizienz sichert Zukunft

OEE-Betrachtungen in der Pharmaindustrie

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25.07.2008 Modeerscheinung oder zentrales Element der Zukunftssicherung? Am Thema „Overall Equipment Effectiveness“ (OEE) scheiden sich die Geister. Im Rahmen eines Pharma-Symposiums, das am Rande der 100-Jahr-Feier des Tablettenpressenherstellers Fette stattfand, suchten und fanden Experten Antworten auf die Frage.

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Steckt Substanz im Hype um OEE? – fragte der Unternehmensberater Morten Schlothauer, Tetragon Consulting, gleich zu Beginn der Veranstaltung im Juni, zu der über 200 Gäste nach Schwarzenbek angereist waren. Die derzeitige Situation der Pharmaindustrie ähnelt einer Klippe: Auslaufende Patente, wenig potenzielle Blockbuster in der Entwicklungspipeline und der zunehmende Angriff neuer Wettbewerber auf das mühsam erarbeitete Know-how führen zu einem dramatischen Rückgang der Profite. Als Antwort darauf entdecken immer mehr Pharmaunternehmen die Bedeutung des Faktors „Produktivität“. Beispielsweise kündigte der Pharmakonzern Bristol Myers Squibbs auf einer Analystenkonferenz im Mai einen „Productivity Approach“ mit einem Einsparpotenzial von 1,5 Mrd. Euro an. Bis 2011 sollen die Kosten der 27 BMS-Produktionsstätten um über 50% sinken.

In den Prozessschritten stecken noch große OEE-Potenziale

Eine der Maßzahlen dafür ist die Overall Equipment Effectiveness (OEE), die als Quotient aus aktuellem Produktionsvolumen (in spec) und maximal möglichem Produktionsvolumen berechnet wird. Zu den entscheidenden Parametern darin gehören die Auslastung und der Durchsatz. Berechnet man diese für einzelne Produktionsschritte, zeigt sich sehr schnell, dass bei typischen Prozessen wie der Granulation, dem Tablettieren, dem Coaten oder dem Verpacken noch große Potenziale ausgeschöpft werden können.

Doch dies setzt zunächst einmal Messungen und Analysen des Prozesses voraus. Olaf Kockmeyerr, Projektmanager Produktionssysteme bei NextPharma, berichtete von einem IT-Tool, basierend auf der Datenbank MS-Access, das der Lohnhersteller eigens dafür entwickelt hat, um Messgrößen für den Verbesserungsansatz Kaizen systematisch und in Echtzeit erfassen zu können. Gespeist werden solche Datenbanken in Zukunft mehr und mehr von Systemen der Prozessanalysentechnik (PAT), wie zum Beispiel NIR-Spektrometern, die den Wirkstoffgehalt von Tabletten direkt an der Tablettenpresse prüfen – führte Dr. Heino Prinz von Uhlmann Visio Tec aus.
Aber auch in den Maschinen, die in den Prozessschritten zum Einsatz kommen, sind noch längst nicht alle Verbesserungspotenziale ausgereizt. Laut Harald Römer, Forschungs- und Entwicklungschef bei Fette, steht beim Bau von Tablettenpressen ein Paradigmenwechsel bevor, der bereits auf der Achema 2009 vorgestellt werden soll. Zu den zentralen Aspekten darin gehören die Parameter Füllgeschwindigkeit, Reinigungszyklen und Integration bislang separater Peripheriegeräte.
Doch es ist nicht nur die Technik, die dazu beiträgt, dass die OEE steigt. „Unter den Triebkräften Mensch, Material, Maschine und Methode ist meiner Meinung nach der Mensch die wichtigste“, verdeutlichte Marco Kohler, Verkaufsleiter der Bosch Packaging Services AG. „Wir werden mehr Erfolg haben, wenn wir uns auf die Menschen konzentrieren“, erklärte Kohler und berichtete von Erfolgen in einem Serviceprojekt, bei dem der Wartungsdienstleister für das Ergebnis „steigende OEE“ bezahlt wird. „Nicht der externe Dienstleister soll das Instandhaltungsproblem lösen, sondern er muss den Kunden in die Lage versetzen, dies selbst zu tun“, ist sich Kohler sicher.

Dass das Thema OEE nicht nur ein Hype ist, sondern Substanz hat, darin war sich Axel Friedmann, Geschäftsführer bei Fette, am Ende der Veranstaltung sicher: „Alle anderen Industrien sind durch diese OEE-Themen gegangen – und das wird auch in der Pharmaindustrie, trotz der Schwierigkeiten des regulierten Umfeldes, funktionieren.“

100 Jahre

Unter dem Motto „Fortschritt durch Menschen und Innovationen“ feierte die zur LMT-Gruppe gehörende Fette GmbH im Juni ihr 100-jähriges Jubiläum. Mehr als 200 Experten waren der Einladung zu zwei Symposien (Pharma und Werkzeug) gefolgt. Fette war 1908 in Hamburg-Altona gegründet worden und fertigt seit Beginn Präzisionswerkzeuge. Nach dem zweiten Weltkrieg begann die Herstellung von Tablettenpressen für die Pharmaindustrie. 1952 wurde der Standort Schwarzenbek gegründet. Seit 1988 gehört Fette zur Leitz-Firmengruppe.

„Industrie undAusrüstungsherstellermüssen engerzusammenarbeiten“
Axel Friedmann ist Geschäftsführerdes Tablettenpressen-Herstellers Fette

Heftausgabe: Juli-August 2008
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Armin Scheuermann , RedaktionSagen Sie uns Ihre Meinung!Mail an: a.scheuermann@huethig.de

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