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Pharma-Trends auf der Interpack

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12.06.2008 Die Verpackungsindustrie boomt: Weltweit verzeichnet die Branche Wachstumsraten zwischen 2 und 4%. Mit knapp 5Mrd. Euro Umsatz 2007 bleiben deutsche Maschinenbauer im Bereich der Verpackungstechnik auch weiterhin Weltmarktführer. Die in dreijährigem Turnus stattfindende Interpack ist das bedeutendste Trendbarometer der Branche, ein Erfolgsgarant ebenso wie die Innovationskraft vieler Aussteller.

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Bereits 1958 setzten Aussteller auf der ersten Interpack Maßstäbe. Und 2008 sind es wieder diese Unternehmen, die auf die Bedürfnisse des Marktes vorausschauend reagiert und die Marschrichtung für die nächsten Jahre vorgegeben haben. Ein zentrales Thema hierbei besonders für den Bereich der pharmazeutischen Verpackungen: Lösungen zum Schutz vor Produkt- und Markenfälschungen.

Arzneimittelfälschungen sind hier zu Lande mengenmäßig zwar kein bedeutsames Problem. Von 1996 bis Anfang 2008 sind dem Bundeskriminalamt lediglich 49 Fälle von Produktfälschungen in der legalen Verteilerkette bekannt geworden. Auch schätzt die Weltgesundheitsorganisation WHO den Anteil der Fälschungen am Arzneimittelumsatz in Ländern mit effektiven Zulassungs- und Vermarktungsregelungen, wie den USA oder Japan, auf weniger als 1%.
In sich entwickelnden Regionen – etwa in den Ländern der ehemaligen Sowjetunion – stellt sich die Situation aber anders dar. Dort, so die WHO, liegt der Anteil der Fälschungen am gesamten Arzneimittelumsatz bei 10 bis 30%. Das Internet hat sich hierbei zum vermutlich wichtigsten Vertriebskanal entwickelt.

Internationales Problembewusstsein, unternehmerische Lösungen

Auf internationaler Ebene ist längst ein entsprechendes Problembewusstsein entstanden: So veröffentlichte beispielsweise der europäische Pharmaverband EFPIA 2006 ein Weißbuch, in dem er unter anderem ein EU-weit abgestimmtes System für transparente Logistikketten anregt. Weiter treten bereits im kommenden Jahr weltweit Gesetze in Kraft, die die lückenlose Nachverfolgbarkeit von Pharmaprodukten vorschreiben. Überlegungen und Vorgaben, die letztlich die Kennzeichnung der kleinsten Verkaufseinheit voraussetzen. Da ist es nur konsequent, dass Unternehmen bereits auf der diesjährigen Interpack mit so genannten Track-&-Trace-Lösungen Schwerpunkte gesetzt haben. Der Markt für derartige Sicherheitssysteme scheint riesig, auch wenn Fachleute noch immer über Vor- und Nachteile von 2D-Codes gegenüber RFID-Tags diskutieren.

Track-&-Trace by Uhlmann markiert pharmazeutische Produkte mit 2D-Codes oder RFID-Tags; empfohlen wird allerdings die bereits weitgehend standardisierte 2D-Technologie. Codes und Tags enthalten eine eindeutige Seriennummer und verschlüsseln Daten wie Chargennummer und Haltbarkeitsdatum. Laser- oder Inkjet-Drucksysteme bringen die Codes auf den Faltschachteln an, Kameras lesen sie ein. Anschließend werden die Daten in einer Tracking-Datenbank gespeichert und für übergeordnete Systeme bereitgestellt. Kommende gesetzliche Vorgaben wären allein damit bereits erfüllt.
Track-&-Trace-Systeme kennzeichnen allerdings nicht nur Faltschachteln und Versandkartons. Auch jeder Blister ist mit einem 2D-Code, der sämtliche produktionsrelevanten Informationen enthält, markierbar. Diese Informationen lassen sich darüber hinaus in derTracking-Datenbank an die Daten der nächst größeren Verpackungseinheit koppeln. Die Informationen aus einem Blister-Code – zum Beispiel Siegeldruck und Folientyp – sind mit den Code-Daten der Faltschachtel, diese wiederum mit dem Code des Versandkartons und der mit dem der Palette koppelbar. Parent-Child-Relationship nennt sich dieses tiefgehende Informationsprinzip, das ein gewaltiges Plus für die Fälschungs-, Produkt- und Prozesssicherheit bedeutet.
Dank Parent-Child-Relationship steigt der Informationsgehalt für den Pharmazeuten um ein Vielfaches. Er ist mittels 2D-Code oder RFID-Tag jederzeit in der Lage zu belegen, ob es sich bei dem Produkt um ein Original oder eine Fälschung handelt. Verwechslungen unbedruckter Blister lassen sich vermeiden, Produktionsdaten im Nachhinein mühelos überprüfen, fehlerhafte Verpackungen zuverlässig aussortieren und etwaige Rückrufaktionen zielsicher koordinieren.

