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Pharmabranche setzt auf Biotechnologie

04.01.2002 Dies geht aus einer Studie des Fraunhofer-Instituts für Systemtechnik und Innovationsforschung ISI zum Einfluss der Biotechnologie auf die pharmazeutische Industrie hervor. Amerikaner sind aktiver in der Forschung Insbesondere bei der forschungsintensiven Wirkstoffforschung weisen demnach viele Anzeichen auf eine sinkende Wettbewerbsposition Deutschlands hin. Deutsche Unternehmen geben wesentlich weniger für Forschung und Entwicklung aus als beispielsweise die

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Dies geht aus einer Studie des Fraunhofer-Instituts für Systemtechnik und Innovationsforschung ISI zum Einfluss der Biotechnologie auf die pharmazeutische Industrie hervor.


Amerikaner sind aktiver in der Forschung


Insbesondere bei der forschungsintensiven Wirkstoffforschung weisen demnach viele Anzeichen auf eine sinkende Wettbewerbsposition Deutschlands hin. Deutsche Unternehmen geben wesentlich weniger für Forschung und Entwicklung aus als beispielsweise die Vereinigten Staaten. Dort liegen die Ausgaben mit jährlich 19 Mrd. € deutlich höher als in Europa, das insgesamt rund 14 Mrd. € für die Erforschung und Entwicklung neuer Pharmazeutika ausgibt.
Obwohl Europa seine Ausgaben in den letzten fünf Jahren damit um knapp 60% steigerte, reicht dies nicht aus, den erheblichen Innovationsschub in den USA auszugleichen. Dort betrug die Steigerungsrate fast 120%.


Biotechnologie in USA stärker vertreten


Ein weiterer Grund für Deutschlands Rückstand ist die unterschiedlich starke Verbreitung moderner biotechnologischer Verfahren in der Pharmaindustrie. Nach den Untersuchungen der Fraunhofer-Forscher ist in Deutschland der Durchdringungsgrad der Biotechnologie im Pharmasektor deutlich geringer als in den Vereinigten Staaten. So wiesen Ende der 90er Jahre weltweit bereits 40% der pharmazeutischen Patentanmeldungen eine Verbindung zur Biotechnologie auf. Doch während die Vereinigten Staaten gut 5% über dem weltweiten Durchschnitt liegen, liegt Deutschland rund 5%darunter.


Große Pharmakonzerne betreiben zu wenig Forschung


Auch in der Unternehmensstruktur der biotechnologierelevanten Pharmaforschung kam es in den letzten Jahren in Deutschland zu bemerkenswerten Verschiebungen. Die großen multinationalen Pharmakonzerne haben ihre führende Rolle deutlich eingebüßt. Ihr Anteil an den Patentanmeldungen ist im Verlauf der 90er Jahre von 65% auf 43%gefallen. Die abgegebenen Anteile gingen an Biotechnologieunternehmen und an so genannte Wissenschaftserfinder. Dahinter verbergen sich häufig Hochschulen.
In den USA war das Verhältnis zwischen den großen Pharmafirmen und den jungen Biotechnologiefirmen insgesamt deutlich ausgeglichener.


Deutsche Biotechnologie-Unternehmen als Know-how-Lieferanten gefragt


Kooperationen sind für die großen Pharmakonzerne ein Weg, sich das notwendige Know-how und die neuesten Ergebnisse der biotechnologierelevanten Pharmaforschung sicherzustellen. Das zeigen Analysen der Wissenschaftler des Fraunhofer ISI zum Publikationsverhalten der Unternehmen.
Während insbesondere deutsche Universitäten zugunsten amerikanischer Einrichtungen an Bedeutung verloren, setzen sich deutsche Biotechnologieunternehmen als Lieferanten von Know-how zunehmend besser in Szene. Sie konnten mittlerweile die US-Monopolstellung der 90er Jahre durchbrechen. Waren früher ausschließlich amerikanische Biotechnologieunternehmen an den Publikationen deutscher Pharmakonzerne beteiligt, so stellen deutsche Biotechnologieunternehmen mittlerweile bei 22% aller Publikationen die Koautoren.

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