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Pharmamarkt: Deutschland forscht – das Ausland profitiert

12.07.2013 Eine Studie des US-amerikanischen Beratungsunternehmens A.T. Kearney hat die Innovationskrise der Pharmaindustrie untersucht und zeigt konkrete Wege aus der Krise. Die deutschen Pharmaunternehmen hätten dabei die Chance wieder zur Weltspitze aufzuschließen, meint das Beratungsunternehmen.

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Die Pharmaindustrie hat in den letzten 10 Jahren über 1.130 Mrd. US-Dollar für Forschung und Entwicklung ausgegeben. Dennoch sind neue umsatzstarke Blockbuster in den vergangenen Jahren immer seltener geworden. Die Innovationskrise ist ein signifikantes Risiko für die Zukunft der Industrie. Nur eine konsequente Neuordnung der gesamten Pharmawertschöpfungskette kann eine tragfähige Lösung bringen.

A.T. Kearney hat ermittelt, dass nur etwa 260 Mrd. US-Dollar – oder 23 % – der in den letzten 10 Jahren investierten Forschungsgelder tatsächlich in erfolgreich eingeführte Produkte flossen. Die restliche Summe wurde zumeist in teure Fehlschläge investiert. Doch einige Probleme sind hausgemacht: Etwa 43 % beziehungsweise 480 Mrd. US-Dollar gingen in Projekte, die nicht durch Studienergebnisse, sondern durch Managemententscheidungen gestoppt wurden. Die Kreativität blieb dabei auf der Strecke. Pharmaforschung ist auf die besten Köpfe angewiesen. Gerade diese verwirklichen ihre Ideen nicht mehr in den unter Kostendruck stehenden Industrielabors.

Das traditionelle Geschäftsmodell der Pharmabranche beruht auf einer geraden Linie aus dem Labor zur profitablen Vermarktung eines patentgeschützten Wirkstoffs. Für die meisten Unternehmen der Branche ist dies nicht mehr haltbar. Viele Pharmafirmen müssen radikale Schritte ergreifen, um ihre Innovationskrise zu lösen und neue Wege von der Idee zum medizinischen Fortschritt zu ermöglichen. Die Studie „Unleashing Pharma from the R&D Value Chain“ analysiert daher erstmalig nicht nur die Probleme, sondern zeigt konkrete Wege zu einer Neuordnung der Pharmaindustrie und ihrer Wertschöpfungskette auf.

Zeit für eine strategische Neuorientierung
„Das Potenzial für global kommerziell erfolgreiche Innovationen ist in Deutschland vorhanden“, sagt Dr. Oliver Scheel, Partner bei A.T. Kearney in Deutschland und Leiter des Beratungsbereichs Pharma and Healthcare. Das mit 9,6 Mrd. US-Dollar umsatzstärkste Medikament der Welt, der biotechnologische Wirkstoff Humira, stammt ursprünglich aus deutschen Labors. Humira wird jedoch von einem amerikanischen Unternehmen vertrieben, ebenso wie drei weitere erfolgreiche Medikamente, mit jeweils mehreren Mrd. US-Dollar Umsatz, die auf die deutsche Forschung zurückgehen. Von den deutschen Pharmaherstellern allerdings ist keiner mehr in den Top 10 vertreten.

Wie die Studie weiter zeigt, haben Deutschlands Pharmafirmen eine Chance, die Innovationskrise zu überwinden, wenn drei Bedingungen erfüllt sind: Erstens eine Konzentration der Unternehmen auf die Schritte in der Forschungswertschöpfungskette, die sie am besten beherrschen. Bei großen Pharmaunternehmen ist dies oft nicht die frühe Forschung bis zum klinischen Wirksamkeitsnachweis, sondern die Entwicklung von Produkten, die einen Mehrwert für die Gesundheitssysteme bringen. Zweitens Mut und Konsequenz, die nicht wettbewerbsfähigen Schritte neuen Partnern ganz zu überlassen – oder die entsprechenden Einheiten abzuspalten – und so ein neues Geschäftsmodell hervorzubringen. Das kostengetriebene Outsourcing einzelner Forschungsleistungen wird keine Wende bringen. Und drittens neue Finanzierungsmöglichkeiten zu nutzen, die es Biotechunternehmen erlauben, über die „Start-up“-Größe hinauszuwachsen.

„Die Zeit ist reif für die Pharmaindustrie, die strategische Neuorientierung aktiv zu betreiben, bevor die Innovationskrise die Möglichkeiten vollkommen einschränkt und sich zunehmend Druck aus den Kapitalmärkten aufbaut“, rät Scheel.

Weblink zum Thema
Die vollständige Studie „Unleashing Pharma from the R&D Value Chain“ (PDF, 16 Seiten) können Sie in englischer Sprache auf der Internetseite von A.T. Kearney oder direct hier aufrufen.

(dw)

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