Neue Herausforderungen

P+F- Trendbericht: Entwicklungen bei Verpackungsmaschinen

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04.02.2010 Gleich, ob Pharma-, Lebensmittel- oder Kosmetikindustrie – die Anforderungen an die Verpackungsmaschinen steigen ständig. Flexibilität und ein hoher Automatisierungsgrad stehen dabei oft im Vordergrund. Der Kostendruck ist nach wie vor enorm und erfordert verstärkt Maschinenkonzepte, die die individuellen Zielsetzungen der Hersteller optimal unterstützen. Die Redaktion Pharma+Food sprach mit einigen namhaften Herstellern.

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Entscheider-Facts


Für Hersteller
  • Die Nachfrage nach technologisch komplexen Lösungen steigt; der Trend geht eindeutig hin zu hochentwickelten Maschinen.
  • Weitere Forderungen sind geringer Platzbedarf, schnelle und einfache Formatwechsel sowie eine hohe Ausbringleistung bei höchster Verarbeitungsqualität.
  • Produktionssicherheit, hohe Verfügbarkeit und Produktqualität sind
  • wichtige Schlagworte, insbesondere in der Pharmaindustrie. Insofern wird auch der After-sales-Service immer wichtiger.

Die Schweinegrippe weist den Verpackungsmaschinenherstellern den Weg: Als im Sommer 2009 riesige Mengen Impfstoff bestellt wurden, benötigten Impfstoffhersteller verstärkt Maschinen mit höheren Leistungen, um bei einer solchen Nachfrage entsprechend schnell reagieren zu können.

„Die Nachfrage nach technologisch komplexen Lösungen steigt“, erklärt Friedbert Klefenz, Vorsitzender des Bereichsvorstands von Bosch Packaging Technology, „der Trend geht eindeutig zu hochentwickelten Maschinen.“ Diese zeichnen sich nicht zuletzt durch eine hohe Automation aus. Der Automatisierungsgrad einer Anlage passt sich dabei flexibel dem Kundenwunsch an. Chargen- und Formatwechsel können vollautomatisch ablaufen oder der Ausstoß dem Produktionsbedarf entsprechend gesteigert werden. Was bei einer einzelnen Maschine vergleichsweise einfach ist, wird bei einer Linie – bei der verschiedene Anlagen hintereinander geschaltet sind – jedoch schnell zur Herausforderung. Zum Beispiel müssen Schnittstellen hier verlässlich aufeinander abgestimmt sein. Deshalb kommen mehr und mehr modulare Maschinenkonzepte zum Einsatz. Deren Vorteil: Die Maschinenmodule sind aufeinander abgestimmt und können individuell zusammengestellt und ausgebaut werden. Individuell abgestimmte Dienstleistungspakete unterstützen darüber hinaus den effizienten und wirtschaftlichen Produktionsprozess. Betrachtet man insbesondere die Total Cost of Ownership (TCO) so haben technologisch komplexe, hochentwickelte Lösungen oftmals deutliche Vorteile. Letztendlich geht es dem Kunden ja auch um seine Wettbewerbsvorteile.

Schnell auf den Markt reagieren
In der Kosmetikbranche wird die jahrzehntelange Konzentration auf hochpreisige Produkte allmählich zu einem Problem. Eine Herausforderung für die größeren Kosmetikhersteller besteht nun darin, sich auf die Sparmentalität der krisengebeutelten Verbraucher einzustellen. Sie müssen schneller auf die Nachfrage am Markt reagieren können. „Um die breiten Produktpaletten kurzfristig an den Markt anzupassen, ist eine höchstmögliche Flexibilität in der Produktion gefordert; darauf sind unsere Anlagen abgestimmt“, so Jens Groninger, Geschäftsführer von Groninger Maschinenfabrik. Darüber hinaus sind die generellen Trends schon eine Herausforderung an sich: geringer Platzbedarf, schnelle und einfache Formatwechsel sowie eine hohe Ausbringungsleistung bei höchster Verarbeitungsqualität lautet die To-do-Liste der Kosmetikhersteller für die Verpackungsmaschinenbranche.

