Wann empfiehlt sich ein Jobwechsel?

Soll ich das Pferd wechseln?

06.11.2007 Jahrelang war der Stellenmarkt wie leergefegt, doch nun boomt

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Durchatmen, weiterarbeiten, bessere Zeiten abwarten“ – nach dieser Maxime agierten in den zurückliegenden Jahren viele Fach- und Führungskräfte. Denn sie wussten: Sogar für Top-Arbeitskräfte sind gute Jobangebote rar. Und selbst wenn man eine adäquate Stelle findet, dann sind mit dem Jobwechsel in der angespannten Arbeitsmarktsituation zu viele und zu hohe Risiken verbunden – zum Beispiel, dass die Chemie nicht stimmt und man in einem halben Jahr auf der Straße stehe. Oder dass das Unternehmen in einigen Monaten – wider aller Erwartung – doch Personal abbaut und derjenige als erster gehen muss, der als letzter kam.

Also zogen viele Arbeitnehmer ihre Köpfe ein und warteten auf bessere Zeiten. Die sind nun da. Der Stellenmarkt brummt. Und viele Unternehmen suchen zum Beispiel händeringend Ingenieure oder Programmierer. Deshalb denkt so mancher Arbeitnehmer wieder über einen freiwilligen Stellenwechsel nach – um endlich mehr zu verdienen. Oder um morgens wieder mit Spaß zur Arbeit zu gehen. Oder um abends mal wieder vor acht Uhr zuhause zu sein.
Doch wie bei der Stellensuche vorgehen? Das fragen sich viele gestandene Fach- und Führungskräfte, denn ihre letzte Bewerbung liegt oft schon Jahre oder gar Jahrzehnte zurück. Hinzu kommt: Berufserfahrene Arbeitnehmer können bei einem Stellenwechsel nicht nur vieles gewinnen, sondern auch einiges verlieren. Denn sie haben sich im Laufe der Jahre bei ihrem aktuellen Arbeitgeber ein gewisses Standing aufgebaut. Nach einem Jobwechsel müssen sie sich dieses erst wieder erarbeiten. Deshalb sollten berufserfahrene Arbeitnehmer bei der Jobsuche anders als Berufsanfänger vorgehen. Hier einige Tipps.

Perspektiven analysieren

Sie sind noch unsicher, ob Sie den Arbeitgeber wechseln sollen? Dann sollten Sie sich fragen: Wo stehe ich voraussichtlich in fünf Jahren, wenn ich bleibe? Habe ich dann die gewünschte Position und Verantwortung? Und das entsprechende Gehalt? Fragen Sie sich zudem: Benötigt mein Arbeitgeber dann mein Know-how und Können noch mindestens ebenso dringend wie heute? Wenn Sie all diese Fragen mit „Ja“ beantworten können, sollten Sie bleiben und Ihre Energie darauf verwenden, auch künftig für Ihren aktuellen Arbeitgeber ein wertvoller Mitarbeiter zu sein.

Anders ist es, wenn Sie sich eingestehen müssen: Meine (beruflichen) Ziele erreiche ich bei meinem aktuellen Arbeitgeber voraussichtlich nicht. Oder wenn Sie gar sagen müssen: Wenn ich nicht aufpasse, lande ich auf einem Abstellgleis – zum Beispiel, weil aufgrund der Entwicklung des Unternehmens mein (Fach-)Wissen künftig immer weniger gefragt ist. Dann sollten Sie sich jetzt eine neue Stelle suchen.

Überlegen: Was heißt für mich(Lebens-)Erfolg?

Bevor Sie mit der Suche beginnen, sollten Sie sich jedoch fragen: Was ist mir wichtig – nicht nur beruflich, sondern auch privat? Zum Beispiel: Ich will trotz meines anspruchsvollen Jobs noch Zeit für meine Hobbys haben. Oder abends in der Regel zu Hause sein. Oder auf keinen Fall umziehen. Denn wenn Ihnen solche Dinge wichtig sind, scheiden gewisse Positionen und Arbeitgeber als mögliche Alternativen aus.

Analysieren: Was kann ich(besonders) gut?

Wenn Sie Ihre beruflichen und privaten Ziele definiert haben, sollten Sie sich fragen: Was kann ich? Welche besonderen Fähigkeiten und Erfahrungen habe ich? Mit diesen Fragen sollten Sie sich intensiv befassen. Denn viele Berufserfahrene erachten das, was sie oft jahrelang taten, als selbstverständlich. Ihnen ist nicht bewusst, dass sich dahinter spezielle Fähigkeiten verbergen.

