Aus einem Guss

Plattform-Konzept vereinfacht Durchfluss-Instrumentierung

Pharma
Food
Kosmetik
Chemie
Planer
Betreiber
Einkäufer
Manager

13.02.2008 Die Anlageninstrumentierung in der Lebensmittel- und Pharmaindustrie ist häufig Stückwerk: Unterschiedliche Package-Units und diedarin eingesetzte Vielfalt an Messgeräten und deren variierende Bedienkonzepte machen dem Bediener das Arbeitsleben oft schwer. Mit einer neuen Geräteplattform zielt ABB auf die Vereinfachung und Vereinheitlichung.

Anzeige

Entscheider-Facts


  • Durch die steigende Geräte- und Funktionsvielfalt in Anlagen und Package-Units der Lebensmittel- und Pharmaindustrie steht das Bedienpersonal mehr denn je vor dem Problem, unterschiedlichste Bedienkonzepte beherrschen zu müssen.
  • Bei der Entwicklung der Geräteplattform „Master“ zielt ABB auf die vereinheitlichung der Bedienung und eine intuitive Beherrschbarkeit der Feldgeräte.
  • Unter den Durchflussmessgeräten wurde der magnetisch induktiv arbeitende „HygienicMaster“ speziell für Anwendungen in der Pharma- und Lebensmittelindustrie entwickelt.
  • Ein dreistufiges Diagnosekonzept sowie erweiterte Leistungsdaten eröffnen den Geräten weite Anwendungsbereiche.

Wer als Prozessbetreiber in Betrieben der Lebensmittel- und Pharmaindustrie die eingesetzten Messgeräte nur sporadisch bedient und parametriert, kennt das Problem zur Genüge: Die steigende Funktionsvielfalt der Geräte wird oft in immer komplexeren Menüstrukturen abgebildet. Dazu kommt eine fast unüberschaubare Gerätevielfalt, wenn die Anlage aus Package-Units unterschiedlicher Anlagenbauer aufgebaut wird und jede Unit Instrumente anderer Hersteller enthält. Dass es auch anders geht, wurde in den vergangenen Jahren nicht zuletzt am Beispiel der Mobiltelefone deutlich: Trotz steigender Funktionsvielfalt haben sich inzwischen Bedienkonzepte etabliert, die es dem Handynutzer ermöglichen, die Geräte intuitiv zu bedienen.

„An einem modernen magnetisch-induktiven Durchflussmesser lassen sich mehrere Hundert verschiedene Parameter und Funktionen einstellen“, verdeutlicht Volker Erbe, Leiter des Produktmanagements Durchflussmesstechnik bei ABB Automation Products, und ergänzt: „Die Herausforderung liegt darin, dem Anwender eine einfache übersichtliche Bedienung, auch mit verschiedenen Zugriffsebenen und zugeordneter Parameterauswahl zu bieten.“
Bei der Entwicklung der Geräteplattform, auf die der Anbieter sein Instrumentierungsportfolio aufsetzen will, spielte deshalb die Bedienerschnittstelle – neben einem vereinfachten Bestellprozess und verbesserten Geräteeigenschaften – eine wichtige Rolle. Wie schon bei den Temperatur- und Druckmessgeräten des Herstellers wurde für magnetisch induktiv arbeitende Sensoren ein einheitliches Bedienkonzept geschaffen, bei dem der Bediener via „Easy-Setup“ in wenigen Schritten bei der Inbetriebnahme die wichtigsten Geräteparameter für die jeweilige Messstelle anpassen kann. Das Handy-ähnliche Design arbeitet mit Softkeys, bei denen der Tastendruck eine situationsbezogene und im Display dargestellte Aktion bewirkt. „Wenn uns die Anwender ihre gewünschten Einstell-Parameter bei der Bestellung nennen, wird das Gerät von uns sogar bereits fertig konfiguriert und einsatzbereit ausgeliefert“, ergänzt Volker Erbe.

Inbetriebnahme und Instandhaltung vereinfacht

Doch die Parametrierung spielt nicht nur im Falle der Inbetriebnahme eine wichtige Rolle, sondern bereitet den Servicetechnikern oft auch in der Instandhaltung Probleme. Diese müssen dann erst einmal Handbücher zu Rate ziehen, wenn Austauschgeräte vor Ort an die Prozessparameter und Betriebsbedingungen angepasst werden sollen. Bei den FlowMaster-Geräten werden die Parameter deshalb sowohl im Sensor als auch im Messumformer gespeichert. Wird eine der beiden Einheiten ausgetauscht, übernimmt entweder der neue Messumformer die Prozessparameter vom Sensor oder der bestehende Messumformer übergibt die Daten an den einen neuen Sensor.

