Das Optimum erreichen

Printprojekte im Verpackungsdruck effizient steuern

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17.10.2012 Verpackungen für Food und Pharma sind nur auf den ersten Blick einfache Schachteln. Sie müssen Produktschutz und Sicherheit für den Konsumenten bieten, und durch ausgefallene Formen und aufwendige Veredelungen werden sie immer mehr zum Markenbotschafter am Point of Sale. Um solche komplexen Druckprojekte effizient und budgetoptimiert steuern zu können, ist auf Seiten der Drucksacheneinkäufer umfassendes Know-how nötig.

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Entscheider-Facts Für Anwender

  • Neben Preis, Marke und Hersteller entscheidet oft eine ausgefallene Verpackung über den Kauf eines Produktes. Um sich im Wettbewerb abzuheben, setzen Pharmaunternehmen insbesondere bei OTC-Produkten zunehmend auf Veredelung.
  • Die Wiedererkennbarkeit der Verpackung muss vor allem bei Wiederholungsaufträgen oder der parallelen Verpackungsproduktion an mehreren Standorten gewährleist sein.
  • Sicherheit, etwa die Beachtung hygienischer Bestimmungen, Rückverfolgbarkeit und aufwendige Prüfverfahren, spielen bei der Produktion von Pharmafaltschachteln eine ganz entscheidende Rolle.
  • Um Verpackungen fälschungssicher zu machen, gibt es verschiedene Sicherheitstechnologien, die ein Drucksacheneinkäufer eines Pharmaunternehmens kennen muss.
  • Das Thema Nachhaltigkeit muss allein schon unter Kostengesichtspunkten bei der Faltschachtelentwicklung berücksichtigt werden. Ansatzpunkte für Materialeinsparungen zeigen sich oftmals schon in der Konstruktion einer Faltschachtel.

Die allerwenigsten Hersteller verfügen heute inhouse über das notwendige technische Know-how und das entsprechende Prozesswissen. Denn nur mit einem ausgeprägten Basiswissen über Druck- und Veredelungstechnologien, und über die Prozesse der Verpackungsproduktion lassen sich das Druckerei-Handling und der optimale Ressourceneinsatz ebenso wie das Qualitätsmanagement effizient gestalten. Es gibt jedoch Qualifizierungspartner der Printmedienindustrie, die dieses Know-how in Form von Seminaren weitergeben. Dort lernen Marketingprofis, Grafikdesigner, Einkäufer und Print-Produktioner, wie sie ihre Druckprojekte effizient und professionell steuern können.

Veredelungs-Know-how ist gefragt

Neben Preis, Marke und Hersteller entscheidet oft eine ausgefallene Verpackung über den Kauf eines Produktes. Um sich im Wettbewerb abzuheben, setzen Pharmaunternehmen insbesondere bei OTC-Produkten zunehmend auf Veredelung. Eine Pharmaverpackung muss vor allem Glaubwürdigkeit und Vertrauen in die Wirksamkeit des Produkts transportieren. Dieses Ziel wird unter anderem über die Gestaltung der Verpackung erreicht. Print Buyer, also Drucksacheneinkäufer, müssen daher die gestalterischen Elemente kennen, die Konsumenten mit Pharmaverpackungen assoziieren.

Ein hoher Weißanteil, Silber als veredelndes Element, schlichte Prägungen und dezente Matt-Glanz-Effekte beispielsweise verkörpern in den Augen der Verbraucher Sachlichkeit, medizinisches Wissen und Wirksamkeit. Die feine Veredelung beispielsweise kann mit hochwertigen Verfahren erfolgen, wie Kalt- oder Heißfolienprägung, UV- oder Iriodin-Lacke, Relieffolien, die die haptische Wertigkeit betonen, oder Hologrammfolien als außergewöhnliche Eyecatcher.

Im Lebensmittelbereich sind es dagegen multisensorische Veredelungen, die die größte Aufmerksamkeit erzeugen. Dies gilt insbesondere für Süßwarenverpackungen. Um Haptik und Optik gleichermaßen anzusprechen, kommen beispielsweise Technologien wie Folienkaschierungen, Hoch-, Tief- und Strukturprägungen und besondere Lacke zum Einsatz.

Veredelung um jeden Preis?

Die Kosten der einzelnen Veredelungsverfahren variieren jedoch deutlich. Eignet sich Kalt- oder Heißfolie besser für einen bestimmten Effekt, und wäre ein Iriodinlack nicht die bessere Lösung für denselben Zweck? Mit einem soliden Wissen über die Veredelungsmethoden im Offsetdruck können Print Buyer ihre Budgets effizienter einsetzen. Kennt der Druckauftraggeber die Kosten der einzelnen Veredelungsmethoden, kann er die Entscheidung für das am besten geeignete Verfahren sofort und ohne langwierige und kostenintensive Abstimmungsprozesse treffen.
Neben den Kosten für bestimmte Veredelungsmethoden können vor allem bei Wiederholungsaufträgen oder der parallelen Verpackungsproduktion an mehreren Standorten farbliche Abweichungen bei den Druckergebnissen zum Fallstrick für Print Buyer werden. Corporate Design-Elemente wie beispielsweise die Unternehmensfarbe(n) können sich selbst unter identischen Bedingungen farblich unterscheiden – das wissen viele Drucksacheneinkäufer aus leidvoller Erfahrung. Konstant qualitativ hochwertige und identische Druckergebnisse setzen im Einkauf Wissen über unterschiedliche Farbsysteme ebenso voraus wie Know-how über Faktoren, die das Farbergebnis beeinflussen können. „Beständigkeit und Hochwertigkeit sind wichtige Faktoren, um die Wiedererkennbarkeit und so die Markenidentität einer Verpackung zu garantieren“, so Pörschke.