Doch nicht jeder Arbeitnehmer hat zum Beispiel Erfahrung im Umgang mit Gefahrenstoffen. Oder mit dem Verkauf von Serviceleistungen. Oder im Führen von selbstständigen Handelsvertretern. Analysieren Sie also genau, was Sie gemacht haben und vor welchen besonderen Herausforderungen Sie dabei standen. Denn nur so werden die „Pfunde“ sichtbar, die Sie beim Bewerben in die Waagschale werfen können.
Fragen Sie sich auch: „Was macht mir Spaß?“ Zielführender für das Ermitteln Ihrer Stärken sind jedoch die Fragen „Was fällt mir leicht?“ und „Bei welchen Aufgaben erzielte ich warum die besten Ergebnisse?“ Doch Vorsicht! Geben Sie sich nicht mit oberflächlichen Antworten zufrieden. Suchen Sie sich zum Beantworten besagter Fragen einen Sparring-Partner – am besten einen erfahrenen Manager oder einen professionellen Karriereberater. Dessen wichtigste Aufgabe ist es, zurück zu fragen: „Was haben Sie da konkret gemacht?“ „Warum haben Sie da so tolle Ergebnisse erzielt?“ Denn erst durch dieses Rückfragen wird in der Regel klar, was das Besondere an Ihren bisherigen Aufgaben war.

Ermitteln: Wo sind meineKompetenzen gefragt?

Wenn Sie Ihre Kompetenzen kennen, sollten Sie sich fragen: In welchen Firmen, Branchen und Funktionen habe ich mit meinen Kenntnissen und Erfahrungen die größte Chance? Und: Für welche Arbeitgeber wäre ich ein attraktiver Mitarbeiter – zum Beispiel, weil ich fünf Jahre Industrieanlagen verkauft habe. Oder weil ich bestimmte Produktionsverfahren kenne. Dass Sie dies tun, ist wichtig. Denn von berufserfahrenen Bewerbern erwarten Arbeitgeber präzise Angaben, warum Sie für ihr Unternehmen vermutlich „wertvolle Mitarbeiter“ wären. Steht in den Anschreiben nur „Blabla“, sortieren sie die Bewerbungen aus.

Prüfen: Ist eine Personalberatung sinnvoll?

Nach diesen Vorarbeiten können Sie sich bewerben – zum Beispiel auf offene Stellen, die in Zeitungen oder in Online-Jobbörsen inseriert sind. Doch so erreichen Sie nur den sichtbaren Stellenmarkt – nicht aber die Stellen, die (noch) nicht ausgeschrieben sind oder „unter der Hand“ vergeben werden. Hierzu ist ein anderes Vorgehen nötig – zum Beispiel bei den attraktiven Unternehmen gezielt nachfragen, ob sie einen Mitarbeiter mit der Qualifikation „….“ brauchen. Dies ist sehr zeitaufwändig. Häufig haben Stellensucher darüber hinaus nicht die erforderlichen Kontakte – zum Beispiel zu den Entscheidern in den Fachbereichen, die häufig den Personalbedarf früher als die Personalabteilungen kennen und besser einschätzen können „So einen Mann…“ oder „So eine Frau könnten wir gebrauchen“. Dann empfiehlt es sich, einen Berater einzuschalten, der über die nötigen Kontakte verfügt.

Insbesondere dann, wenn Sie bei Ihrem aktuellen Arbeitgeber eine exponierte Stelle innehaben, sollten Sie dies erwägen – speziell wenn Ihr Jobwechsel innerhalb der Branche erfolgen soll. Denn Manager in Schlüsselpositionen können vielfach nicht „so mir nix, dir nix“ bei anderen Unternehmen anrufen und nach Vakanzen fragen. Die Gefahr wäre zu groß, dass nach einiger Zeit die Spatzen vom Dach pfeifen: „Der Mayer von …“ oder „Die Vertriebsleiterin von … sucht eine neue Stelle“. Deshalb empfiehlt es sich in solchen Situationen, einen Berater vorzuschicken, der – ohne Namen zu nennen – auslotet, ob beim Zielunternehmen ein Bedarf besteht, und wenn dies der Fall ist, diskret den von beiden Seiten gewünschten Kontakt herstellt.

Perspektiven analysieren – sind die richtigen Voraussetzungen für einen Jobwechsel gegeben?

Heftausgabe: November 2007
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Über den Autor

Frank Adensam , Adensam Managementberatung
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