Unter dem Dach „FlowMaster“ unterscheidet der Hersteller zunächst die Messprinzipien Massendurchflussmesser, Vortex-Durchflussmesser, Schwebekörper-Durchflussmesser sowie magnetisch induktiv arbeitende Geräte. Starten will der Anbieter im Frühjahr 2008 mit den magnetisch induktiven Durchflussmessern. Die MID-Ausführungen werden nach Einsatzgebieten unterschieden – z.B. in Industriellen Prozessen(ProcessMaster), Wasserwirtschaft (WaterMaster, Aquamaster ) und für Hygieneprozesse (HygienicMaster). „Jedes neu entwickelte oder markant geänderte Produkt erhält den neuen Namen unter dem Dach FlowMaster“, erklärt Erbe dazu. Zu den verbesserten Anwendungseigenschaften, die der Hersteller für die neuen Geräte angekündigt hat, sollen folgende Aspekte gehören:

  • neue Benutzerschnittstelle (HMI) mit intuitiver Bedienung durch das Glas des Vor-Ort-Displays hindurch ohne Hilfsmittel,
  • erweiterte Diagnose und deren Klassifizierung nach Namur-Empfehlung NE107 inklusive Diagnose-Simulationsfunktionen,
  • für alle Varianten einsetzbarer, gekapselter Elektronikeinschub in allen Gehäusen,
  • Sensor-Memory-Technologie,
  • Service-Port über Infrarot,
  • Einsatz bei höheren Mediums- und Umgebungstemperaturen,
  • höhere Messperformance.

Um die Leistung der MID-Geräte zu steigern, wurde der Spulenstrom gesteigert und die Erregerfrequenz auf bis 25 Hz erhöht. Dadurch steigt die Standardgenauigkeit auf 0,4%, optional sogar 0,2%. Verbesserte Signalfilter im Messumformer tragen dazu bei, die Stabilität des Messsignals zu erhöhen. Und noch eine weitere Besonderheit hat der Anbieter seinen Geräten mit auf den Weg gegeben: Die Anzeige von Diagnosedaten nach Namur Empfehlung NE 107 erfolgt nicht nur in der Leitwarte, sondern auch im hintergrundbeleuchteten Display vor Ort in der entsprechenden Symbolik sowie in Klartext. Die Diagnose umfasst die Phänomene Erkennung von Elektrodenbelag, -korrosion und -kurzschluss sowie beschädigte Auskleidung, Leitfähigkeit und der Erkennung der Zustände ‚leeres Messrohr’ und auch ‚nicht vollständig gefülltes Messrohr’.
„Die Gerätediagnose ist in starkem Maße von der Anwendung abhängig“, ergänzt Bernd Kammann, Vice President Durchfluss-Produkte weltweit, und unterstreicht deshalb die Notwendigkeit eines durchdachten Alarmmanagements. Der Hersteller liefert seine Geräte deshalb mit ausgeschalteter Alarmfunktion aus, Anwender können die für sie relevanten Alarme selektiv zuschalten. „Das vermeidet insbesondere bei der Inbetriebnahme das Auftreten von Alarmschauern“, verdeutlicht Kammann.

Fehlertolerante Bedienung

„Um auch weniger qualifizierte Anwender, oder Anwender, die nur selten Geräte einstellen, zu unterstützen, müssen die Menüstrukturen fehlertolerant sein“, verdeutlicht Volker Erbe ein weiteres Entwicklungsziel. In den Menüs der FlowMaster-Geräte ist dies durch eine situationsbezogene Plausibilitätsprüfung realisiert. Für lokale Software- bzw. Firmwareupdates verfügen die Geräte über einen Serviceport mit Infrarot-Schnittstelle. Der Adapter für den Serviceport wird außen am Display angebracht und ist über ein Kabel mit dem PC-USB-Port verbunden.

Ein weiterer Aspekt ist die Pflege der installierten Basis: Der neue Messumformer arbeitet mit der vorhergehenden MID Sensorgeneration des Herstellers zusammen. Bestehende Installationen können so auf die neue Technologie aufgerüstet werden.

„An einem modernen magnetisch-induktiven Durchflussmesser lassen sich mehrere Hundert verschiedene Parameter und Funktionen einstellen“
Volker Erbe ist Leiter Produktmanagement Durchflussmesstechnik bei ABB Automation Products

Heftausgabe: Januar-Februar 2008
Anzeige
Armin Scheuermann , Redaktion

Über den Autor

Armin Scheuermann , Redaktion

Armin Scheuermann , Redaktion

Loader-Icon