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Schlechtes Geschäftsklima im deutschen Pharmamarkt

24.01.2014 Das Geschäftsklima im deutschen Pharmamarkt ist im internationalen Vergleich deutlich schlechter. Dies ist ein Ergebnis der Umfrage/Studie Pharma Monitor des Bundesverbandes der Pharmazeutischen Industrie (BPI), Frankfurt, und der Managementberatung Homburg & Partner (H&P), Mannheim, vom Herbst 2013.

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Schlechtes Geschäftsklima im deutschen Pharmamarkt

Nach der Umfrage/Studie Pharma Monitor ist das Geschäftsklima im deutschen Pharmamarkt im Vergleich zur internationalen Entwicklung deutlich schlechter (Bild: gunnar3000-Fotolia)

Die Umfrage wurde bereits zum 2. Mal durchgeführt und soll auch künftig regelmäßig wiederholt werden, um die Stimmung im deutschen Pharmamarkt einfangen. Weitere Marktrends sind der Umfrage/Studie zufolge: Das dynamische und wenig pharma-freundliche gesundheitspolitische Umfeld erfordere volle Aufmerksamkeit der Entscheider. Die strategische Weiterentwicklung von Geschäftsmodellen bleibe zurück. Top-Maßnahmen für die nächsten Jahre sind Internationalisierung und Erweiterung der Produktpalette.

Entscheider aus 190 Unternehmen aller Größenklassen aus den Bereichen Rx (verschreibungspflichtige beziehungsweise rezeptpflichtige Medikamente) und OTC (Over The Counter) aus dem deutschen Pharmamarkt wurden zur aktuellen Stimmungslage, Herausforderungen sowie zu ihrer Einschätzung der Top Trends und Maßnahmen für die kommenden 10 Jahre befragt. Auf Basis der Auswertung der 97 Antworten von überwiegend Geschäftsführern (71 %) und Führungskräften aus Marketing & Vertrieb (25 %) fasst Dr. Matthias Staritz, Partner des Kompetenzzentrums Healthcare / Pharma bei H&P, die Kernergebnisse wie folgt zusammen:

1. Das aktuelle Geschäftsklima in der Pharmabranche wird auf einer Schulnotenskala mit 3,84 recht verhalten eingestuft, die Geschäftslage im eigenen Unternehmen wird tendenziell etwas positiver bewertet. Im Vergleich zur letzten Befragung Anfang 2013 hat sich das Geschäftsklima nicht verbessert. Die Geschäftslage wird international mit fast einer Note Unterschied (2,97) im Vergleich zu Deutschland deutlich positiver bewertet.

2. Die Geschäftserwartungen (Zeithorizont 3 Jahre) sind nur wenig positiver. National trüben „restriktive Politik“, „starke Regulierungen und AMNOG“ sowie das „Preismoratorium“ die Geschäftserwartungen. Auch international werden vor allem gesundheitspolitische Rahmenbedingungen als negative Einflüsse genannt, aber Wachstumschancen außerhalb von Deutschland sorgen für eine insgesamt positivere Bewertung. Deutlich unterschiedlich werden dabei die Aussichten einzelner Produktgruppen bewertet: Orphan Drugs werden in der wirtschaftlichen Entwicklung von Produkt- und Dienstleistungsgruppen am positivsten eingeschätzt. Generika sowie Rx-Präparate haben aus Sicht der Entscheider national eher geringe Wachstumschancen.

3. Als größte Herausforderung werden – gerade wegen ihrer Vielzahl und Parallelität – Regulierungsmaßnahmen und regulatorische Markteingriffe insbesondere im Hinblick auf Preis- und Mengensteuerung sowie die Marktmacht der Krankenkassen angesehen.

4. Wichtigste Trends im Pharmamarkt für die nächsten 10 Jahre sind weiter zunehmende Marktzugangshürden, die weltweite Etablierung des Ziels der Kostendämpfung sowie der insgesamt stark steigende Aufwand zur Umsetzung regulatorischer Anforderungen. Die Top-Trends werden unabhängig von Unternehmensgröße, Geschäftsbereich und Unternehmensalter ähnlich bewertet.

5. Als Top-Maßnahmen zur Vorbereitung auf diese Trends sehen Unternehmen vor allem Reaktionsbedarf bei der Erweiterung ihrer Produktpalette einschließlich eines starken Fokus auf Innovationen zur Zukunftssicherung. Außerdem wird die engere Verzahnung der Abteilungen untereinander (Produktentwicklung, Marketing, Market Access, Medizin, Zulassung et cetera) als wichtige Reaktion auf die Regulierung genannt. Die Erschließung von Auslandsmärkten wurde in diesem Zusammenhang ebenfalls als Top-Maßnahme identifiziert. Unternehmen erhoffen sich von Auslandsmärkten, dass diese die verhaltenen Entwicklungen auf dem deutschen Markt kompensieren.

(dw)

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