Hygiene-Design von Schaltschränken und Bedienpanels für offene Prozesse in der Lebensmittelindustrie

Saubere Sache

05.07.2007 Ohne Sauberkeit geht nichts bei der Herstellung von Nahrungsmitteln. Extreme Hygieneauflagen gelten für Maschinen und Anlagen, die in der Food-Industrie zum Einsatz kommen – und unmittelbar mit den hergestellten Lebensmitteln in Berührung kommen. Zunehmend werden diese hohen Hygienestandards auch auf die Peripherie und Steuerungstechnik übertragen, die das Rückgrat jeder automatisierten Fertigung bilden. Gefordert sind Schaltschränke und Bedienpanels, die schädliche Mikroorganismen den Kampf ansagen, sich leicht reinigen lassen und das Risiko von unerwünschter Kreuzkontamination minimieren.

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Mit der neuen Hygienic Design-Produktlinie hat ein Systemanbieter für Gehäuse- und Schaltschranktechnik auf die besonderen Anforderungen des Food-Bereichs reagiert – vor allem, wenn es um Einsätze in Fertigungsbereichen mit offenen Prozessen geht. Kennzeichen von offenen Prozessen: Hier können die Lebensmittel direkt oder indirekt mit dem Fertigungsequipment und den dabei eingesetzten Schaltschränken und Bedienpanels in Berührung kommen. Als Verursacher von Kreuzkontaminationen kommen auch Bediener in Frage, die direkten Kontakt zu den hergestellten Lebensmitteln und den Maschinen bzw. Automatisierungskomponenten haben.

Im Gegensatz etwa zu Brauereien, bei denen Kessel und geschlossene Rohrleitungen die Produktion bestimmen, sind offene Prozesse vor allem in Molkereien, Käsereien, Fleischereibetrieben und bei der Fischverarbeitung weit verbreitet. Und genau hier liegt der Vorteil der neuen Gehäuse. Konsequent berücksichtigt wurden bei der neuen Hygienic Design-Serie die Wünsche und Anforderungen des Marktes, die nicht zuletzt in Vorort-Recherchen und Interviews mit Betreibern detailliert abgefragt worden sind. Zum Einsatz kommen in der Produktreihe ausschließlich Gehäuse und Bedienpanels aus Edelstahl – einem Material, das beste Oberflächeneigenschaften aufweist und sich schnell, problemlos und sicher reinigen und desinfizieren lässt.

Neukonstruktion für anspruchsvolle Anwendungen

Edelstahlgehäuse gehören schon seit langem zum Sortiment des Anbieters. Mit echten Neukonstruktionen wurden sie jetzt auch für anspruchsvollste Einsätze in der Lebensmittel-Industrie fit gemacht. Verschwunden sind beispielsweise Spalten oder außen liegende Scharniere, in denen sich Bakterien oder andere schädliche Mikroorganismen festsetzen und wuchern können. Sämtliche Komponenten des Hygienic Design-Baukastens – bis hin zu winzigen Anbauteilen wie Nivellierfüßen – sind auf extreme Hygiene ausgelegt. Bei den Nivellierfüßen etwa liegen die Gewinde so, dass sie nach der Installation vollständig in Gehäuse, Sockel oder Untergestell verschraubt und damit verschwunden sind. Immer geht es um höchste Sauberkeit – und das bis ins letzte Detail.
Beste Zugänglichkeit bei der Reinigung ist ein weiterer Aspekt, der bei der Konstruktion der neuen Food-Lösungen ganz oben im Pflichtenheft stand. Gekontert wurde diese Vorgabe mit speziellen Abstandshaltern für die Wandbefestigung oder Untergestellen mit Aufnahmen für Gitterkanäle, die eine einfache und hygienetechnisch optimale Kabelzuführung und -abbindung ermöglichen.

Der Start des neuen Hygienic Design-Baukastens erfolgt pragmatisch – Schritt für Schritt. Beim Rollout konzentrierte sich der Hersteller zunächst auf hygienetechnisch völlig neu entwickelte Wandgehäuse aus Edelstahl. Sie stehen in unterschiedlichen Maßen zur Verfügung (Breite x Höhe x Tiefe: von 200x300x 155 bis 600x1200x300mm) und decken eine Vielzahl von Anwendungen ab. Die größeren Vertreter können auch am Boden installiert werden, wo die Untergestelle zum Einsatz kommen.
Ein Riesenvorteil für den Anwender: Beim Innenausbau der Hygienic Design-Gehäuse lassen sich systemübergreifend die Montageplatten der bekannten AE-Kompaktschrank-Serie einsetzen. Dies erleichtert die Arbeit von E-Planern bzw. Monteuren bei der Bestückung. Egal, ob sie die Montageplatte in einem lackierten Schrank, einem regulären Edelstahl-AE oder einem der neuen Hygiene-Gehäuse nutzen – sie brauchen nicht umlernen und sind so deutlich schneller am Ziel.

Starke Dachneigung

Ein weiteres Augenmerk der Hygienic Design-Lösungen ist die Dachkonstruktion. Wo reguläre Schaltschränke ein flaches Dach aufweisen, fällt hier die starke Dachneigung ins Auge. Entsprechend den Vorgaben der EHEDG (European Hygienic Engineering & Design Group) gibt es die neuen Wandgehäuse für offene Prozesse in der Food-Industrie standardmäßig mit angeschrägtem Dach – und zwar mit einer Neigung von 30o. Bei der Dachneigung geht es um mehrere Aspekte: Auf dem Gehäuse darf sich nichts abstellen lassen, die Fläche muss optimal einsehbar sein und Flüssigkeiten sollen – auch beim Reinigen – schnell und sicher ablaufen.

Auch bei den Abstandshaltern für die Wandbefestigung hat man sich eng an den hygienetechnischen Vorgaben orientiert: Wahlweise gibt es sie mit den von der EHEDG empfohlenen 300 mm oder als Variante mit weniger Abstand, die von vielen Anwendern favorisiert wird.
Auf Nummer sicher geht man bei der Abdichtung: Statt Polyurethan kommt Silikon zum Einsatz. Es ist noch beständiger gegen Säure, Laugen und Reinigungsmittel aller Art. Neu ist eine Kabeleinführung bzw. -verschraubung, die auf höchste Hygieneanforderungen getrimmt ist. Von außen ist hier kein Gewinde sichtbar. Clou ist ein Klemmring, der die Klemmbacken nach außen drückt und das Kabel automatisch fixiert – und das bei optimaler Zugentlastung.

Zum Bediengehäuse umbauen

Die kompakten Schränke können auch als Bediengehäuse für den Einbau von Tastaturfeldern oder TFTs genutzt werden. Für diese Lösung an der Schnittstelle Mensch-Maschine wurde ein neuer stabiler Edelstahl-Tragarm mit einem Durchmesser von 70mm – statt 46mm – gezielt für den Einsatz in der Food-Industrie entwickelt. Der größere Durchmesser ermöglicht auch die leichte Einführung vorkonfektionierter Kabel mit Stecker. Die Verbindungselemente des Tragarms haben außen keinerlei Befestigungselemente oder scharfkantige Übergänge. In Verbindung mit speziellen außenliegenden Dichtungen schafft das System optimale hygienische Voraussetzungen.

Schaltschränke und Bedienpanels sollten sich leicht reinigen lassen, damit Kreuzkontaminationen nicht stattfinden können

Heftausgabe: Juli 2007
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Über den Autor

Hans-Robert Koch , Öffentlichkeitsarbeit, Rittal
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