Qualitätssicherung auf allen Ebenen
Sicherheit, etwa die Beachtung hygienischer Bestimmungen, Rückverfolgbarkeit und aufwendige Prüfverfahren, spielen bei der Produktion von Pharmafaltschachteln eine ganz entscheidende Rolle. So kann es für den Patienten lebensgefährlich sein, wenn statt 1,1 mg 11 mg auf die Verpackung gedruckt wurde. Inline- und Offline-Prüfverfahren sind mittlerweile sehr weit entwickelt. Kennt der Drucksacheneinkäufer die speziellen Prüfverfahren, kann er mit diesem Wissen schon bei der Auswahl „seines“ Verpackungsdruckers den Grundstein für die Qualitätssicherung legen. Die Druckbogenlesung in der Druckmaschine und die digitale Prüfung der Druckbogen gegen die Druckdaten des Kunden gehören dazu ebenso wie der Einsatz von automatischen Kontrollsystemen, um Untermischungen zu verhindern. Eine weitere Prüfung erfolgt direkt in der Faltschachtelklebemaschine: Einerseits werden über Kameras fehlerhafte Nutzen aufgespürt und im Anschluss aussortiert. Andererseits sorgen in die Druckmaschine integrierte Prüfsysteme, wie das spektralfotometrische Messsystem Prinect Inpress Control, über das automatische Nachregeln von Farbe und Passer, zudem für konstant gute Druckergebnisse.

Druckprodukte fälschungssicher kennzeichnen

Produktpiraterie verursacht in der Pharmabranche schon heute erheblichen wirtschaftlichen Schaden. Deswegen wird sich die Zahl der Faltschachteln, die mit Sicherheitsmerkmalen versehen sind, in den nächsten Jahren von etwa 30 auf 50 bis 60 % erhöhen. Um Verpackungen fälschungssicher zu machen, gibt es verschiedene Sicherheitstechnologien, die ein Drucksacheneinkäufer eines Pharmaunternehmens kennen muss: Digitale Wasserzeichen, mit Kaltfolientransfer aufgebrachte Sicherheitselemente, Hologramme sowie Radio Frequency Identification (RFID)-Technologien sind bereits etablierte Technologien. Darüber hinaus gibt es Verfahren, die gegenwärtig noch in der Entwicklungsphase sind, aber zukünftig den Markt erobern werden.

Technologien, wie chemische Fingerabdrücke, synthetische DNA oder biologische Sicherheitspigmente werden sich in naher Zukunft im Markt etablieren. Um Produktpiraten möglichst einen Schritt voraus zu sein, müssen Print Buyer solche Entwicklungen schon heute kennen und mit ihren Druckpartnern diskutieren können, damit neue Fälschungssicherheitskonzepte bei Bedarf schnell umgesetzt werden können.

Mit „grüner Veredelung“ Kosten sparen

Die sorgfältige Auswahl der Verbrauchsmaterialien und Rohstoffe, das kontinuierliche Überprüfen von Design und Prozessen, moderne Supply-Chain-Konzepte sowie ressourcenschonende Technologien tragen zur größtmöglichen Nachhaltigkeit der Verpackungsproduktion insgesamt bei. Das Thema Nachhaltigkeit muss allein schon unter Kostengesichtspunkten bei der Faltschachtelentwicklung berücksichtigt werden. Drucksacheneinkäufer müssen wissen, welche Alternativen zur Verbesserung der Nachhaltigkeit einer Verpackung existieren und wie sie für ihre Ansprüche den passenden Partner in diesem Bereich finden.

Beispiel: Insbesondere im Premium-Segment werden öfters folienkaschierte Kartons aufgrund ihrer ganzflächig edlen, metallischen Anmutung eingesetzt. Mit der Produktion von folienkaschiertem Karton geht jedoch eine vergleichsweise hohe CO2-Last einher. Darüber hinaus ist dieser Karton in vielen Ländern nicht recycelbar und stellt damit ein ernstzunehmendes Umweltproblem dar. Drucksacheneinkäufer müssen das berücksichtigen und umweltfreundliche Alternativen kennen. Inline-Veredelungen mit metallisierenden hochpigmentierten Farben sind beispielsweise ressourcenschonend und senken durch den möglichen Verzicht auf Folienkaschierungen die CO2-Last einer Verpackung.

Verpackungskonstruktionen optimieren

Ansatzpunkte für Materialeinsparungen zeigen sich oftmals schon in der Konstruktion einer Faltschachtel. Im strukturellen Design einer bestehenden Faltschachtel finden sich fast immer Effizienzpotenziale, und in vielen Fällen können Details reduziert werden, ohne die Funktionalität in Frage zu stellen. So kann beispielsweise die Länge einer Lasche durchaus um mehrere Millimeter variieren, aber dennoch die Schachtel sicher verschließbar bleiben und damit auch die Bedienerfreundlichkeit gewährleisten. Hier Material zu sparen, entlastet Umwelt und Budget gleichermaßen. Minimale Anpassungen bei den Abmessungen des Einzelnutzens auf dem Bogen können schon zu einer wesentlich besseren Ausnutzung des Rohmaterials und damit zu weniger Abfall und geringeren Kosten führen.

 

 

Heftausgabe: Oktober 2012
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Frank Pörschke, Programm- Manager Print Media AcademyHeidelberger Druckmaschinen

Über den Autor

Frank Pörschke, Programm- Manager Print Media AcademyHeidelberger Druckmaschinen
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