Verpackungsindustrie 2010 – Trends und Strategien für Wachstum und Profitabilität

Raus aus der Krise

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26.02.2010 Auch die Verpackungsindustrie hat im Jahr 2009 stark unter den Auswirkungen der Wirtschaftskrise gelitten. In einer Studie wird deutlich, wie die Hersteller von Packmitteln und Verpackungsmaschinen auf die Wirtschaftskrise reagiert haben und mit welchen Strategien und Instrumenten die Unternehmen den zukünftigen Herausforderungen begegnen.

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Entscheider-Facts


Für Hersteller Profitables Wachstum in der Verpackungsindustrie und die Fähigkeit, zukünftig rechtzeitig und flexibel auf Veränderungen reagieren zu können, sollen vor allem erreicht werden durch
  • die Intensivierung von Vertriebsaktivitäten (Wachstum über neue Kunden, Service bzw. After-Sales-Geschäft und Cross-Selling, Aufbau von Vertriebskapazitäten),
  • den Ausbau von Reporting bzw. Controlling und Risikomanagement, um frühzeitig kritische Entwicklungen im Unternehmensumfeld zu erkennen,
  • das Schaffen der organisatorischen und prozessualen Voraussetzungen in der Logistik (Erhöhung der Flexibilität und Planungsgenauigkeit) sowie
  • die Stärkung der Einkaufsfunktion im Unternehmen (Früheinbindung, Vertragsneuverhandlungen, Materialkostensenkung).

Die Studie „Verpackungsindustrie 2010 – Trends und Strategien für Wachstum und Profitabilität“ befasst sich mit der Frage, wie stark sich die Krise auf den Umsatz und das Ergebnis der Unternehmen ausgewirkt hat und bis wann – nach Einschätzung der Teilnehmer – die Krise in der Branche sowie für die Unternehmen selbst weitestgehend ausgestanden sein wird. Darüber hinaus wurden strategische Maßnahmen auf Gesamtunternehmensebene sowie über 50 Ansätze in unterschiedlichen Unternehmensfunktionen bezüglich ihrer Umsetzung in der Krise und ihrer zukünftigen Bedeutung analysiert.

An der Studie haben sich 51 Unternehmen aus der Verpackungsindustrie beteiligt. Das Produktangebot der Teilnehmer umfasst Packstoffe und Packmittelproduktion, Verpackungsmaschinen sowie Druckvorstufe und Verpackungsdesign. Die Umsätze in 2008 lagen bei 28% der Unternehmen unter 10Mio. Euro und bei 35% zwischen 10 und 50Mio. Euro. 19% der befragten Unternehmen erwirtschafteten einen Umsatz zwischen 50 und 100Mio. Euro, die restlichen 22% hatten ein Umsatzvolumen von mehr als 100Mio. Euro. Die mittelständische Struktur der Verpackungsbranche spiegelt sich somit auch in der Verteilung der Teilnehmer wider.

Betroffenheit von der Krise

Auf die Frage, wie stark die Unternehmen von der Krise betroffen seien, antworteten 55% mit „stark“ bzw. „sehr stark“. Diese Einschätzung bezüglich der Umsatz- und Ebit- Entwicklung ergab folgendes Bild: 34% der Unternehmen gehen davon aus, dass ihr Umsatz 2009 im Vergleich zu 2008 um mehr als 20% zurückgehen wird. Bei weiteren 50% liegt der prognostizierte Umsatz 2009 bis zu 20% unter dem Vorjahresniveau. Bei der Beurteilung der Ebit-Situation für 2009 sieht das Bild noch etwas pessimistischer aus. Hier gehen sogar 50% der Unternehmen von einem Ebit-Einbruch größer 20% aus, während 44% der Unternehmen mit einem Rückgang des Ebit von bis zu 20% rechnet. Immerhin gehen noch 11% von einer Umsatz- bzw. 6% von einer Ebit-Steigerung aus.

Tendenziell ist festzustellen, dass insbesondere solche Unternehmen, deren Umsatz sich mit jeweils mehr als 30% auf Kunden der Automobil- oder Maschinenbaubranche konzentriert, besonders stark betroffen sind. Von diesen Unternehmen gaben 77% an, „stark“ bzw. „sehr stark“ von der Krise betroffen zu sein. Bei Unternehmen mit einer breiter aufgestellten Kundenbasis und solchen, die hauptsächlich die Kosmetik-, Lebensmittel- und Pharmaindustrie bedienen, ist dies nur bei 36% der Fall. Dies spiegelt auch die Ausprägung der wirtschaftlichen Krisensituation der jeweiligen Kundenbranchen wider.

