Sicherheit als Imagefaktor

Thema „Arzneimittelfälschung“ noch ernster nehmen

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16.04.2008 Auch im Pharmabereich gefährden Fälschungen Image und Umsatz der Hersteller sowie die Gesundheit der Käufer. Doch der Kampf gegen die Produktfälscher ist nicht aussichtslos. Fachleute der Offensive gegen Produkt- und Markenpiraterie, gemeinsam getragen von der Copaco-Gruppe, der Aktion Plagiarius e. V. und dem Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau, empfehlen Herstellern, sich dem Thema aktiv zu stellen und integrierte Sicherheitskonzepte einzusetzen. Damit können sie nicht nur die Sicherheit ihrer Produkte erhöhen. Sicherheitsmerkmale lassen sich zugleich auch als Marketinginstrumente nutzen.

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Entscheider-Facts


  • Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fördert aktuell mit 15Mio. Euro zehn neue Forschungsprojekte gegen Produktpiraterie, deren Ziel die Entwicklung eines „eingebauten Kopierschutzes“ ist.
  • Speziell gegen Arzneimittelfälschungen unterstützt das BMBF im Rahmen des Forschungsprojekts „EZPharm“ die Entwicklung einer durchgängig kontrollierten und geschützten Prozesskette für den Pharmabereich.
  • Medikamente sollen künftig auf allen Stufen der pharmazeutischen Versorgungskette – vom Hersteller über Großhandel, Krankenhäuser, Apotheken und Ärzte bis zum Patienten – fälschungssicher transportiert und verteilt werden können.

Auch wenn bei Arzneimitteln die Vertriebswege durch gesetzliche Regelungen kontrolliert werden wie in kaum einer anderen Branche, bieten sie längst keine vollständige Sicherheit gegen Produktfälschungen. Heute wird so dreist kopiert wie nie zuvor. Um Nachahmern keine Chance zu lassen, müssen deshalb die Hersteller aktiv werden. „Viele neigen noch dazu, das Problem zu verdrängen, oder warten auf den Gesetzgeber“, so Martina Claus vom Copaco-Aktionsteam Produkt- und Markenschutz. „Wir empfehlen hingegen, das Thema aktiv anzugehen und der Verbreitung von Kopien und Fälschungen möglichst den Boden zu entziehen.“

„Die zunehmende Selbstmedikation, der Vertrieb von Arzneimitteln durch das Internet und die bevorstehende Liberalisierung im Apothekenmarkt erfordern es, die Situation neu zu bewerten und offensiver mit dem Thema Fälschungen umzugehen“, so Claus.

Integrierte Sicherheitskonzepte zur Absicherung der Vertriebskette

Sicherlich ist beim Verbraucher in Gesundheitsfragen die Vorsicht größer. Die Bereitschaft, ein Medikament aus zweifelhafter Quelle nur um des günstigeren Preises willen zu erwerben, ist geringer, als wenn es beispielsweise um CDs geht. Doch es bestehen fraglos Sicherheitslücken auch in den klassischen Vertriebswegen, und Plagiate gelangen über den regulären Handel zum Verbraucher, wie die Beispiele aus dem Konsumgüterbereich zeigen. „Um dagegen wirksam Vorsorge zu treffen, müssen integrierte Sicherheitskonzepte zur Absicherung der kompletten Vertriebskette zum Zuge kommen“, sagt der Geschäftsführer der Copaco-Gruppe, Karl-Reiner Müller.

Allein die Entwicklung immer ausgeklügelterer Sicherheitsmerkmale könne nicht das Ziel sein. Denn selbst wenn die Verpackungshersteller permanent neue druckbare Sicherheitsmerkmale vorstellen – gewiefte Fälscher ziehen technisch immer schnell nach. Da einzelne Sicherheitsmerkmale, wie beispielsweise aufgedruckte Hologramme oder Wasserzeichen, in kürzester Zeit kopiert sind, sollten stets mehrere Merkmale zum Einsatz kommen und miteinander kombiniert werden.
Besonders wirksam ist die Absicherung der kompletten Supply Chain, indem die Vertriebswege lückenlos nachverfolgt und überwacht werden. Dabei ist das zentrale Element die Verpackung als Träger verschiedener Sicherheitsmerkmale beziehungsweise Track-and-Trace-Komponenten, mit deren Hilfe Handel und Kunden die Echtheit und Herkunft von Produkten prüfen können. So bietet der Pharmaspezialist Faller Etikettenlösungen mit sequenzieller Nummerierung und einer Verwaltung der Nummern in gesicherten IT-Systemen bereits in der Praxis bewährte Lösungen. Neue Entwicklungen wie das mehrfach ausgezeichnete Verpackungssystem Karl Knauer Ident erweitern die Möglichkeiten, Verpackungen per alphanumerische oder Data-Matrix-Codes zu individualisieren und mithilfe modernster Kommunikationstechnik via Internet, SMS oder WAP Produkte durch unmittelbare Abfrage als Original oder Fälschung zu identifizieren.

Sicherheitsmerkmale alsMarketinginstrument

Die lückenlose Rückverfolgbarkeit von Medikamenten ist in den USA bereits gesetzlich vorgeschrieben. Allerdings hat man sich noch nicht auf ein einheitliches Verfahren festgelegt. Eine viel versprechende Option ist der Einsatz von RFID, doch noch sind die Kosten für einen flächendeckenden Einsatz ein deutliches Hindernis. Fälschungsschutz lediglich unter Kostengesichtspunkten zu sehen wäre jedoch falsch, bieten sich den Unternehmen doch auch klare Chancen: „Gerade in Zeiten zunehmender Produkt- und Markenpiraterie können Hersteller sichtbare Sicherheitsmerkmale auf der Verpackung offensiv als Marketinginstrument nutzen“, erläutert Jürgen Nowak, Produktmanager bei Faller. Größere Produktsicherheit fördert beim Kunden grundsätzlich das Markenimage, besonders bei sensibel empfundenen Produkten. Markenhersteller könnten Codes nutzen, um die Kundenbindung zu erhöhen.

So besteht beispielsweise die Möglichkeit, nach Eingabe des Codes weitergehende Produktinformationen zur Verfügung zu stellen, denn gerade im Pharmabereich ist der Informationsbedarf der Verbraucher sehr hoch. Im OTC-Bereich könnten individuelle Codes darüber hinaus genutzt werden, um Marketingaktionen wie Gewinnspiele gezielt zu platzieren. Aus den Rückmeldungen können vertriebsrelevante Daten, beispielsweise hinsichtlich Kundenstruktur und Verkaufszahlen, generiert werden.

Heftausgabe: April-Mai 2008
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Susanne Knuth , freie Fachjournalisten

Über den Autor

Susanne Knuth , freie Fachjournalisten

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