Die Lebensmittel- und die Kosmetikbranche sind sehr viel mehr von Innovationen und Neuerungen des Produkt-Marketings abhängig als die pharmazeutische. Der Umsatz wird mit neuen Produktlinien, Geschmacksrichtungen, Verpackungsausstattungen usw. angekurbelt. In beiden Branchen – Food und Kosmetik – herrscht daher neben „Klassikern“ eine enorme Produktvielfalt, und der Lebenszyklus der Produkte ist dementsprechend unterschiedlich lang bzw. kurz. Bei zurückhaltenden Konsumenten ist es natürlich umso schwieriger, die Neuerungen erfolgreich zu vermarkten. Für den Verpackungsmaschinenbau bedeutet das, dass die Anlagen sehr flexibel sein müssen: Die Formatbandbreite muss sehr groß sein, und die Formatwechsel müssen schnell durchführbar sein. „In der Kosmetikbranche sind viele Behältnisse so individuell geformt, dass sie mit „konventionellen“ Transportsystemen nicht zu verarbeiten wären“, weiß Hans Bühler, geschäftsführender Gesellschafter der Optima Packaging Group. darüber hinaus sollen sich die Maschinen auch auf einfache Weise für ganz neue Produkte anpassen lassen, wenn dies der Markt erfordert. Schnelle Formatwechsel, beispielsweise mit SMED-Vorrichtungen, oder modulare Maschinen sind da klar im Vorteil.

Flexibilität ist angesagt
95 % der Kunden von Bausch+Ströbel kommen aus der Pharmaindustrie. Hier wächst derzeit das Segment Biotechnologie rasant. „In diesem Zusammenhang sind es vor allem die komplexen Herstellungsverfahren, die neue Herausforderungen an uns als Spezialmaschinenhersteller stellen , sowie die Tatsache, dass hier oft eher kleine Chargen abgefüllt bzw. verpackt werden“, erklärt Siegfried Bullinger, geschäftsführender Gesellschafter von Bausch+Ströbel. Das Unternehmen stellt seinen Kunden sehr flexible Technologien zur Verfügung, etwa Maschinen, die mit den unterschiedlichsten Füll- oder Verschließsystemen ausgestattet sind und die sich schnell und problemlos auf andere Medikamente bzw. andere Packmittel umstellen lassen.

Auch im Hause Gerhard Schubert Verpackungsmaschinen stellt man sich dem Thema Flexibilität; man glaubt, dass es möglich ist, Verpackungsmaschinen zu konzipieren, die sich vollautomatisch blitzschnell auf unterschiedliche Produkte umstellen. „Schon auf der Interpack 2011 werden wir eine TLM-Maschine vorstellen, die sich alle 10 Minuten auf ein neues Produkt umstellt“, berichtet Gerhard Schubert, Geschäftsführer des Unternehmens. Derzeit denkt man daran, mit dieser Maschine Schokolade-Osterhasen, Bonbon-Beutel und Kekse zu verpacken.

Auf Modularität setzt man bei Körber Medipak. Die Maschinen und Anlagen können so gemäß den aktuellen Kundenbedürfnissen konfiguriert werden und sind jederzeit offen für zukünftige Anforderungen. „Daran werden wir auch in Zukunft weiterarbeiten“, so Gerhard Breu, CEO Körber Medipak.

F&E und Aftes-sales-Service sind das A&O
Auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten haben Forschung und Entwicklung einen hohen Stellenwert – oder gerade dann. Innovationen entstehen nicht selten unter erschwerten Bedingungen. Nur mit Neuentwicklungen kann man den Kundenwünschen nach höherer Leistung etc. gerecht werden; dies gilt ganz besonders für Spezialmaschinenbauer. Innovationen sind immer noch eines der wichtigsten Differenzierungsmerkmale am Markt. Neben dem Tagesgeschäft laufen F&E-Programme, um zukünftige Anwendungen ökonomisch, prozesssicher und auf höchstem Qualitätsniveau realisieren zu können.

