Grammaturen runter

Studie Valuecase: Verpackungszulieferer „erleichtern“ Pharmafaltschachteln

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23.04.2014 Das Thema zählt zu den Dauerbrennern in der pharmazeutischen Industrie: Wie lässt sich die Grammatur von Sekundärverpackungen weiter senken, ohne die Qualität reduzieren zu müssen. Die Frage ist einfacher zu stellen als eine Antwort zu finden. Zu hoch sind die Regulierungshürden in der Pharmabranche, als dass im Prozess Veränderungen vorgenommen würden. Erst recht nicht, wenn der Ertrag eher gering ist und nicht in einem wirtschaftlich vertretbaren Verhältnis steht. Dennoch drängen Kosten- und Margendruck die Branche zur Suche nach neuen Optimierungsmöglichkeiten.

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Entscheider-Facts Für Betreiber


  • Kosten- und Margendruck zwingen die Branche, nach Optimierungsmöglichkeiten hinsichtlich der Grammatur der Sekundärverpackung zu suchen.
  • Die Valuecase-Studie hat ergeben: Es lassen sich definitiv Verpackungen mit wesentlich weniger Flächengewicht produzieren, ohne Abstriche bei der Festigkeit sowie der Eignung für Druck, Veredelung und Codierung zu machen.
  • Ein Umrüsten der Verpackungsanlagen ist nicht notwendig.

Gegenüber gängigen Recyclingkartons könnte künftig mit Valuecase bei Pharmaverpackungen bis zu einem Drittel des Flächengewichts eingespart werden (Bild: Edelmann)

in Vorstoß kam jetzt von Zulieferern der Pharmabranche. Verpackungshersteller Edelmann hat mit Kartonlieferant Stora Enso und Maschinenbauer Uhlmann Pac-Systeme eine Machbarkeitsstudie aufgelegt, in der Kartons mit leichteren Grammaturen in gängigen Faltschachtelformen typische Verarbeitungsprozesse durchliefen. Das Ergebnis: Rund ein Drittel Flächengewicht ließe sich gegenüber gängigen Kartonsorten einsparen. „Auf diese Weise ergeben sich Optimierungen entlang der gesamten Prozesskette“, so Meino Adam, Key-Account-Manager Health Care bei Edelmann. Erstmals sei dies in einem reinen Zulieferer-Projekt derart umfassend getestet worden. Daraus ist das Entwicklungs- und Beratungskonzept „Value Case“ hervorgegangen, das die drei Partner gemeinsam ihren Kunden der Pharmaindustrie anbieten.

Mehr als ein Drittel Gewichtseinsparung machbar
Den Anstoß für das Projekt gab die Anfrage eines Pharmaherstellers. Anforderungen des USA- und des japanischen Marktes ließen ihn vom Recyclingkarton abrücken. Da die Kosten für das neue, auf Frischfasern basierte Verpackungsmaterial nicht steigen sollten, starteten die Zulieferer ihre Studie mit den grammaturreduzierten Kartons. Die Tests verglichen gestrichene Recyclingkartons mit 320 g/m2 und gestrichene Frischfaserkartons mit 250 g/m2 jeweils mit einem biegefesten Frischfaserkarton Tambrite von Stora Enso mit 215 g/m2.

Dazu wurde das Material von Edelmann als Standard-Blisterverpackung, als quadratische und als überquadratische Faltschachtel zu drei gängigen Pharmapackungsformaten umgesetzt, bedruckt und veredelt. Auf einer Blisterlinie von Uhlmann wurden sie dann aufgerichtet und codiert; das alles in der für Pharma-Aufträge typischen hohen Laufleistung. „Eine Woche lang liefen bei Uhlmann die Tests, tonnenweise Probekartons entstanden“, berichten die drei Partner. Mit dem Ergebnis zeigen sie sich zufrieden. „Es lassen sich definitiv Verpackungen mit wesentlich weniger Flächengewicht produzieren, ohne Abstriche bei der Festigkeit sowie der Eignung für Druck, Veredelung und Codierung zu machen – und ohne Umrüstungen der Verpackungsanlagen vornehmen zu müssen“, bestätigt Dirk Bauernfeind, Leiter Produktmanagement bei Uhlmann.

Weniger Lager- & Transportvolumen, bessere CO2-Bilanz
Auch die in der Folge entstehenden Prozess- und Umweltvorteile sind durch die Studie belegt. So reduziert sich durch das geringere Gesamtvolumen der benötigte Lagerraum bei allen Prozessbeteiligten bis hin zum Pharmahandel. Dazu kommen weitere ökonomische sowie ökologische Aspekte, wie beispielsweise weniger Rohstoffverbrauch, geringeres Transportaufkommen, weniger Verpackungsabfälle, dadurch niedrigere Gebühren und unterm Strich eine verbesserte CO2-Bilanz.

„Weil schlussendlich keine Investitionen in Umrüstungen anfallen, bedeutet die hohe Gesamtwirtschaftlichkeit von Valuecase einen zukunftsweisenden Ansatz für die Produktion von Pharmaverpackungen“, ist Meino Adam vom Verpackungshersteller Edelmann, der für den Gesamtprozess der Valuecase-Studie verantwortlich war, fest überzeugt.
„Wir wollten nicht einfach nur an der Kostenschraube drehen, sondern wirklich etwas bewegen“, ergänzt Winfried Schmahl, zuständig für die Segmententwicklung bei Stora Enso. Daher sei es natürlich auch darum gegangen, den Grundbedarf – also Biegefestigkeit, Bedruckbarkeit, notwendige Dicke der Verpackungsmaterialien – festzusetzen und diesen als prozesstaugliche Lösung auszugestalten.

Optimierungsspielraum neu definiert
Für die spezifischen Anforderungen der Pharma-, aber auch der Lebensmittelindustrie wurde mit der Studie eine neue Marke gesetzt. „Wir haben gemeinsam bewiesen, dass der größte Schritt machbar ist“, lautet das Fazit von Meino Adam. „Damit haben wir den Spielraum, innerhalb dessen wir Optimierungen möglich machen können, völlig neu definiert.“
Und wie die bisherige ist auch diese neue Grenze nichts für die Ewigkeit. Auch weiterhin kratzen die Valuecase-Partner an den obersten Toleranzwerten. Derzeit laufen Tests mit einer Grammatur von 210 g/m2.l

ZUR TECHNIK
Valuecase auf der Interpack

Valuecase wird in einer Live-Anwendung auf der Interpack vorgestellt. Verpackungen von Edelmann, gefertigt aus Tambrite-Karton von Stora Enso, werden auf einer Blisterlinie von Uhlmann befüllt (Halle 16 – B23). Informationen über Value Case bietet Edelmann in Halle 11 – A14 und Stora Enso in Halle 9 – B20-1.

Edelmann Halle 11 – A14
Stora Enso Halle 9 – B20-1
Uhlmann Halle 16 – B23

Mehr über Faltschachteln erfahren Sie hier.

Heftausgabe: Mai 2014

Über den Autor

Christiane Hilsmann, Redaktrionsbüro Faktum
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