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Pharmaindustrie: Die Rückkehr der Mega-Deals

04.10.2002 Führend bei den Übernahmen sind nach wie vor Unternehmen aus Nordamerika, gefolgt von europäischen und asiatischen Firmen. Deutsche Unternehmen waren im ersten Halbjahr 2002 weltweit an drei der zehn größten Transaktionen beteiligt: Schering übernahm die US-Unternehmen Immunex-Leukine und Collateral Therapeutics, Viatris (Degussa) wurde durch die Private Equity-Firma Advent International aus den USA übernommen. Die Analyse

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Führend bei den Übernahmen sind nach wie vor Unternehmen aus Nordamerika, gefolgt von europäischen und asiatischen Firmen. Deutsche Unternehmen waren im ersten Halbjahr 2002 weltweit an drei der zehn größten Transaktionen beteiligt: Schering übernahm die US-Unternehmen Immunex-Leukine und Collateral Therapeutics, Viatris (Degussa) wurde durch die Private Equity-Firma Advent International aus den USA übernommen.


Die Analyse der M&A-Aktivitäten in der Pharma-Industrie verzeichnet weltweit einen leichten Anstieg der Transaktionsanzahl von 165 im ersten Halbjahr 2001 auf 171 in den ersten sechs Monaten dieses Jahres. Das Transaktionsvolumen sank dagegen stark von 27 Mrd. US-$ im ersten Halbjahr 2001 auf rund 5 Mrd. US-$ in der ersten Jahreshälfte 2002. Durch die erwartete Übernahme von Pharmacia durch Pfizer für 53 Mrd. US-$ wird das Transaktionsvolumen für das gesamte Jahr 2002 jedoch über dem Vorjahreswert von 61 Mrd. US-$ liegen.


„Die Herausforderung für die Pharma-Unternehmen besteht heute vor allem darin, die Produktivität ihrer Forschungs- und Entwicklungsbereiche zu verbessern“, erläutert Volker Fitzner, M&A-Experte für die Pharma-Branche bei der PwC Corporate Finance-Beratung: „Ob dies allein durch Fusionen gelingt, bleibt abzuwarten.“


Strategien der Unternehmen differieren stark


Den zehn größten Transaktionen des ersten Halbjahres 2002 liegen sehr unterschiedliche Strategien zugrunde. Einerseits werden reine Arzneimittel-Entwickler durch den Zukauf etablierter Vertriebs- und Marketingstrukturen zu integrierten Pharma-Unternehmen, so genannten FIPCOS (Fully-Integrated Pharmaceutical Companies). Durch Beteiligung an der gesamten Wertschöpfungskette – von der Entwicklung bis hin zum Verkauf – können sie den gesamten finanziellen Nutzen aus der Verwertung des geistigen Eigentums erzielen, und nicht nur einen Teil davon in Form von Lizenzgebühren abschöpfen.


Andererseits akquirieren Pharma-Unternehmen gezielt auf der Produktebene, anstatt wie in der jüngsten Vergangenheit auf technologische Plattformen zu setzen. Der deutsche Pharma-Konzern Schering erwarb so durch die Übernahme von Collateral Therapeutics zwei Wirkstoffe zur Behandlung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie durch die Akquisition von Immune den Krebswirkstoff Leukine.


Darüber hinaus ist eine weitere Konsolidierung des Biotechnologie-Bereichs zu erwarten, da einerseits die Pharma-Industrie ihre Forschungs- und Entwicklungspipeline füllen kann, andererseits vielen Biotech-Unternehmen im schwierigen Finanzierungsumfeld die kritische Marktgröße fehlt. Der angekündigte Boom ist bisher allerdings ausgeblieben.


Der bedeutendste Biotech-Deal in der ersten Jahreshälfte 2002 war der Erwerb des niederländischen Konkurrenzunternehmens Rhein Biotech durch Berna Biotech aus der Schweiz für 257 Mio.  US-$. Somit ist die Schweizer Firma nun weltweit der zweitgrößte reine Impfstoffentwickler nach dem britischen Unternehmen Powder Ject. In Deutschland schaffte es kein Biotech-Unternehmen in die Top 10-Liste der Pharma-Transaktionen. Die Fusion von Curacyte und VitaResc Biotech weist beispielsweise lediglich ein Transaktionsvolumen von 7 Mio. Euro als zusätzlich von den Hauptinvestoren bereitgestelltes Kapital aus.


Bereich der Generika entwickelt sich zum Weltmarkt


Die Untersuchung von PwC bestätigt, dass sich der Bereich der Generika von einem regionalen zu einem weltweiten Markt entwickelt. Damit folgen die generischen Produkte dem Vorbild der Original-Arzneimittel. So übernahm im Jahr 2002 die kroatische Firma Pliva für 212 Millionen US-Dollar das US-Geschäft der Firma Sobel, die in den Niederlanden ansässig ist.


Mit Abbott Laboratories steht die erste vollständige Übernahme eines japanischen Pharma-Unternehmens durch eine westliche Firma bevor. So plant Abbott für 293 Mio. US-$ die Hokuriku Seiyaku Co Ltd. zu übernehmen. Dies ist ein deutliches Zeichen für die Bestrebungen westlicher Pharma-Hersteller, ihre Marktposition in Japan, dem weltweit zweitgrößten Pharma-Markt nach den USA, zu stärken.


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