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Otten übernimmt Namur-Vorsitz / Anwender von Wireless-Konvergenzbemühungen enttäuscht

15.11.2011 Der Vorstand der Anwender-Interessengemeinschaft für Prozessautomatisierung, Namur, hat sich einen neuen Vorstandsvorsitzenden gewählt. Dr. Wilhelm Otten, Leiter der Geschäftseinheit Services bei Evonik Industries, hat das Amt am Freitag turnusgemäß von Dr. Norbert Kuschnerus, Bayer Technology Services, übernommen. Die Anwender forderten auf ihrer Hauptsitzung vehement einen konvergenten Standard für Wireless-Feldgeräte ein. Der Sponsor ABB skizzierte Potenziale der Prozessleittechnik.

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Der neue Namur-Vorstandsvorsitzende, Dr. Wilhelm Otten, dankte Dr. Norbert Kuschnerus für dessen Arbeit als Vorsitzender in der Zeit von 2002 bis 2011. Kuschnerus bleibt im Vorstand der Namur. Bereits am vergangenen Mittwoch hatte die Interessensgemeinschaft zwei neue Vorstandsmitglieder gewählt: Dr. Matthias Fankhänel, BASF, sowie Dr. Thomas Tauchnitz, Sanofi-Aventis, folgen auf Prof. Hans Schuler, BASF, und Dr. Peter Schuster, Sanofi-Aventis, die altershalber aus dem Namur-Vorstand ausscheiden. Zu den jüngst beschlossenen Satzungsänderungen der Anwendervereinigung gehört, dass der Vorstand zukünftig bis auf acht Mitglieder erweitert werden kann. 

Trendthemen Kompetenz-Ausbau / Lücke zwischen Verfahrenstechnik und Automatisierung

Aus Sicht von Wilhelm Otten zeichnen sich für die nächsten Jahre einige Trendthemen ab: So wird der Kompetenz-Ausbau und -Erhalt einen noch größeren Stellenwert gewinnen. „Die Namur hat teilweise Funktionen übernommen, die früher in den großen Mitgliedsfirmen übernommen wurden“, erläuterte Otten. „Wir müssen es schaffen, die Lücke zwischen Verfahrenstechnik und Automatisierung zu schließen, um Optimierungspotenziale zu heben.“ Dazu ist es einerseits notwendig, mehr Prozesswissen in die Mess- und Regelungstechnik zu bringen, andererseits das Grundwissen der MSR in die Breite betrieblicher Funktionen zu tragen.

Die diesjährige Namur-Hauptsitzung stand unter dem Motto „Prozessleittechnik – Wege in die Zukunft“. Dr. Peter Terwiesch, Vorstandsvorsitzender des diesjährigen Sponsors ABB, skizzierte in seinem Plenarvortrag die derzeitgen Trends in der Leittechnik und beantwortete die Frage, weshalb Leitsysteme bis heute nicht ausgestorben sind: „Die Anzahl der IOs steigt ebenso wie dei Anzahl der funktionalen Bereiche, die von einem Bediener versorgt werden.“ Im Verlauf der Veranstaltung wurde deutlich, dass durch den Einsatz von Prozessleittechnik und vor allem integrierter Systeme sich noch deutliche Verbesserungs- und Einsparpotenziale heben lassen. Sei es durch neue Bedienkonzepte, die den Anlagenfahrer entlasten, oder aber der Integration von Automation und Elektrotechnik. 

Namur-Umfrage: Anlagenverfügbarkeit könnte mit teurerer Leittechnik noch gesteigert werden

Dr. Michael Krauß, BASF, stellte eine aktuelle Umfrage der Namur unter Anwendern und Anbietern von Leitsystemen vor. Demnach – so die Leittechnik-Anbieter – könnte die Verfügbarkeit von Produktionsanlagen mit Mitteln der Leittechnik noch weiter gesteigert werden, wenn die Anwender dafür höhere Preise akzeptieren würden. Auf der anderen Seite – so ein weiteres Schlaglicht der Untersuchung – trauen die Anwender den Lieferanten noch nicht zu, dass diese das Thema Migration in Zukunft auf für die Betreiber befriedigende Weise in den Griff bekommen werden.

Namur gegen breiten Einsatz „nicht konvergenter“ Wireless-Technik

Für einen Paukenschlag sorgte Martin Schwibach, BASF, im Rahmen eines Workshops, auf dem Sean Keeping, ABB, den Stand der Konvergenzbemühungen zur Standardisierung bei Wireless Automation (Heathrow-Gruppe) vorgestellt hatte: „Der aktuelle Stand im Konvergenz-Prozess entspricht nicht unseren Erwartungen. Der Einigungsprozess ist immer noch auf dem Stand einer politischen Diskussion“, kritisierte Schwibach und empfahl den Namur-Mitgliedern Wireless-Sensornetzwerke erst dann in einem breiten Anwendungsspektrum einzusetzen, wenn konvergente Technologie und konvergente Geräte auf dem Markt verfügbar sind. Eine Linie, die zuvor bereits Namur-Vorstand Dr. Norbert Kuschnerus vorskizziert hatte: „Wir werden als Namur unseren Mitgliedern nicht empfehlen, eine Technik einzusetzen, für die es nicht ´einen´ konvergenten Standard gibt.“

Im kommenden Jahr wird die Namur-Hauptsitzung unter dem Schwerpunkt „Aktorik – von der Handdrossel zum smarten Stellgerät – stehen. Sponsor der Namur-Hauptsitzung 2012, die am 8. und 9. November stattfindet, wird der Armaturenhersteller Samson sein.

 

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