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Süßungsmittel Stevia: vom Acker oder aus der Fabrik?

13.11.2013 Mit genmanipulierten Hefen will der US-Konzern Cargill Steviolglykoside herstellen, die mit dem Süßkraut aus Südamerika nichts mehr zu tun haben, meldet die Universität Hohenheim. Dagegen will dort der Agrarwissenschaftler Dr. Udo Kienle ein naturbelassenes Stevia-Süßungsmittel zur Marktreife bringen.

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Süßungsmittel Stevia: vom Acker oder aus der Fabrik?

Eine Schlacht entbrennt um den Süßstoff Stevia: Während der US-Konzern Cargill diesen biotechnisch herstellen will und dadurch der Marktpreis um den Faktor 20 sinken könnte, will die Uni Hohenheim naturbelassenes Stevia marktreif machen (Bild: JJAVA-Fotol

Feldversuche der Uni Hohenheim sollen langfristige Ertragszahlen liefern und Laborversuche die gesundheitliche Unbedenklichkeit beweisen. Dadurch sollen Landwirte eine Perspektive erhalten, die bisher vom Tabakanbau leben. Dafür gibt es ab 2014 keine Subventionen mehr. Die Europäische Union fördert das Forschungsprojekt mit über 2,3 Mio. Euro, das damit zu den Schwergewichten der Forschung an der Uni Hohenheim gehört. Bis 2016 soll das naturbelassene Süßungsmittel aus der Stevia-Pflanze marktreif sein.

Der US-Lebensmittelriese Cargill will den Stevia-Süßstoff Steviolglykosid künftig biotechnisch gewinnen. Das neuartige Verfahren ist hocheffizient: Eine einzige Fabrikhalle könnte die gesamte derzeitige Stevia-Anbaufläche auf der Welt überflüssig machen. Die Herstellung ist sehr kostengünstig: Der Preis könnte von derzeit bis zu 180 Euro pro kg auf unter 10 Euro fallen. Bis 2020 will Cargill 20 % der weltweiten Süßungsmittel-Nachfrage abdecken.

Seit Ende 2011 sind Steviolglykoside als Lebensmittelzusatzstoff (E960) zugelassen. Steviolglykoside sind etwa 200mal süßer als Zucker. Sie machen nicht dick, weil sie keine Kalorien enthalten und verursachen keine Karies. Auch in Deutschland greifen immer mehr Menschen zu Produkten, die Steviolglykoside enthalten, welche durch ein chemisches Verfahren aus der Pflanze Stevia rebaudiana hergestellt werden. Sie produziert süßschmeckende Substanzen, die Steviolglykoside. Ursprünglich stammt die Stevia-Pflanze aus Paraguay.

„Durch das neue Herstellungsverfahren werden Stevioglykoside endgültig zu einem reinen Kunstprodukt ohne jeden Bezug zur Natur“, erklärt Dr. Udo Kienle vom Institut für Agrartechnik der Universität Hohenheim. „Dabei legen 40 Prozent der Verbraucher Wert auf naturnahe Lebensmittel.“ Als Gegenentwurf will der Forscher ein naturbelassenes, kalorienarmes Süßungsmittel aus dem Süßkraut Stevia rebaudiana zur Marktreife bringen.

„Wenn man einen Landwirt dazu bringen will auf eine andere Kulturpflanze umzusteigen, muss man ihm verlässliche Ertragsprognosen liefern“, sagt Kienle. Deshalb baut der Forscher Stevia seit vielen Jahren versuchsweise auf Feldern in verschiedenen europäischen Mittelmeerstaaten an und erfasst, wie hoch die Ernteerträge ausfallen und ob sie über die Jahre einigermaßen konstant bleiben. Diese Forschungsarbeiten werden in enger Zusammenarbeit mit verschiedenen landwirtschaftlichen Tabakanbau-Kooperativen aus Griechenland, Italien, Portugal und Spanien durchgeführt. Dort soll ab 2016 der großflächige Anbau starten und die kalorienarme Natursüße auf Basis von Stevia rebaudiana hergestellt werden.

Naturbelassenes Stevia-Süßungsmittel soll 2016 marktreif sein
„Wer in der EU ein neues Lebensmittel auf den Markt bringen will, muss sehr hohe Sicherheitsstandards einhalten“, erklärt Kienle. Dazu gehöre auch ein Nachweis über die gesundheitliche Unbedenklichkeit. „Ich bin mir zwar absolut sicher, dass Stevia harmlos ist, aber es fehlt eben noch der endgültige Nachweis dafür.“

Den sollen Ratten liefern. Sie leben in Laboren in Bologna und Posen und bekommen das naturbelassene Stevia-Süßungsmittel zu fressen. „Die Projektpartner untersuchen die Tiere hinterher auf Tumore und beleuchten, ob Stevia die Aufnahme von Vitaminen, Spurenelementen und anderen Mikronährstoffen hemmt“, erklärt Dr. Kienle. Erst wenn die Wissenschaftler beides ausschließen können, ist die Unbedenklichkeit des Stevia-Süßungsmittels bewiesen.

Das Forschungsprojekt Go4Stevia
Hinter der Abkürzung Go4Stevia verbirgt sich der Projektname „Stevia rebaudiana as a diversification alternative for European Tobacco Farmers to strengthen the European Competitiveness“. Das Forschungsprojekt ist im Februar 2013 angelaufen und auf drei Jahre angelegt. Die Europäische Union unterstützt das Vorhaben mit insgesamt rund 2,3 Mio. Euro. Projektkoordinator ist der Agrartechniker Prof. Dr. Thomas Jungbluth, Leiter des Fachgebiets Verfahrenstechnik der Tierhaltungssysteme an der Universität Hohenheim. Beteiligt sind außerdem Dr. Morando Soffritti vom Ramazzini-Institut in Bologna und Dr. Magdalena Czlapka-Matyasik von der Life Science Universität Posen.

(dw)

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