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Polyphenole aus Geranien-Extrakten: neue Wirkstoff-Klasse gegen HIV?

03.02.2014 Extrakte der Geranienpflanze Pelargonium sidoides inaktivieren das HI-Virus vom Typ 1 und verhindern seine Vermehrung in menschlichen Zellen. Sie stellen eine potentielle neue Wirkstoffklasse für die Therapie von AIDS dar, berichten Wissenschaftler des Helmholtz Zentrums München in der aktuellen Ausgabe des Fachjournals ‚Plos One‘.

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Polyphenole aus Geranien-Extrakten: neue Wirkstoff-Klasse gegen HIV?

Aus Wurzel-Extrakten von Pelargonium sidoides isolierte Polyphenol-Mischungen sind hochwirksam gegen HIV-1. Pflanzliche Medikamente aus dieser Getranienart sind zudem bereits verfügbar und für den Menschen zugelassen (Bild: Sebastian Kaulitzki-Fotolia)

Chemische Analysen der Wissenschaftler ergaben, dass die antivirale Wirkung der Geranienextrakte durch Polyphenole vermittelt wird. Aus den Extrakten isolierte Polyphenolmischungen sind hochwirksam gegen HIV-1 und dabei zellschonender als das grobe Extrakt. Pflanzliche Medikamente aus Pelargonium sidoides sind zudem bereits verfügbar und als verträglich und sicher für den Menschen zugelassen.

Wurzelextrakte aus der Heilpflanze Pelargonium sidoides (PS) enthalten Stoffe, die das Humane Immundefizienz Virus Typ 1 (HIV-1) angreifen und es daran hindern, sich zu vermehren. Die Wissenschaftler um Dr. Markus Helfer und Prof. Dr. Ruth Brack-Werner vom Institut für Virologie am Helmholtz Zentrum München (HMGU) sowie Prof. Dr. Philippe Schmitt-Kopplin von der Abteilung Analytische Biogeochemie (BGC) am HMGU haben die antivirale Wirkung der PS-Extrakte in Zellkulturen analysiert. Sie fanden heraus, dass diese Blut- und Immunzellen vor einer Infektion mit HIV-1 schützen. Dabei blockieren die pflanzlichen Substanzen das Andocken der Viren an ihre Wirtszellen und verhindern so ihr Eindringen.

„Unsere Ergebnisse zur anti-HIV-1-Wirkung von Pelargonium sidoides liefern die ersten Hinweise, dass Geranienextrakte genutzt werden können, um eine neuartige, wissenschaftlich fundierte Pflanzenmedizin gegen HIV-1 zu entwickeln“, sagt Arbeitsgruppenleiterin Brack-Werner. „Da PS-Extrakte das Virus auf eine Art und Weise angreifen, die sich von allen bisher klinisch eingesetzten Medikamenten gegen HIV-1 unterscheidet, wäre eine solche Phytomedizin eine wertvolle Ergänzung zu den bereits etablierten Anti-HIV-Therapien. Denkbar ist auch der Einsatz von Geranienextrakten in Ressourcen-armen Gebieten mit beschränktem Zugang zu konventionellen Anti-HIV-1 Medikamenten, da sie einfach herzustellen und sehr haltbar sind.“ In weiteren Untersuchungen muss nun die Wirksamkeit dieser Extrakte gegen HIV im menschlichen Organismus bestätigt werden.

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind weltweit über 35 Mio. Menschen mit HIV infiziert, HIV-1 ist dabei der Haupterreger. Das HI-Virus zerstört Immunzellen des Menschen und führt zum sogenannten erworbenen Immundefizienz-Syndrom (AIDS). HIV/AIDS zählt zu den weltweit 10 häufigsten Todesursachen.

Ziel der Forschung am Helmholtz Zentrum München ist es, neue Ansätze für Diagnose, Therapie und Prävention weit verbreiteter Volkskrankheiten zu entwickeln. Im Sinne der translationalen Forschung soll das gewonnene Wissen schnellstmöglich auf den Menschen übertragen werden, um konkreten Nutzen für die Gesellschaft zu erbringen.

Weblink zum Thema
Die Original-Publikation von Helfer, M. et al. (2014), „The root extract of the medicinal plant Pelargonium sidoides is a potent HIV-1 attachment inhibitor“ finden sie in Plos One, doi: DOI: 10.1371/journal.pone.0087487 oder direkt hier.

(dw)

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