Produktionssicherheit, hohe Verfügbarkeit und Produktqualität sind wichtige Schlagworte, insbesondere in der Pharmaindustrie. Insofern gewinnt auch der After-sales-Service einen immer höheren Stellenwert. Die Zeiten, in denen ein Projekt mit der Auslieferung der Anlage als erledigt betrachtet wurde, sind lange vorbei. Erfolgreich am Markt agieren kann ein Unternehmen nur dann, wenn es einen ganzheitlichen Ansatz verfolgt. „Durch die deutlich gestiegene Komplexität der Anlagen und den hohen Automatisierungsgrad ist es heute wichtiger denn je, dem Kunden über die gesamte Einsatzdauer der Anlage eine komplette und umfassende Betreuung zu bieten“, so Siegfried Bullinger. Dafür sprechen nicht zuletzt ökonomische Überlegungen. Mit der gestiegenen Ausbringungsleistung bei Verpackungsmaschinen muss schnell reagiert werden, wenn mal etwas nicht funktioniert.

Neues aus der Entwicklung
Die Ergebnisse aus Forschung und Entwicklung werden sich auch dieses Jahr wieder sehen lassen können. Körber Medipak baut derzeit für einen Kunden die nach eigener Angabe weltweit erste komplette „White-Line“ für Tablettenblister-Packungen auf. Eine Neuheit bei Groninger ist ein Laborsystem für die Herstellung von kleinen Chargen oder für die Durchführung von klinischen Studien. Diese Anlage hat die gleichen Merkmale wie eine Hochleistungsproduktionslinie. Darüber hinaus wartet das Unternehmen mit einer neuen Sortiertechnologie auf. Hier erfolgt die Zuführung von Flaschen, Verschlüssen und anderen Verpackungskomponenten auf Groninger-Anlagen erstmals über Roboterapplikationen. Die Objektzuführung kann dabei als Schüttgut oder mit Trays erfolgen.

Ein neues Betätigungsfeld für Schubert ist das Manufacturing Execu-
tion System, dem man sich derzeit voll widmet. Ende des Jahres wird es ein Anlagencockpit, ein übergeordneter Rechner mit Schnittstellen zu anderen Rechnern, geben, das man kontinuierlich erweitern und den Anforderungen der Produktion anpassen kann.

Neben zahlreichen neuen Produkten baut Bosch zurzeit ein neues Geschäftsfeld auf, nämlich das Abfüllen von flüssigen und pasteusen Nahrungsmitteln in wiederverschließbare Beutel. Letztes Jahr wurde deshalb die Firma Pouch Systems gegründet. Pouch bietet – in einem Gesamtpaket – die komplette Abfülltechnik und zusätzlich das Verpackungsmaterial. Gerade in diesem Geschäftsfeld hat man gute Wachstumschancen. Optima wird die Modulbauweise für verschiedene Branchen noch stärker forcieren. Damit gelingt es, viele Aufgaben des Sondermaschinenbaus zu standardisieren. Die Vorteile, die sich daraus ergeben, sind zum Beispiel schnellere Projektlaufzeiten, geringere Kosten, von Beginn an ausgereifte, aufeinander abgestimmte Maschinenelemente und eine höhere Flexibilität bei späteren Änderungen.

Bei Bausch+Ströbel arbeitet man derzeit vor allem daran, Maschinen noch kundenfreundlicher zu gestalten. Dazu gehört zum Beispiel Wartungsfreiheit oder eine einfache und möglichst werkzeugfrei und zum Teil automatisch zu realisierende Umstellung der Anlage auf andere Formate und Produkte sowie höhere Geschwindigkeiten. Wichtiges Thema ist auch die Sicherheit. So könnten zum Beispiel Mitarbeiter, die im Pharmaunternehmen an einer Anlage arbeiten, sich künftig nicht mehr nur mit einem Code ausweisen – ein Armband, das ein entsprechendes Signal aussendet (RFID) kann ebenfalls zum Einsatz kommen. Die lückenlose Dokumentation des Arbeitsprozesses über jedes einzelne
gefüllte Vial, jede einzelne Spritze, ist ebenfalls eine Kundenanforderung, der die B+S-Maschinen gerecht werden.

 

Heftausgabe: Februar 2010
Birgit Lind, Redaktion

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