Maschinenbauer reagieren aufsteigende Produktvielfalt

Derartige Track-&-Trace-Systeme tragen nicht nur dem gesteigerten Sicherheitsbedürfnis der Kunden Rechnung, sie erschließen auch neue, anspruchsvolle Zielgruppen. Sinnvoll ergänzen sie zudem moderne Hochleistungslinien, wie die Blistermaschine B1660 mit dem Kartonierer C2504. Beide Maschinen kommen ebenso der in letzter Zeit wegen der steigenden Produktvielfalt entstandenen Nachfrage nach flexiblen und effizienten Linienlösungen entgegen. Flexibilität ist vor allem in Bezug auf Formatumstellungen, verarbeitbare Materialien, Produktgeometrien und Blisterlayouts gefragt.

Die Blistermaschine B1660 verarbeitet bei einer Geschwindigkeit von maximal 700Blistern/min und einem Formatbereich von bis zu 280 x 284mm alle festen Produktformen und gängigen Folientypen. Mit ihrer kontinuierlichen Zuführung und rotativen Siegelung ist die B1660MTK für Blister mit symmetrischen Produkten geeignet. Für Ziehtiefen bis 12mm und Produkte wie Kalender- und Musterverpackungen sowie Großblister mit Versteifungsrippen oder Alu-Blister hingegen wurde die B1660MTI mit intermittierender Plattensiegelung entwickelt. Weiter eignet sich das Prinzip der getakteten Siegelung besonders für die Verarbeitung von speziellen Deckfolien, zum Beispiel Laminaten aus Papier, sogenannten Peel- oder Peel-push-Blistern. Sehr gut ergänzt wird die Leistungsfähigkeit der Blistermaschine zudem durch den Kartonierer C2504. Maximal 500 Faltschachteln/min und schnelle Formatumstellungen per Knopfdruck werden selbst höchsten Produktionsanforderungen gerecht.
Die Blistermaschine B 1660 zeichnet sich aufgrund technischer Weiterentwicklung durch eine im Schnitt um 20% gesteigerte Wirtschaftlichkeit aus. So sind zum Beispiel die Umrüstzeiten bei der B1660 je nach Linienkombination um 30 bis 40% kürzer und die Lebenszykluskosten um 30% niedriger.
Weiter kommt die Maschine ohne Zusatzpackgutkette beim Kartonierer aus. Saugerarme entnehmen die Blister in der Anlage aus der Stanze und geben sie an ein Vakuumband weiter. Von dort gelangen sie in eine Zwischenablage, wo die Blisterbahnen zentriert und anschließend zur Packgutkette abgesenkt und eingeschoben werden. Das spart Platz und Geld.

Zuführung erfüllt Anforderungen an eine flexible Produktion

Neu an der Blistermaschine B1660 ist auch die Zuführung SimTap3. SimTap bedeutet „simultanes Tablettenplatzieren“, ein Funktionsprinzip, bei dem die Anzahl an Produkten, die simultan abgelegt werden, genau der Anzahl an Blisterhöfen entspricht. Die SimTap3 ist nicht nur wesentlich schneller als herkömmliche Zuführungen. Sie verfügt auch über eine größere Zuführeinheit und lässt sich dank weniger Formatteile und servogesteuerten Einstellungen leichter umrüsten und reinigen. Sie erfüllt die Anforderungen an eine flexible Produktion in höheren Leistungssegmenten mit anspruchsvollen Anwendern.

Segmente und Kunden, wie sie die Haupt Pharma Brackenheim mit einer Jahreskapazität von über 200 Mio. zum Teil konfektionierten Blistern bedient. Das Unternehmen gehört zur internationalen Haupt Pharma AG, die unter anderem für 15 der 25 weltweit führenden Pharmaunternehmen arbeitet. „Da können wir keine Kompromisse machen“, erklärt Karl-Heinz Renner, Geschäftsführer der Haupt Pharma Brackenheim. Für ihn war der Kauf der ersten fertig gestellten B1660 mit dem Kartonierer C2504 in Linie nahe liegend. „Bei diesem Hersteller“, so Renner, „haben wir die beste Ersatzteilverfügbarkeit und den besten Service. Das sind Kriterien, die uns die Entscheidung im Sinne unserer Kunden leicht gemacht haben.“

Track-&-Trace-Systeme tragen dem gesteigerten Sicherheitsbedürfnis der Kunden Rechnung

Heftausgabe: Juni 2008
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Über den Autor

Oliver Naucke , Head of MarketingUhlmann Pac-Systeme
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