Ende der Krise

Die Krise wird sich nach Einschätzung von 58% der befragten Unternehmen nachhaltig auf die Struktur der Verpackungsbranche auswirken. Die Mehrzahl der befragten Unternehmen geht trotz der ersten positiven Anzeichen von einer längeren Dauer der Krise bzw. deren Auswirkungen – sowohl für die Branche als auch für das eigene Unternehmen – aus. Dass sich die Branche bereits bis Ende 2010 weitestgehend von der Krise erholt haben wird, glauben 61% der Befragten. 39% gehen hingegen davon aus, dass eine Branchenerholung erst bis Ende 2011 eintreten wird. Für die Erholung des eigenen Unternehmens von den Auswirkungen der Krise fällt die Beurteilung pessimistischer aus. Hier geben 46% der Befragten an, dass das Ertrags- und Umsatzniveau erst Ende 2011 auf das Niveau aus der Zeit vor der Krise zurückkehren wird.

Verhalten von Erfolgsunternehmenin der Krise

Dass sie deutlich gestärkt im Vergleich zu ihrem direkten Wettbewerb aus der Krise hervorgehen, glauben 34% der befragten Unternehmen. Auffällig ist, dass diese Unternehmen bei Umsatz bzw. Ebit für 2009 einen verhältnismäßig geringeren Rückgang prognostizieren. Diese „Erfolgsunternehmen“ haben es also verstanden, jene Kennzahlen im Jahr 2009 stärker positiv zu beeinflussen als die anderen befragten Unternehmen. Es stellt sich die Frage, was diese Erfolgsunternehmen in der Krise anders gemacht haben. Auffällig ist, dass vor allem marktorientierte Maßnahmen ergriffen wurden. Erfolgreichere Unternehmen haben sich wesentlich intensiver mit neuen Produkten und Märkten sowie der Intensivierung der F&E- Aktivitäten beschäftigt. Dies schließt auch das Anpassen der Unternehmensstrategie bzw. des Geschäftsmodells mit ein. Ebenso wurde das Produktportfolio gestrafft und versucht, über Cross-Selling-Initiativen den Absatz zu steigern. Ebenso wurden die Reduzierung der Liefer- und Durchlaufzeiten deutlich stärker verfolgt, als dies im Durchschnitt der Fall war. Auch die liquiditätsorientierten Maßnahmen sind stärker ausgeprägt: Erfolgsunternehmen haben sich intensiver um das Net Working Capital Management, ein Verkürzen der Zahlungsziele und die Bestandsreduzierung gekümmert. Zur Transparenzerhöhung und Prävention wurde das Risikomanagement im Einkauf hoch priorisiert.

Strategien für Wachstum undProfitabilität in der Zukunft

Die Teilnehmer der Studie wurden gebeten, über 50 Maßnahmen und Strategien aus verschiedenen funktionalen Unternehmensbereichen hinsichtlich ihres Einsatzes als Reaktion auf das neue wirtschaftliche Umfeld und ihre zukünftige Bedeutung zu beurteilen.

Bei der Gegenüberstellung der wichtigsten Maßnahmen, die aktuell eingesetzt werden und die in Zukunft eine signifikante Rolle spielen werden, lässt sich eine deutliche Verschiebung von Aktivitäten, die insbesondere die Liquidität beeinflussen, hin zu mehr Flexibilität, besseren Prozessen und Transparenzerhöhung erkennen. Die Akquisition neuer Kunden und ein Intensivieren des Reportings und Controllings stellen sowohl aktuell als auch zukünftig sehr bedeutende Schwerpunkte des unternehmerischen Handelns dar. Vergleicht man die Top-15-Aktivitäten heute und in Zukunft, so fällt auf, dass klassische Liquiditätsthemen wie Intensivierung Mahnwesen, Reduzierung der Bestände und Ausbau des Liquiditätsmanagements, in ihrer Bedeutung tendenziell abnehmen. In Zukunft gewinnen Themen in ihrer Wichtigkeit deutlich an Bedeutung, die in jüngerer Vergangenheit nicht soweit oben auf der Agenda standen. Die Bedeutung von Logistik- und Prozessoptimierungen, die sich in einer Erhöhung der Produktionsflexibilität, des Servicelevels, der Lieferflexibilität und der Planungsgenauigkeit niederschlagen, wird offensichtlich. Zukünftige Schwerpunkte liegen aber auch bei Wachstumsthemen: Service und After-Sales-Geschäft sollen stärker ausgebaut und Cross-Selling-Initiativen gestartet werden. Auch der Aufbau von Vertriebskapazitäten rückt wieder in den Fokus. Zukünftig bedeutende, eher auf mittel- und langfristigen Erfolg ausgelegte und nicht unmittelbar ergebniswirksame Maßnahmen sind neben dem Reporting bzw. Controlling das Einbinden des Einkaufs in den Wertschöpfungsprozess und das Einführen des Risikomanagements im Einkauf. Das klassische Thema des Einkaufs, die Materialkostensenkung, ist aber auch in Zukunft unter den Top 15 wiederzufinden.

 

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Heftausgabe: Februar 2010
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Über den Autor

Dr. Markus Contzen , LCM – Lück Contzen Management & Consulting
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